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Leichtathletik-WM
Merlin Hummel: Das Gesicht einer neuen Generation
Leichtathletik-WM 2025 Tokio
Auf dem Wurfplatz von Miyazaki trainierte Merlin Hummel gemeinsam mit Kugelstoß-Olympiasiegerin Jemisi Ogunleye. // Martin Ständner
Kulmbach/Tokio – Noch vier Tage, dann startet Kulmbachs Weltklasse-Hammerwerfer Merlin Hummel bei der Leichtathletik-WM in den Ring - und das als Medaillenkandidat. Sein Trainer Martin Ständner verrät, wie Hummel in Form ist.

Sieben Tage lang trainierte Merlin Hummel gemeinsam mit dem Gros des 80-köpfgen deutschen Athletenteams im Vorbereitungscamp in der Hafenstadt Miyazaki auf der südlichsten japanischen Insel, auf Kyushu. "Wir hatten zwei Ziele: Einmal die weitere Entwicklung der nervalen Spritzigkeit, zum anderen die schnelle Anpassung an die Zeitverschiebung von sieben Stunden. Beides ist nach einem Durchhänger am ersten Tag gelungen", berichtet sein mitgereister Heimtrainer Martin Ständner  aus Japan.

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Merlin Hummel zeigte im Trainingscamp vielversprechende Leistungen, verriet sein Trainer Martin Ständner. // Martin Ständner

Martin Ständner ist offizieller DLV-Trainer

Wurde dem 69-Jährigen für die Olympischen Spiele 2024 in Paris vom Deutschen Leichtathletik-Verband (DLV) noch eine Akkreditierung verwehrt, so ist Ständner in Tokio offiziell vom Verband für das Männer-Hammerwerfen verantwortlich. Weil der zweite Deutsche von internationalem Format, Sören Klose, diese Saison verletzungsbedingt auslassen muss, ist Merlin Hummel einziger Starter des DLV. 

Martin Ständner ist auch im Olympiastadion von Tokio offizieller DLV-Trainer und kann somit Hummel von der Tribüne aus betreuen und korrigieren - ein unschätzbarer Vorteil für den Athleten. Hammerwurf-Bundestrainer Helge Zöllkau (Frankfurt) ist diesmal nur für die Damen verantwortlich. 

Nach dem Abschlusstraining am Donnerstag fliegen Hummel und Ständner am Freitag von Miyazaki nach Tokio, wo sie im größten Hotel der Stadt untergebracht sind. Am Samstag beginnt dann die 20. Leichtathletik-Weltmeisterschaft mit über 2.000 Athletinnen und Athleten aus rund 200 Ländern, die in 49 Disziplinen um Titel und Medaillen kämpfen.

WM: Große Hoffnungen liegen auf den Werfern

Der DLV will in Japan das Debakel von Budapest 2023 vergessen machen, als Deutschland erstmals in der Geschichte einer WM ohne Medaille blieb. Große Hoffnungen legen die deutschen Funktionäre auf die Wurfdisziplinen. Hier galten deutsche Starter früher als Medaillen-Bank, verloren aber zwischenzeitlich international etwas den Anschluss. Doch nun scheint die Durststrecke überwunden, denn es gibt wieder einige deutsche Werfer und Stoßer auf Weltklasse-Niveau. Als heißester DLV-Anwärter auf WM-Gold in Tokio gilt Speerwerfer Julian Weber, der kürzlich seine Weltjahresbestweite auf 91,51 Meter geschraubt hatte.

Leichtathletik-WM 2025 Tokio
Merlin Hummel bei Dehnungsübungen // Martin Ständner

Auch die Kugelstoß-Olympiasiegerin von Paris 2024, Jemisi Ogunleye, scheint rechtzeitig zum Saisonhöhepunkt wieder in Top-Form gekommen zu sein. Die 26-Jährige hat im Trainingscamp auf der ruhig gelegenen, parkähnlichen Wurfanlage in Miyazaki nur 20 Meter neben Merlin Hummel ihre Übungs-Stöße gemacht. Martin Ständner berichtet: "Beide haben  sehr schöne Weiten erzielt, so dass die Stimmung sehr gut war."

Auch im Diskuswerfen träumt mit der Olympia-Vierten Marike Steinacker eine Deutsche von einer WM-Medaille.

Und welche Chancen hat Merlin Hummel? Um den Kulmbacher ist nach seinem überzeugenden Auftritt im ZDF-Sportstudio ein kleiner Hype entstanden. So wird der 23-Jährige im WM-Vorbericht der "ARD-Sportschau" wird der 23-jährige Merlin Hummel als "das Gesicht einer neuen, aufstrebenden Leichtathletik-Generation" bezeichnet. Schließlich knackte der Kulmbacher als erster Deutscher seit 18 Jahren die 80-Meter-Marke, die als Linie zur absoluten Weltklasse gilt. Nur vier Werfer haben in diesem Jahr weiter geworfen als der Kulmbacher, der deshalb bei seiner zweiten WM  zum Kreis der Medaillenkandidaten zählt.

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Auch in der Woche vor dem Saisonhöhepunkt Weltmeisterschaft ist im Trainingslager in Miyazaki noch Krafttraining angesagt. // Martin Ständner

Doch zunächst steht in der Nacht von Sonntag auf Montag  die Qualifikation für das Finale an. Insgesamt 30 Starter aus aller Welt treten im Hammerwerfen an. Wer sicher ins Finale der besten Zwölf will, muss 76,50 Meter werfen.  "Machbar", sagt Martin Ständner zu der geforderten Weite.

Quali am Montagfrüh live in der ARD

Merlin Hummel wird nach der Information seines Trainer wohl in der zweiten Qualifikations-Gruppe ab 9 Uhr Ortszeit Tokio (2 Uhr deutsche Zeit) an den Start gehen.  "Das heißt, um 5 Uhr aufstehen, weil man 45 Minuten Anfahrt vom Hotel ins Stadion hat", sagt Martin Ständner. Die ARD überträgt von 1 bis 5 Uhr live. Trotz der frühen Wettkampf-Zeit werden die Athleten schon kräftig schwitzen. Denn für 10 Uhr sind am Montag in Tokio 28 Grad Celsius prognostiziert, mittags dann 32 Grad... 

Leichtathletik-WM 2025 Tokio
Merlin Hummel hat nach Japan seine eigenen Trainings-Hämmer mitgenommen. // Martin Ständner

Das Finale der besten zwölf Werfer, das Merlin Hummel als sein Minimalziel ausgegeben hat, steigt einen Tag später, am Dienstag, ab 14 Uhr deutscher Zeit. An diesem Tag ist das ZDF mit der Live-Übertragung an der Reihe. Live im Stadion werden aber noch zwei weitere Kulmbacher sein: Merlin Hummels Bruder Matti, selbst talentierte Hammerwerfer und Junioren-EM-Teilnehmer, ist am Donnerstag zusammen mit Physiotherapeut Fares Day nach Tokio geflogen. "Ich werde vor dem Wettkampf noch zwei Tage mit Merlin arbeiten", erklärte Day.

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