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Leichtathletik
Merlin Hummel steht im EM-Finale
Merlin Hummel aus Kulmbach qualifizierte sich mit der fünftbesten Weite in Rom fürs Finale.
Merlin Hummel aus Kulmbach qualifizierte sich mit der fünftbesten Weite in Rom fürs Finale. // Michael Kappeler, dpa
Fokussiert: Merlin Hummel im Ring des Olympiastadions in Rom.
Fokussiert: Merlin Hummel im Ring des Olympiastadions in Rom. // Michael Kappeler, dpa
Kulmbach/Rom – Merlin Hummel hat bei der Leichtathletik-Europameisterschaft in Rom sein erstes Ziel erreicht. Mit der fünftbesten Weite unter den 30 Athleten qualifizierte sich der 22-jährige Kulmbacher locker für das Finale am Sonntagabend.

Da, wo die deutschen Fußballer 1990 Weltmeister wurden, träumt auch der Kulmbacher Merlin Hummel von einer sportlichen Sternstunde. Bei der Leichtathletik-Europameisterschaft im Olympiastadion von Rom legte der Hammerwerfer des UAC Kulmbach in der Qualifikation eine starke Leistung hin. Seine 75,73 Meter  waren die sechstbeste Weite der 30 Starter. Damit zog der 22-jährige Modellathlet ins Finale der besten Zwölf am Sonntagabend ab 21 Uhr ein. Die ARD überträgt die Medaillenentscheidung live. Alle Teilnehmer starten wieder bei Null. Nach drei Versuchen dürfen die besten Acht noch mal drei Würfe absolvieren.

Merlin Hummel startete am Samstagvormittag in der Gruppe A mit einem Sicherheitswurf auf 73,73 Meter. Eine ordentliche Weite, aber rund vier Meter unter seiner Bestmarke aus dem Mai. Doch war die Weite  wichtig, um die Nerven zu beruhigen. Schließlich steckt ihm immer noch das Debakel von Budapest im Hinterkopf, als er bei der WM 2023 in der Quali alle drei Versuche in den Sand gesetzt hatte.

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Nach dem ersten Durchgang lag Merlin Hummel auf Rang 6 unter den 15 Werfern der Qualifikationsgruppe A.

Olympiasieger Nowicki setzt Ausrufezeichen

Im zweiten Durchgang setzte dann Olympiasieger Woicziech Nowicki ein Ausrufezeichen. Der 36-jährige Pole schleuderte das 7,2 Kilogramm schwere Sportgerät auf 79 Meter und überbot damit als Erster die 77 Meter, die das sichere Ticket für den Endkampf bedeuteten. Am Ende war es auch die beste Vorkampf-Leistung von allen.

Auch Merlin Hummel steigerte sich im  zweiten Versuch deutlich. Sein Hammer landete diesmal bei guten 75,73 Metern, exakt zwei Meter weiter als beim ersten Wurf. "Der erste Versuch war technisch nicht so gut, etwas überdreht", analysierte Martin Ständner, der neben Bundestrainer Helge Zöllkau auf der Tribüne mitfieberte.

Am weitesten flog Hummels Hammer im dritten Versuch. Doch landete die Eisenkugel mit samt Wurfkette knapp außerhalb des Wurfsektors nahe der 77-Meter-Markierung. Den Fehlversuch konnte der Kulmbacher aber verschmerzen, denn aus der zweiten Qualifikations-Gruppe waren nur noch drei Athleten besser als er, so dass er am Ende auf Platz 6 landete und sicher ins Finale einzog.

Der Kulmbacher Hammerwerfer Merlin Hummel und sein Trainer Martin Ständner vor dem Aufwärmstadion bei der Leichtathletik-EM in Rom.
Der Kulmbacher Hammerwerfer Merlin Hummel und sein Trainer Martin Ständner vor dem Aufwärmstadion bei der Leichtathletik-EM in Rom. // privat

"So eine Qualifikation ist immer hart, der Kopf spielt eine große Rolle. Da pocht schon die Pumpe. Ich war froh, dass der erste gültig war und der zweite halbwegs weit ging", zeigte sich Merlin Hummel live im ZDF-Interview mit Norbert König erleichtert über den gelungenen Start in die EM.  Auch Martin Ständner fiel mehr als ein Stein vom Herzen, dass sein Schützling das Minimalziel erreicht hat.  "Natürlich herrscht bei mir und Merlin großes Aufatmen, denn in so einem großen Wettkampf musst du dich erst einmal behaupten."

Trotz des "immensen Drucks" und der hohen Temperaturen von über 30 Grad Celsius, die aktuell in der italienischen Hauptstadt gemessen werden, konnte Merlin Hummel die Atmosphäre im Olympiastadion genießen. "Es hat Spaß gemacht.  Das Stadion liegt in einer idyllischen Landschaft. Auch der Aufwärmplatz mit seinen vielen  römischen Skulpturen ist wunderschön."

Nach dem Wettkampf ging es mit dem Transfer-Bus rund 40 Minuten zurück ins Hotel. Nach dem Mittagessen legte sich Merlin Hummel für ein Erholungs-Schläfchen aufs Ohr, abends wollten er und sein Trainer noch mal zum Zuschauen ins Stadion. Am nächsten Tag wolle man vormittags noch ein paar Übungen machen, um die Spannung hochzuhalten, so Martin Ständners Plan. "Wenn wir nur im Stadion sitzen und zuschauen, wird der Tag zu lang." 

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So plant Hummel für das Finale

Merlin Hummel hat sich für das Finale folgendes vorgenommen:  "Ich will gut in den Wettkampf reinkommen und die ersten drei Würfe technisch sauber hinbekommen." Der Sportsoldat hofft, dass er an seine Saisonbestweite von 78,11 Metern hinwerfen kann. "Damit wäre die Wahrscheinlichkeit groß, dass man noch mal drei Würfe hat", sagt der 22-Jährige. Und dann möchte er alles raushauen, was er hat. Zu verlieren hat er aber schon jetzt nichts mehr, denn als einer der jüngsten Athleten im Feld überhaupt das Finale einer EM zu erreichen kann der Kulmbacher jetzt schon als Riesenerfolg verbuchen.

Der Kulmbacher Hammerwerfer Merlin Hummel und sein Trainer Martin Ständner vor dem Aufwärmstadion bei der Leichtathletik-EM in Rom.
Der Kulmbacher Hammerwerfer Merlin Hummel und sein Trainer Martin Ständner vor dem Aufwärmstadion bei der Leichtathletik-EM in Rom. // privat

Nicht zu vergessen: Für seine gute Platzierung in der Quali gibt es jede Menge Weltranglistenpunkte, die für die Olympia-Qualifikation ausschlaggebend sind, sollte Merlin Hummel die geforderte Quali-Norm von 78,20 Metern nicht mehr packen. Und schon dank des Ergebnisses von Samstag dürfte Hummel das Ticket nach Paris nicht mehr zu nehmen sein.

Sören Klose scheidet aus

Um dieses muss dagegen Sören Klose mehr denn je zittern. Denn der zweite Deutsche bei der EM schied schon in der Qualifikation aus.  Der 21-jährige Athlet von Eintracht Frankfurt, der in dieser Saison seine Bestleistung auf 77,49 Meter gesteigert hat, blieb wohl auch wegen einer Erkältung und Rückenproblemen mit 72,96 Metern deutlich unter seinen Möglichkeiten und wurde unter den 30 Startern nur Neunzehnter. 

Ergebnis Hammerwurf-Qualifikation Männer (die besten 12 sind im Finale): 1. Wojciech Nowicki (Polen) 79,00 Meter; 2. Bence Halasz (Ungarn) 77,84, 3. Mykhaylo Kokhan (Ukraine) 77,77, 4. Yann Chaussinand (Frankreich) 76,84, 5. Jake Norris (England) und Merlin Hummel  (UAC Kulmbach) je 75,73, 7. Eivind Henriksen  (Norwegen) 75,49, 8. Matija Greguric (Kroatien) 75,42, 9. Quentin Bigot (Frankreich) 75,29, 10. Serghei Margiev (Moldau) 75,18, 11. Pawel Fajdek (Polen) 75,17, 12. Konstantinos Zaltos (Griechenland) 74,49, 19. Sören Klose (Frankfurt) 72,96.

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