Ohne Pfarrerinnen geht fast nichts in der evangelischen Kirche in Bayern. Von den etwas mehr als 2.024 Pfarrerinnen und Pfarrern der Landeskirche sind 925 Frauen. Doch der Weg dahin musste erkämpft werden. Wenn die Landeskirche an diesem Wochenende in Nürnberg 50 Jahre Frauenordination feiert, wird deutlich: Frauen auf der Kanzel waren auch in der evangelischen Kirche lange nicht selbstverständlich.
Anfang Dezember 1975, entschied die Landessynode, Frauen den Zugang zum Pfarramt zu ermöglichen. Im Frühjahr 1976 dann wurde die erste Frau ordiniert, wie es bei der ELKB heißt. Bayern war damit die zweitletzte Landeskirche in Deutschland, die Frauen den Weg zur Pfarrerin ebnete.
Bayerns erste Pfarrerinnen
Liesel Bruckner und Käthe Rohleder waren die ersten beiden Theologinnen, die in Amberg und Fürth ordiniert, also offiziell zu Pfarrerinnen wurden. In Lübeck wurde Elisabeth Haseloff bereits 1959 als erste Frau in Deutschland ordiniert.
Evangelische Theologie studieren durften die Frauen freilich schon viel früher auch in Bayern - dass ihnen trotzdem attraktive Arbeitsplätze in der Kirche lange verwehrt geblieben waren und mit einer Heirat alles noch komplizierter machte, sind aus heutiger Sicht schmerzliche Passagen in der jüngeren Kirchengeschichte.
Doch auch nach 1976 blieb es für Pfarrerinnen in Bayern alles andere als einfach, sie konnten sich nicht auf jede Stelle bewerben: Es gab einen Vetoparagrafen. Erst in den 1990er Jahren wurde dieser abgeschafft.
«Seilschaften bilden und gegenseitig unterstützen»
Inzwischen gibt es in Bayern auch Dekaninnen und Regionalbischöfinnen - eine Landesbischöfin ist bislang nicht gewählt worden. Einst kandidierte dafür auch Susanne Breit-Keßler vergeblich für das Amt. Die frühere Regionalbischöfin von München und Oberbayern ist eine bayernweit bekannte Theologin und Vorsitzende des bayerischen Ethikrats.
«Ich wünsche mir, dass die Kirche ihre klugen und kompetenten Frauen viel mehr schätzt als sie es bisher getan hat», sagte sie im Instagram-Profil «50jahre_50pfarrerinnen», bei dem 50 Pfarrerinnen der Landeskirche befragt wurden. Frauen wünsche sie, dass «sie mehr Seilschaften bilden und sich gegenseitig unterstützen».
Flexible Frauenquote zwischen 40 und 60 Prozent
2024 beschloss die Landessynode für alle Leitungsebenen eine flexible Frauenquote zwischen 40 und 60 Prozent. Bei der Berufung von Oberkirchenräten oder Oberkirchenrätinnen soll ein Gleichstellungsbeauftragter in die Auswahlverfahren einbezogen werden.
Unter anderem die Landshuter Dekanin Nina Lubomierski hatte sich für eine Frauenquote eingesetzt. Im Instagram-Video sagte sie, sie wünsche sich, dass Frauen nicht mehr so viel kämpfen müssten, dass nach 50 Jahren Frauenordination Frauen in Leitungspositionen selbstverständlich seien.
In der katholischen Kirche können Frauen freilich nur vom Pfarrberuf träumen - hier ist ihnen das Weiheamt verwehrt. Immerhin: Die Deutsche Bischofskonferenz (DBK) will sich beim Vatikan die Zustimmung dafür einholen, dass Laien - und damit auch Frauen - in katholischen Messen predigen dürfen.








