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Hummels Weg nach Paris, Teil 5
Merlin Hummel: Ganz allein in der Stadt der Liebe
Von der Wurfanlage in Stadtsteinach hat es Merlin Hummel bis zu den Olympischen Spielen in Paris gebracht. Darauf ist man im Frankenwald-Städtchen natürlich sehr stolz.
Von der Wurfanlage in Stadtsteinach hat es Merlin Hummel bis zu den Olympischen Spielen in Paris gebracht. Darauf ist man im Frankenwald-Städtchen natürlich sehr stolz. // privat
Kulmbach – Der Countdown läuft. Schon in einer Woche hat Merlin Hummel bei den Olympischen Spielen in Paris seinen großen Auftritt. So verbringt der Kulmbacher Hammerwerfer die letzten Tage.

Die Olympischen Spiele werden zwar erst am Freitag, 26. Juli, mit einer großen Schiffsparade auf der Seine eröffnet. Doch einige Wettbewerbe wie das Fußballturnier der Männer - ohne deutsche Beteiligung - laufen bereits. Viele deutsche Athleten sind bereits in das Olympische Dorf eingezogen, schlafen dort auf recyclebaren Betten aus Pappkarton. Merlin Hummel wird am Dienstag, 30. Juli, der erste Kulmbacher sein, der in ein Olympisches Dorf einziehen darf. Der 22-jährige Hammerwerfer fliegt an diesem Tag mit einem Großteil der 79 Athleten und Athletinnen umfassenden deutschen Leichtathletik-Nationalmannschaft von Berlin nach Paris.

Die letzten fünf Tage bis zur Abreise verbringt Merlin Hummel in der Sportschule Kienbaum. Dort versammelt der Deutsche Leichtathletik-Verband (DLV) seine Athleten zu einem Pre-Camp, um den Teamgeist durch gemeinsame Events wie Grillabende zu stärken, aber auch um Medienwünsche zu erfüllen. Das letzte Training auf der idyllisch gelegenen Trainingsanlage in der Stadtsteinacher Au stand für Hummel am Mittwoch auf dem Programm, ehe er am Donnerstag nach Kienbaum reiste.

Paris 2024 - Vorbereitungen
In diesem Gebäude im Olympischen Dorf sind die deutschen Athleten untergebracht. // Michael Kappeler, dpa

In der Sportschule bei Berlin, einst gebaut für die DDR-Athleten, wird er aber auch noch ein bisschen trainiert.  Martin Ständner hat seinem Schützling für die Tage bis Paris einen detaillierten Trainingsplan geschrieben. "Merlin hat seine scharfen Wurf-Einheiten auf den Vormittag gelegt, wenn auch die Qualifikation ansteht", verrät Ständner. Am Montag kommt auch er nach Kienbaum, um mit Merlin Hummel ein Abschlusstraining durchzuführen. 

Martin Ständner wird nicht akkreditiert

Der 68-jährige Ständner betreut Hummel schon seit elf Jahren, nachdem dieser als Elfjähriger bei einem Schnuppertraining des UAC Kulmbach in Stadtsteinach seine ersten Wurfversuche unternommen hat. Über 100 Wettkämpfe hat Merlin Hummel in seiner Karriere schon bestritten, angefangen vom kleinen Sportfest bis hin zu Welt- und Europameisterschaften. Bei den meisten war der frühere Frauen-Bundestrainer Martin Ständner mit dabei,  gab seinem Athleten zwischen den Versuchen wertvolle Tipps, um technische Fehler zu korrigieren. Und auch der moralische Beistand eines Trainers ist für Athleten oft enorm wertvoll. Doch Hummels bislang größten Wettkampf wird der Heimtrainer nur vor dem Fernseher verfolgen. Denn der Deutsche Leichtathletik-Verband hat ihn nicht akkreditiert, sondern als Betreuer von Merlin Hummel und Sören Klose nur Hammerwurf-Bundestrainer Helge Zöllkau vorgesehen.

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Martin Ständner freut sich, dass mit Klose ein zweiter deutscher Hammerwerfer in Paris am Start sein wird - auch wenn ihm Kloses Qualifikation auf den letzten Drücker wohl das Trainerticket für Olympia gekostet hat. "Wenn nur Merlin in Paris gestartet wäre, hätte ich ihn wohl betreuen dürfen", glaubt der erfahrene Wurf-Trainer. Allerdings findet es Ständner schon etwas "seltsam", dass etwa beim Weitsprung, bei dem drei deutsche Athletinnen am Start sind, neben dem Bundestrainer auch der Heimtrainer von Mikaelle Assani für Paris akkreditiert wurde. "Sie war genauso wie Merlin Vierte bei der EM."

Dass der Leichtathletik-Verband bei der Nominierung von Heimtrainern offenbar mit zweierlei Maß misst, kann Ständner nicht wirklich verstehen. Dem Deutschen Olympischen Sportbund, der letztlich die Tickets vergibt, empfiehlt Ständner das Vorbild Kanada. So weiß Ständner von Hammerwurf-Weltmeister Ethan Katzberg, "dass jeder kanadische Olympia-Teilnehmer zwei Karten in der Nähe seines Wettkampfes bekommt, die er dann an Trainer oder Familie weitergeben kann".

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Die Handball-Nationalspielerinnen Katharina Filter (recht) und Jenny Behrend (links) haben ihr Zimmer bereits bezogen und sitzen auf dem Bett aus Pappkarton. // Michael Kappeler, dpa

Um eine private Eintrittskarte zum Olympia-Stadion für Hummels Wettkampf am Freitag hat sich Ständner gar nicht erst bemüht. "Erstens kostet die sehr viel Geld. Zweitens nützt es nichts, wenn ich irgendwo auf der Tribüne sitze und keinen Zugriff auf meinen Athleten habe", sagt Hummels Trainer.  Martin Ständner will aber wegen seiner Nichtnominierung kein großes Fass mehr aufmachen. Denn Merlin Hummels Konzentration auf das größte Sportereignis der Welt soll durch keine Unruhe im Umfeld gestört werden. "Er soll in Ruhe dorthin fahren."

Auch keiner aus Hummels Familie wird mit in Paris dabei sein. "Die Karten sind sehr teuer", sagt der Kulmbacher Werfer.  So gibt es aktuell via Internet noch Karten für Hummels Hammerwurf-Qualifikation am Freitag, doch kosten die günstigsten 200 Euro und gelten nur für die Zeit von 10 bis 13 Uhr. Immerhin drücken ihm sein Kumpel Caspar Schweens und dessen Eltern Heike Schweens und Alexander Kubalek im Stadion die Daumen. "Als es ziemlich sicher war, dass sich Merlin qualifiziert, haben wir uns Karten bestellt", sagt Triathletin Heike Schweens, die auch Vorsitzende des ASV Kulmbach ist.

Auch Sprinterin Gina Lückenkemper hat sich im Interview mit Eurosport die hohen Eintrittspreise kritisiert. "Die Tickets in der Leichtathletik sind ekelhaft teuer. Das ist echt unverschämt", sagte die 27-Jährige, die in Bamberg lebt und trainiert.

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Deutsche Athleten entspannen im Olympischen Dorf. // Michael Kappeler, dpa

Der Trainingsplan geht auf

Martin Ständner sieht seinen Schützling für Olympia bestens aufgestellt. "Merlin hat gut trainiert und beim letzten Testwettkampf locker 76,41 Meter geworfen. Da war richtig Dampf dahinter", sagt der Kulmbacher Trainer, der sich freut, dass sich der komplette Neuaufbau nach der EM zu lohnen scheint.  "Mit unserer Formsteuerung sind wir auf dem richtigen Weg, die Schnellkraft kommt jetzt zurück." Nicht nur körperlich sieht Ständner seinen Athleten gut gerüstet, auch mental stärker denn je.  "Motivation und Selbstbewusstsein stimmen bei Merlin", sagt der 68-Jährige. 

Merlin Hummel selbst gibt sich vor den Spielen betont gelassen. Ob er denn aufgeregt sei? "Ich bin relativ entspannt", sagt der 22-Jährige, den auch keine Rückenprobleme mehr bremsen wie 2023, als er bei der WM in Budapest ohne gültigen Versuch sang- und klanglos ausschied. 

66.000 Euro für Olympiasieg

Das große Ziel von Merlin Hummel bei Olympia ist das Erreichen des Finales. Dazu muss er in der Qualifikation mindestens Platz 12 unter den 32 Hammerwerfern belegen.  Sollte der Kulmbacher, dessen 79,23 Meter heuer die neuntbeste Weite waren, es am Ende unter die besten Acht schaffen, bekommt er sogar 1500 Euro Prämie von der Stiftung Deutsche Sporthilfe. Für Platz 4 gibt es sogar 5000 Euro, für den Olympia-Sieg 20.000 Euro.  Doch damit nicht genug: Der Welt-Leichtathletik-Verband legt noch einmal ordentlich Prämien obendrauf. So zahlt er seinen Olympiasiegern 46.000 Euro extra. Ausgesorgt hat man damit aber natürlich noch nicht. Es sei denn, man lebt in Singapur, wo ein Olympia-Sieg angeblich mit 622.000 Euro vom Staat belohnt wird.

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