Wenn am Dienstag, 16. September, um 14 Uhr deutscher Zeit die WM-Medaillen im Hammerwerfen vergeben werden, will auch der Kulmbacher Merlin Hummel ein Wörtchen mitreden. Dass er zur absoluten Weltspitze gehört, unterstrich der aktuelle Sechstplatzierte der Weltrangliste kurz vor dem Abflug auf der Wurfanlage in der Stadtsteinacher Au. Dort startete der 23-Jährige spontan bei einem kleinen internen Wettkampf seines Stammvereins UAC Kulmbach und zeigte mit einem Wurf, dass er nach einem harten Kraft-Training rechtzeitig zum Saisonhöhepunkt seine Bestform wiedergefunden hat.
Merlin Hummel schleuderte den 7,26 Kilo schweren Hammer schon im ersten Versuch auf die Weltklasse-Weite von 81,03 Meter. Damit blieb der 23-Jährige nur 24 Zentimeter unter seiner im persönlichen Bestweite, die er Ende Juni bei der Team-Europameisterschaft in Madrid aufgestellt hatte. 81,03 Meter sind zudem die drittbeste Wettkampf-Weite in Hummels Karriere. Bei dem einen Versuch beließ es der Kulmbacher. "Der Wettkampf war nur noch mal zur Überprüfung meiner Form. Für mich war es eine schöne Bestätigung, dass ich in Top-Form bin", sagt Merlin Hummel, der seine zwischenzeitlichen technischen Schwierigkeiten bei der Drehung wieder in den Griff bekommen hat. "Man ist nie perfekt, aber ich nähere mich dem an, wie ich es haben will."
DLV schickt 80 Athleten nach Tokio
42 Männer und 38 Frauen hat der Deutsche Leichtathletik-Verband für die Weltmeisterschaft in Tokio nominiert. Einziger Oberfranke und einziger deutscher Hammerwerfer ist der Kulmbacher Merlin Hummel. Bei den Frauen wurden für die gleiche Disziplin Aileen Kuhn und Samantha Borutta (beide Eintracht Frankfurt) nominiert. Die beiden Werferinnen von Eintracht Frankfurt werden beim Wettkampf in Tokio von Bundestrainer Helge Zöllkau betreut.
Für den Herrenbereich hat der DLV Hummels Heimtrainer Martin Ständner, früher selbst Damen-Bundestrainer, nominiert. Der 69-Jährige flog bereits am Donnerstagnachmittag mit Hummel und anderen deutschen Leichtathleten von Frankfurt aus in einer Boing 747 nach Japan. Hummel und Ständner haben wohl die schwerste Fracht aller Passagiere, denn beide haben jeweils 60 Kilo Sondergepäck angemeldet. Schließlich brauchen sie in Japan ihre Sportgeräte. "Wir nehmen mehrere Hämmer von sechs bis achteinhalb Kilo mit. Außerdem Drähte und Griffe als Ersatz", verrät Ständner.
Elf Stunden Flug
Die Anreise ist strapaziös. Denn nach dem elfstündigen Flug nach Tokio geht es vom Flughafen Haneda weiter in den Süden Japans nach Miyazaki, wo sich die insgesamt 80 deutschen Leichtathleten - 42 Männer, 38 Frauen - wie schon vor vier Jahren vor den Olympischen Spielen auf ihre Wettkämpfe vorbereiten. Rund eine Woche hat Merlin Hummel Zeit, sich an die Zeitverschiebung und die klimatischen Bedingungen in Asien zu gewöhnen. "Wir wohnen dort in einem großen Hotel mit Sportkomplex am Strand", weiß Martin Ständner.
Neben der Akklimatisation geht es für die Athleten nur noch darum, die mitgebrachte Form bis zum Wettkampf zu erhalten , sich "nicht zu verletzen und den Feinschliff zu machen", wie Merlin Hummel sagt.
76,50 Meter sind in der Quali gefordert
Am Freitag, 12. September, reisen Hummel und Ständner ins Mannschaftsquartier nach Tokio, wo drei Tage später das Hammerwurf-Finale ansteht. Damit oder gar mit seinen Medaillenchancen beschäftigt sich Merlin Hummel aber noch nicht. "Ich muss erstmal die Quali überstehen", sagt der 23-Jährige, hat er doch genau das bei seiner ersten WM vor zwei Jahren in Budapest nicht geschafft. Bei seinem ersten Auftritt unter den Weltbesten schied er mit drei Fehlversuchen sang- und klanglos aus. Schuld daran waren aber nicht allein die Nerven, sondern vor allem eine Rückenverletzung.
Wer in Tokio in der Qualifikation 76,50 Meter erreicht, steht sicher im Finale der besten Zwölf. Das sollte kein Problem sein für den Kulmbacher, der in diesem Jahr in fast jedem Wettkampf weiter geworfen hat. Favorit auf Gold ist Titelverteidiger und Olympiasieger Ethan Katzberg, auch wenn der Kanadier in der Weltjahresbestenliste hinter dem Ungarn Bence Halasz (83,18 Meter) und dem US-Amerikaner Rudy Winkler (83,16) mit 82,73 Metern nur auf Rang 3 liegt.
Großer Medienrummel
Merlin Hummel hat in den letzten Tagen vielen Medien, die ihn vor der Reise nach Japan beim Training besuchen wollten, eine Absage erteilt. Denn auch wenn er ein eloquenter und durchaus redseliger Typ ist, wurde ihm der Rummel um seine Person in den vergangenen Wochen doch etwas zu viel. "Es ist schon lustig, was mein Auftritt im Aktuellen Sportstudio ins Rollen gebracht hat", sagt der 23-Jährige. Denn danach konnte er sich vor Medienanfragen nicht retten, angefangen vom Bayerischen Rundfunk über die Frankfurter Allgemeine Zeitung (FAZ) bis hin zur Bild-Zeitung. "Ich mache das bis zu einem gewissen Grad schon gerne, aber in den letzten Tagen vor der WM brauche ich ein wenig Ruhe", sagt Merlin Hummel.
Doch wie geht der Kulmbacher damit um, dass er als Medaillenkandidat gehandelt wird? "Ich lasse mich nicht unter Druck setzen oder mir was einreden", sagt Merlin Hummel gelassen. "Ich weiß, was ich kann und will einen absoluten Top-Wettkampf abliefern. Und dann schauen wir, was die anderen Werfer machen und was dann herauskommt."













