Matthias Kraft war ein Ehrenamtler, wie ihn sich jeder Verein nur wünschen kann. Jede Sekunde seiner Freizeit widmete er dem Sport. "Matthias war die treibende Kraft hinter allem in unserer Abteilung", sagt Benjamin Korndörfer, Sportlicher Leiter der ATS-Radrennsportler. Mit nur 35 Mitgliedern gehört sie zu den kleinsten Sparten des ATS Kulmbach, aber zu den traditionsreichsten. So richtet sie seit über einem halben Jahrhundert das Rundstreckenrennen um den "Großen Preis der Bierstadt" aus - und Matthias Kraft war bei unzähligen davon maßgeblich in die Organisation mit eingebunden - ob beim Aufbau, bei der Streckensicherung oder als Kampfrichter.
Die Radrennsportler aus ganz Bayern und den benachbarten Bundesländern kamen auch wegen der familiären Atmosphäre, die Kraft und sein Team schufen, immer wieder gerne nach Kulmbach.
Herzinfarkt beim Brotzeitholen
Doch auch die Freizeit-Radler freuten sich alle Jahre auf eine perfekt organisierte Veranstaltung aus der Feder von Matthias Kraft. Beim Kulmbacher Radfahrtag, der seit 1972 traditionell zur Blaicher Kerwa auf dem Mönchshofgelände gestartet wird, geht es nicht um Tempo und Zeiten, sondern um den gemeinsamen Spaß am Radeln durchs Kulmbacher Land für Jung und Alt. Die jüngste Auflage, immerhin auch schon die 51., ging Ende Juni über die Bühne, Matthias Kraft hatte wieder eine landschaftlich reizvolle Route über 35 Kilometer, zumeist auf Radwegen, erstellt.
Vom Mönchshof aus ging es diesmal über den Mainzusammenfluss, nach Kasendorf, Thurnau, durch den Limmersdorfer Forst und über Langstadt, Forstlahm und Mangersreuth zurück zum Ausgangsort. Die Strecke sollte die letzte aus der Feder von Matthias Kraft sein, denn nur wenige Tage später erlag er auf dem Weg zur Arbeit nach Stadelhofen, als er sich eine Brotzeit holen wollte, einem Herzinfarkt. Vor einigen Jahren hatte er schon einmal dem Tod ins Auge gesehen, sich aber aus dem Koma zurück ins Leben gekämpft.
Otto Fritz: Mentor und Vorbild
Matthias Krafts Mentor und Vorbild gleichermaßen war Otto Fritz. Dieser hatte die Radrennsportabteilung viele Jahre geführt und 1987 die Dienstagabendrennserie ins Leben gerufen. Trat Matthias Kraft zunächst noch selbst in die Pedale, so griff er Otto Fritz bei den organisatorischen Aufgaben immer mehr unter die Arme.
Als Otto Fritz 2010 mit erst 74 Jahren verstarb, hielt Matthias Kraft gemeinsam mit Jürgen Holzmann die 1950 gegründete Abteilung mitsamt ihren Traditionsveranstaltungen am Leben. Seit Anfang der 2000er-Jahre organisiert der ATS auch noch das Bergrennen in Stadtsteinach, bei dem seitdem auch Oberfränkische und Bayerische Titel vergeben wurde. Lediglich die gemeinsamen Radwander-Ausflüge des ATS sind in den vergangenen Jahren eingeschlafen.
Kulmbach ist nicht zuletzt für seine Dienstagabend-Rennserie unter den Radrennsportlern der Region bekannt. Bei den Trainingsrennen auf einem abgesperrten Rundkurs im Industriegebiet "Am Goldenen Feld" treffen sich zwischen Mai und August allwöchentlich ambitionierte Radrennfahrer aus ganz Oberfranken, aber auch aus Mittelfranken, Sachsen, Thüringen oder gar der Tschechischen Republik, um ihre Kräfte im lockeren Wettstreit zu messen.
Matthias Kraft kümmerte sich stets um Auf- und Abbau der Straßensperrungen, führte aber auch die Wertungen durch. Nach Krafts Tod ist die Serie für dieses Jahr beendet. Die Pedaleure trafen sich lediglich noch einmal, um im Rahmen einer gemeinsamen Ausfahrt dem Macher der ATS-Radrennsportabteilung zu gedenken.
Fachwart für Straßensport
Darüber hinaus konnten auch viele andere Radrennsportvereine in Oberfranken auf Matthias Kraft zählen, wenn sie für ihre Veranstaltungen einen Kampfrichter brauchten. So würdigt auch der Bayerische Radsportverband die Leistungen Krafts, der im Bezirk Oberfranken das Amt des Fachwartes für Straßenrennen bekleidete: "Als langjähriger Radsportkommissär war Matthias Kraft bei unzähligen Straßenrennen im Einsatz. Mit seiner Erfahrung, seiner Fairness und seinem Verantwortungsbewusstsein trug er maßgeblich zu einem geordneten und sicheren Rennbetrieb bei. Sein Urteil war geschätzt, seine ruhige und besonnene Art machte ihn zu einem verlässlichen Ansprechpartner für Veranstalter, Sportler und Funktionäre gleichermaßen."
"Matthias hat sein ganzes Leben der Radrennsportabteilung gewidmet", sagt Benjamin Korndörfer über Matthias Kraft, den er als Sportlicher Leiter unterstützt hat. Wie die "Riesenlücke", die sein plötzlicher Tod in die Radrennsportabteilung reißt, zu füllen sei, weiß Korndörfer noch nicht. "Wir sind bestrebt, möglichst vieles aufrechtzuerhalten." Ihm werde aber nicht nur der Ehrenamtler Kraft fehlen, sondern auch der "lustige und lebensfrohe Mensch".
30 Jahre Sportabzeichen-Kampfrichter
Auch der Bayerische Landessportverband verliert einen engagierten Mitarbeiter. Denn Matthias Kraft war seit 30 Jahren Sportabzeichen-Kampfrichter und Kampfrichterobmann für den Bezirk Oberfranken. Einer seiner Mitstreiter war Konrad Seehuber von der ATS-Turnabteilung. "Matthias hat uns jeden Freitag bei der Sportabzeichen-Abnahme auf der Realschul-Sportanlage unterstützt", sagt Seehuber, der Kraft auch bei den gemeinsamen Ausflügen mit den Turnern vermissen wird.














