Sich an Bergen abstrampeln bis einem die Luft ausgeht, das war gestern. Dank elektrischer Hilfsantriebe wagen sich immer Menschen aufs Fahrrad. Und auch in unwegsames Gelände, wo man früher nur Top-Sportler angetroffen hat. Das ruft vor allem in den touristischen Hot-Spots wie den Alpen zunehmend Konflikte mit Wanderern, Waldbesitzern oder Almbauern hervor.
Auch in Oberfranken gibt es traumhafte Mountainbike-Reviere, doch hält sich der Ansturm der Zweiräder noch in Grenzen. In Kulmbach will man aber schon jetzt etwaigem Ärger vorbauen. So hat sich 2018 eine Initiative gegründet, die in den Wäldern rund um die Stadt offizielle Mountainbike-Routen baut, die sogenannten "Bierstadt-Trails". Holger Bär, einer der Macher der "Arbeitsgemeinschaft Mountainbike-Trails Kulmbach", erklärt: "Wir wollen die Mountainbiker auf offizielle Wege lenken." Die AG hat mittlerweile rund 30 Mitglieder und ist unter dem Dach des Alpenvereins, Sektion Kulmbach, organisiert.
Resonanz ist sensationell
Geplant sind insgesamt acht Single-Trails am Rehberg, im Buchwald und beim Trimm-Dich-Pfad bei Oberpurbach. Gebaut werden die Trails in ehrenamtlicher Arbeit. "Die Resonanz ist sensationell. Beim ersten Einsatz waren 40 Leute da, im Schnitt sind es um die zehn", sagt Mathias Glauer. Die Biker schütten Rampen oder überhöhte Kurven auf oder verbauen Holzstämme als Hindernisse oder zur Befestigung. Was gebaut werden darf, ist in einem Nutzungsvertrag mit den Bayerischen Staatsforsten, der Stadt Kulmbach und einem privaten Waldbesitzer geregelt.
Erlaubt sind nur natürliche Hindernisse, keine großen künstlichen Bauten. "Denn dann würden wir eine Sportstätte bauen, die regelmäßig vom TÜV abgenommen werden müsste", erklärt Mathias Glauer. Aber man wolle ja auch keinen Bike-Park, sondern nur einfache Single-Trails anlegen.
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Die Strecken sind zwischen 400 und 800 Metern lang, der Höhenunterschied beträgt bis zu 120 Meter. "Wie beim Skifahren sind die Trails je nach Schwierigkeitsgrad in den Farben Blau, Rot und Schwarz markiert", sagt Holger Bär. So gut wie fertig und beschildert sind der "Fu-Trail" und der "Burgvogts-Regina-Trail" im Buchwald sowie Trails an der Leithen bei Maierhof, die mit unterschiedlichen Schwierigkeitsgraden aufwarten. Passagen sind auch für Kinder geeignet.
Ein bayernweites Modellprojekt
Die Kooperation mit den Staatsforsten und der Deutschen Initiative Moutainbike (DIMB) sei "bayernweit ein Vorzeige- und Modellprojekt", erklärt Holger Bär. Die AG Bierstadt-Trails habe sich verpflichten müssen, die Trails zu unterhalten und sie kostenlos der Allgemeinheit zur Verfügung zu stellen. "Wir dürfen nur um Spenden bitten", sagt Bär. Doch zum Glück haben sich bereits Sponsoren gefunden. So spendiert die Kulmbacher Werbefirma Complott die komplette Beschilderung. "Wir planen zudem eine Infotafel am Wohnmobilstellplatz in Kulmbach, wo auch eine Trail starten soll", erklärt Holger Bär. Alle Bierstadt-Trails werden auch in gängigen Outdoor-Apps wie Komoot eingestellt, zudem auf der Internetseite der Sektion Kulmbach des Deutschen Alpenvereins.
Auf eine Förderung durch staatliche Stellen oder das EU-Programm "Leader" habe man bewusst verzichtet. "Die Bürokratie wäre einfach zu groß. Außerdem bräuchten wir einen offiziellen Träger für den Förderantrag", erklärt Alexander Höhn.
Touristischer Mehrwert für Kulmbach
Alexander Höhn sieht in den Mountainbike-Trails auch einen touristischen Mehrwert für die Stadt Kulmbach. Schließlich sei Radfahren längst Volkssport Nummer 1. "Es gibt schließlich mehr aktive Fahrradfahrer als Fußballer in Deutschland. Laut einer Studie setzen sich 17 Millionen mindestens einmal die Woche aufs Fahrrad", weiß Höhn. Und rund um Kulmbach bietet sich ein "hervorragendes Gelände zum Moutainbiken."
Die Wälder rund um die Bierstadt sind auch das Trainingsrevier des amtierenden Jugend-Europameisters Elias Hückmann und seiner ebenfalls hochtalentierten Schwester Lucy. "Man sieht sie immer mal wieder im Buchwald oder Rehberg trainieren", erzählt Holger Bär. Auch die amtierende Deutsche Meisterin und Weltcup-Fahrerin Raphaela Richter aus Eckersdorf trainiert ab und an im Kulmbacher Raum.
Entstanden ist die AG Bierstadt-Trails aus einer losen Vereinigung von Mountainbike-Fahrern. "Es gab damals Probleme auf einer Strecke wegen einer Neuanpflanzung am Mühlberg. Da haben wir uns vernetzt und Stadtförsterin Carmen Hombach ins Boot geholt, die uns eine Lösung organisiert hat", erklärt Mathias Glauer. Auch er ist wie Holger Bär einer, der beim Mountainbike-Fahren vor allem das Bergabfahren liebt. "Das Bergauffahren ist nur Mittel zum Zweck", schmunzelt der 41-jährige Bär. Geschotterte Forstwege werden nur zum Hochstrampeln benutzt - runter geht es am liebsten über schmale Pfade und Wurzelwege - aber nicht querfeldein mitten durch den Wald. "Wir machen nichts Illegales, sondern nutzen nur vorhandene Wege. Und das ist laut Waldbetretungsgesetz auch erlaubt", erklärt Alexander Höhn.
Naturschutzgesetz ist schwammig
Doch weiß er auch, dass der Begriff "Weg" unterschiedlich definiert wird. So sieht Stadtförsterin Carmen Hombach schmale Pfade quer durch den Wald nicht unbedingt als öffentlich begehbare Wege für Wanderer oder Mountainbiker an. "Für uns zählen nur geschotterte Wege als Wege. Ein Pfad, der einen halben Meter breit ist und ausgespült ist, ist für mich kein Weg", meint die Stadtförsterin, die aber weiß, dass das Bayerische Naturschutzgesetz diese Frage nicht klar definiert. Deshalb sieht sie hier Nachholbedarf, würde sich ein Gesetz wie in Baden-Württemberg wünschen, "wo Wege eine gewisse Beschaffenheit und Breite aufweisen müssen". Ärger mit Mountainbikern hatte Carmen Hombach dennoch im Kulmbacher Stadtwald kaum. "Es haben sich mal Wanderer beschwert, dass Mountainbiker direkt vor ihnen über den Weg gesprungen sind. Aber seitdem ist nichts mehr vorgefallen."
Trotzdem ist die Stadtförsterin froh über die Initiative, dauerhafte Trails anzulegen. "Wir als Waldbewirtschafter müssen versuchen, alle Interessen unter einen Hut zu bringen. Deshalb ist es sinnvoll, Routen festzulegen, an die sich hoffentlich auch alle halten, auch im Sinne der Tier- und Pflanzenwelt. Denn dann lassen sich Konflikte vermeiden, und wir können uns bei der Holzernte auch besser drauf einstellen." Ziel sei es, "dass die wilden Trails nicht mehr genutzt werden".
Das ist natürlich auch im Interesse der Naturschützer wie dem Landesbund für Vogelschutz, der wie andere Interessensvertreter auch im Vorfeld an einem Runden Tisch zum Thema "Bierstadt-Trails" teilnahm.
Community zählt 120 Mitglieder
Für die Mitglieder AG Bierstadt-Trails hat das Projekt auch einen großen verbindenden Wert. "Dadurch haben viele radfahrende Leute aus Kulmbach zusammengefunden, die sich früher nicht gekannt haben. Es kommen auch immer wieder neue Leute dazu", sagt Mathias Glauer. Jeden Mittwoch um 18 Uhr nach der Arbeit treffen sich mal mehr, mal weniger von ihnen an der Kulmbacher Stadthalle zum gemeinschaftlichen Ausfahrt in die umliegenden Wälder.
Die Bierstadt-Trails-Gruppe zählt mittlerweile rund 120 Mitglieder, über eine WhatsApp-Gruppe tauscht man sich aus, informiert etwa über gesperrte Strecken oder warnt vor umgefallenen Bäumen. "Die Vernetzung der Mountainbiker ist super", findet Holger Bär.





































