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Hummels Weg nach Paris, Teil 2
So ernährt sich ein Olympionike: Sechs Eier zum Frühstück
Der Japaner Shoto Fukada, Weltmeister Ethan Katzberg und Merlin Hummel (von links) beim Essen im Hotel.
Der Japaner Shoto Fukada, Weltmeister Ethan Katzberg und Merlin Hummel (von links) beim Essen im Hotel. Die drei Weltklasse-Hammerwerfer trafen sich im Frühjahr im Trainingslager in Portugal. // Martin Ständner
Kulmbach – Vier Wochen noch - dann will Merlin Hummel als erster Kulmbacher Olympionike Geschichte schreiben. Um in Paris topfit zu sein, überlässt er nichts dem Zufall. Auch nicht bei der Ernährung.

Martin Ständner hat schon viele hoffnungsvolle Hammerwerfer- und werferinnen an die nationale, manche gar internationale Spitze herangeführt. Doch die meisten von ihnen verschleuderten  ihr Talent, weil ihnen der letzte Biss und die Bereitschaft fehlte, dem Sport alles unterzuordnen.

Merlin Hummel macht das. So ist er das erste Talent aus der Stadtsteinacher Werfer-Schmiede seit  Simone Mathes, die Ende des vergangenen Jahrtausends deutsche Serienmeisterin und WM-Teilnehmerin war, das seine erfolgreiche Karriere im Nachwuchsbereich auch bei den Erwachsenen fortsetzen konnte. Der 22-jährige Hummel wurde jüngst in Rom mit neuer persönlicher Bestweite von 79,23 Metern überraschend EM-Vierter und löste damit das Ticket zu den Olympischen Spielen. In unserer Serie "Hummels Weg nach Paris" zeigen wir, wie sich der Kulmbacher auf das größte Sportereignis der Welt vorbereitet. Heute verrät der Olympionike, wie er sich ernährt.

Merlin Hummel nimmt sich bei der Deutschen Meisterschaft in Braunschweig Zeit für seine jungen Fans.
Merlin Hummel nimmt sich bei der Deutschen Meisterschaft in Braunschweig Zeit für seine jungen Fans. // 

Merlin Hummel hat sich bei der Europameisterschaft in Rom mit vielen anderen Leichtathleten unterhalten. "Ich war überrascht, wie wenig Ahnung viele von Profi-Ernährung haben", sagt der Kulmbacher. Im EM-Finale der Hammerwerfer habe er sogar Athleten gesehen, "die sich noch einen Energy-Drink mit sehr viel Zucker reingezogen haben". Davon hält er nicht gar,  hat er sich doch in den vergangenen Jahren sehr viel mit dem Thema Ernährung auseinandergesetzt. "Das sollte jeder machen, der ein Ziel hat, denn Ernährung ist extrem wichtig für die Regeneration", weiß Hummel. 

Kulmbacher Hammerwerfer Merlin Hummel und seine Ernährung

Kulmbacher Hammerwerfer Merlin Hummel und seine Ernährung

Der Modellathlet, der bei 1,86 Metern Körpergröße 115 Kilogramm auf die Waage bringt, kocht selbst gerne - inzwischen ausschließlich vegetarisch. Sein Speiseplan ist fast immer gleich. "Zum Frühstück gibt es sechs Eier, Haferflocken und Tiefkühlbeeren oder Vollkornbrot." Dieses bekommt er von einem Hersteller aus Weißenstadt, der den Kulmbacher Leichtathleten neuerdings sponsert.

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Anschließend fährt Merlin Hummel zum Training mit seinem Coach Martin Ständner auf die Wurfanlage nach Stadtsteinach, wo in der Regel von zehn bis zwölf Uhr trainiert wird. Danach geht es zum Mittagessen zurück nach Kulmbach. In der Regel gibt es Reis mit Sojagranulat. "Drei dicke Teller voll. Das ist schnell verdaulich und hat super Nährwerte", erklärt Merlin Hummel. Früher hat er seine Mahlzeiten täglich frisch zubereitet.  "Inzwischen koche ich nur noch einmal die Woche eine größere Menge und friere dann portionsweise ein. Das spart viel Zeit", meint der beste deutsche Hammerwerfer seit 2011.

Bratwürste vor dem Wettkampf

Martin Ständner hat in seiner jahrzehntelangen Tätigkeit als Wurftrainer schon haarsträubende Dinge erlebt. "Ich hatte Athleten, die im Trainingslager im Hotel das normale, durchaus gute Essen nicht angerührt haben und sich stattdessen aus der Küche einen Berg Pommes mit Ketchup geholt haben. Die lagen dann nachmittags mit Bauchschmerzen unter dem Baum und konnten nicht trainieren."  Der 68-jährige Trainer erinnert sich noch an einen anderen hochtalentierten Werfer, der immerhin Deutscher Jugendmeister war. "Er hat vor dem Wettkampf noch vier Bratwürste gegessen ..."

Kulmbacher Hammerwerfer Merlin Hummel und seine Ernährung

Kulmbacher Hammerwerfer Merlin Hummel und seine Ernährung

Komplett fleischlos ernährt sich aber auch Merlin Hummel nicht. So gönnte er sich nach der Deutschen Meisterschaft in Braunschweig, wo er Silber holte, im Restaurant zwei Schweine-Schnitzel, natürlich nicht paniert, mit Bratkartoffeln. "Auf ein gutes Schnitzel freue ich mich schon mal."  Martin Ständner findet das "auch völlig okay". Für den erfahrenen Trainer ist rein vegetarische oder gar vegane Ernährung für einen Sportler ungeeignet.   "Einmal die Woche ein gutes Stück Fleisch oder Fisch ist wichtig, weil der Körper Aminosäuren und Eisen so leichter aufnimmt. Wichtig ist, möglichst wenig schlechte, dafür gute wie im Fisch oder Olivenöl zu sich zu nehmen."

Martin Ständner erinnert sich an ein Experiment vor über 20 Jahren mit seinen ehemaligen Schützlingen Simone Mathes und Manuela Priemer. "Sie haben mal vor allem Gemüse und Obst und ganz wenig Fleisch und Käse gegessen. Da hat ihnen dann einfach der Biss beim Krafttraining gefehlt." 

Beschwerde von Gina Lückenkemper

Die zweite tägliche Trainingseinheit in Stadtsteinach beginnt in der Regel erst um 18 Uhr. Das hat seinen Grund: "Gleich am Nachmittag wieder zu trainieren, ist für Kraftsportler ein Unsinn. Denn bis der Testosteron-Spiegel wieder oben ist, dauert es", erklärt Martin Ständner. Das männliche Sexualhormon spielt auch für Sportler eine große Bedeutung. Die künstliche Zufuhr wäre in der Leichtathletik Doping. Doch gibt es auch legale Möglichkeiten, den Testosteron-Spiegel zu heben. So regen Brokkoli oder Hafer im Körper die Bildung von Testosteron an.

Nach dem Abendtraining gönnt sich Merlin ab und zu den italienischen Klassiker Caprese, also Tomaten mit Mozzarella. Immer gibt es aber noch einmal Haferflocken. "Sie geben viel Energie, die lange nachhält - anders als Bratwürste - und sind für Merlin ein Grundnahrungsmittel", weiß Martin Ständner. Das musste auch Sprinterin Gina Lückenkemper feststellen. Martin Ständner erzählt schmunzelnd: "Sie hat sich bei der DM in Braunschweig bei Merlin beschwert, dass er ihr bei der EM in Rom am Frühstücksbuffet im Hotel alle Haferflocken weggeschnappt hat."

Merlin Hummel stemmt wenige Tage vor der Leichtathletik-EM im Trainingsraum in Stadtsteinach Gewichte.
Merlin Hummel stemmt wenige Tage vor der Leichtathletik-EM im Trainingsraum in Stadtsteinach Gewichte. // Martin Ständner

Dass sich Merlin Hummel sehr mit der richtigen Ernährung beschäftigt,  gefällt Martin Ständner natürlich sehr.  "Er passt auch auf, nicht zu viele Ballaststoffe zu sich zu nehmen, die die Verdauung belasten." Für den angehenden Olympioniken ist es inzwischen selbstverständlich, sich zu quälen: "Das ist mein Beruf. Man muss das harte Training aber schon mögen." In den vergangenen drei Wohen hat sich Merlin Hummel noch einmal richtig geschunden, für das große Ziel Paris die Trainingsinhalte auf Kraftausdauer und Muskelaufbau ausgerichtet. "Jetzt steht Schnell- und Maximalkrafttraining an", erklärt Martin Ständner.

Sein Wissen über die richtige Sportlerernährung hat sich Merlin Hummel  größtenteils selbst angeeignet. "Ich  schaue mir viele Inhalte im Internet an, etwa von Bodybuildern. Denn sie sind absolute Profis der Ernährung." Auch Apps auf dem Handy nutzt der Kulmbacher Weltklasse-Werfer: "Ich trage ein, was ich esse, und mir wird dann angezeigt, welche und wie viele Nährstoffe ich aufgenommen habe. Dann weiß ich, wo ich noch Bedarf habe." 

Die Stadtsteinacherin Simone Mathes hat 2004 die Olympia-Teilnahme nur haarscharf verpasst.
Die Stadtsteinacherin Simone Mathes hat 2004 die Olympia-Teilnahme nur haarscharf verpasst. // Ralf Görlitz

Simone Mathes zollt Respekt

Simone Mathes war wie Merlin Hummel Vierte bei einer Europameisterschaft. Vor 20 Jahren hatte sie bei der Deutschen Meisterschaft das Olympia-Ticket dicht vor Augen. Doch mit dem allerletzten Versuch schnappte ihr das Susi Keil noch vor den Nase weg und fuhr zu den Spielen nach Athen. "Das war schon bitter", erinnert sich die heute 49-jährige Mathes. Umso mehr freut sie sich nun, dass es Merlin Hummel geschafft hat und zollt ihm große Bewunderung.  "Um bei der EM im letzten Versuch noch so einen raushauen zu können, dafür brauchst du schon gute Nerven. Das war für sein Alter schon Weltklasse", sagt Simone Mathes.

Auch zu ihrer aktiven Karriere vor 25 Jahren "haben wir schon gewusst, dass Essen bei McDonalds nicht die richtige Sportlernahrung ist und das Zucker müde macht", sagt die gebürtige Stadtsteinacherin. "Bei uns gab es schon keine Pizza oder fettiges Essen. Aber nach der Saison haben wir schon mal gesündigt." Die richtige Ernährung sei für Profisportler ein Teil eines großen Puzzles. "Dazu gehören auch ausreichend Schlaf und die richtige Regeneration", weiß Simone Mathes. 

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