Seinen Titel hatte Merlin Hummel im Vorjahr verloren, weil er wegen eines Missgeschicks nur außer Konkurrenz antreten durfte. Dass er seine Startkarte zu spät abgab, passierte ihm bei der "Deutschen" diesmal natürlich nicht wieder. "Sie waren sicher Erster bei der Abgabe", scherzte hinterher ZDF-Sportreporter Norbert König im Interview mit Merlin Hummel.
Der Kulmbacher war mit keinen "großen Erwartungen" zu den nationalen Titelkämpfen nach Braunschweig gereist. Schließlich hatte er nach seiner sensationellen Leistung bei der Europameisterschaft in Rom, wo er mit 79,23 Metern Platz 4 holte und erstmals die Olympia-Norm überbot und damit das Ticket zu den Spielen in Paris löste, seinen Trainingsplan noch einmal komplett umgestellt. Der Kulmbacher absolvierte wie schon in der Wintervorbereitung wieder gezielt Krafttraining. "Merlin hat in den vergangenen drei Wochen richtig geblockert", sagt sein Trainer Martin Ständner. "Deshalb war er heute nicht ganz so frisch."
Dass er wie in Rom an die 80 Meter heranwirft, hatten angesichts des zuletzt harten Trainings weder Hummel noch Ständner erwartet. "Aber 76 Meter hätten es schon sein können", meint der erfahrene Werfer-Coach, der aber die fehlenden Meter auch mit den widrigen Bedingungen erklärt. Denn der Wurfring im Braunschweiger Stadion war auf Grund des anhaltenden Regens äußerst glitschig. Schwächere Athleten landeten da schon mal auf dem Hosenboden. Auch Merlin Hummel leistete sich einige "technische Fehler", wie sein Heimtrainer analysiert. Am Ende waren nur drei seiner sechs Versuche gültig. Nach den 74,37 Metern im ersten Durchgang kam der Kulmbacher nur noch auf 73,06 und 71,94 Meter in den Versuchen 4 und 5. Dagegen zeigte sein Dauerrivale Sören Klose (Eintracht Frankfurt) vier konstant weite Würfe auf 75,29 Meter, 75,04 Meter, 74,66 Meter und 75,70 Meter, die allesamt gereicht hätten, um an diesem Tag Deutscher Meister zu werden.
"Ich befinde mich wieder mitten im Kraftaufbau. Meine Muskeln waren müde, haben nicht das gemacht, was ich wollte", erklärt Merlin Hummel, der den Wettkampf und die Stimmung im Stadion trotzdem genossen hat und auch mit Silber zufrieden ist.
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"Ich freue mich riesig, dass ich das Ding noch einmal nach Hause geholt habe", sagt Sören Klose, für den der Wettkampf noch immense Bedeutung hatte. Denn er brauchte nach der verpatzten EM, wo er auf Grund einer Corona-Infektion mit nur 73,43 Metern schon in der Qualifikation scheiterte, bei der DM eine große Weite plus eine bestmögliche Platzierung, um seine Punkte und Platzierung in der Weltrangliste noch zu verbessern. Denn über diese können sich noch Athleten wie Klose, die die Olympianorm von 78,20 Metern nicht geschafft haben, für das Feld der 32 Olympia-Hammerwerfer qualifizieren. Sören Klose lag bislang auf Rang 38. Ob der DLV neben Hummel einen zweiten Hammerwerfer nach Paris schicken darf, wird sich in den nächsten Tagen zeigen. "Ich glaube schon, dass das viel ausmachen wird im Ranking. Wenn es klappt, freue mich riesig, wenn nicht, schaue ich am Fernseher zu", sagte Klose.
Merlin Hummel hätte sich natürlich schon gerne das verlorene Gold von Sören Klose zurückgeholt, gönnte aber seinem Rivalen, mit dem er sich gut versteht, den Titel. Der Kulmbacher würde sich "extrem freuen", wie er im ZDF-Interview sagte, wenn es auch Sören Klose zu Olympia schaffen würde. Dafür hat er ihm gerne den Vortritt bei der DM und damit wichtige Punkte überlassen. "Ich hoffe es reicht jetzt, ich habe mein Bestes gegeben", sagte Merlin Hummel.
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Merlin Hummel und Sören Klose sind derzeit die beiden einzigen deutschen Hammerwerfer von internationalem Niveau. Hinter den beiden klafft weiterhin eine riesige Lücke. So reichten Cristoph Gleixner (Eintracht Frankfurt) magere 65,44 Meter zum Gewinn der Bronzemedaille.
Linus Liebenwald auf Platz 9
Mit Linus Liebenwald hatte der UAC Kulmbach noch einen zweiten Athleten am Start. Der 19-jährige Jurastudent hatte Pech, dass er bei seiner ersten Teilnahme an einer Herren-DM das Finale um winzige 32 Zentimeter verpasste. Liebenwald kam in seinem zweiten Versuch auf 58,01 Meter und belegte im Feld der zwölf Starter am Ende Rang 9. Dass der Kulmbacher seine erst in diesem Jahr auf 60,74 Meter geschraubte Bestweite deutlich verfehlte, kann man wohl auch mit den schlechten äußeren Bedingungen und dem schmierigen Wurfring erklären.
"Linus hat sich schon geärgert, dass es so knapp war. Aber für ihn war die Erfahrung in dieser Atmosphäre schon sehr viel wert", sagt sein Trainer Martin Ständner, der Liebenwald auch am kommenden Wochenende bei der Deutschen U23-Meisterschaft betreuen wird.











