Alarmstufe rot: Ärzte und Pfleger arbeiten in luftdichten gelben Hochsicherheitsanzügen aus speziellem Kunststoff. Bis sie durch mehrere Druck-Schleusen beim Patienten sind, vergeht samt aufwendigem Ankleiden fast eine halbe Stunde. In der Sonderisolierstation 10d der München Klinik Schwabing sollen Patienten behandelt werden, die sich mit hochgefährlichen Erregern infiziert haben.
Ebola, Lassa-Fieber und auch Krim-Kongo-Fieber gehören dazu. Krim-Kongo-Fälle gab es bereits in der Türkei und in Spanien – das sei nicht so weit weg, sagt der Infektiologe und leitende Oberarzt Wolfgang Guggemos.
Nach zweijähriger Modernisierung ist die Station, die künftig gemeinsam mit den Unikliniken von LMU und TUM betrieben wird, wieder einsatzbereit. Das Zentrum ist eines von sieben Zentren in Deutschland und das Einzige in Bayern, in dem Patienten mit schweren, infektiösen und zu hohem Prozentsatz tödlichen Krankheiten behandelt werden können, für die es keine direkte kausale Therapie gibt.
Derartige Krankheiten seien hierzulande selten, doch wenn der Fall eintrete, «dann muss das Ding laufen», sagt der kaufmännische Geschäftsführer der München Klinik, Tim Guderjahn. Binnen weniger Stunden ist die Station einsatzbereit.
Vor mehr als 50 Jahren eröffnet
Die Station war ursprünglich zu den Olympischen Spielen 1972 eröffnet worden, damals vor
allem mit Blick auf die Pocken – die heute als ausgerottet gelten. Seither wurden lediglich eine Handvoll Verdachtsfälle behandelt. Nur einmal bestätigte sich eine Diagnose: 2002 lag dort ein Sars-Patient. Im Jahr 2014 war die Station wegen der Ebola-Epidemie in Afrika in Alarmbereitschaft, zuletzt landete 2017 dort eine Patientin mit Lassa-Verdacht.
Zu Beginn der Corona-Pandemie wurden zwar die allerersten Patienten in Deutschland in der Schwabinger Klinik behandelt, aber auf einer normalen Isolierstation. Für eine Pandemie ist die Sonderisolierstation auch nicht geeignet: Nur ein Patient kann dort untergebracht werden.
Blut-Untersuchung nur in Extra-Labor der Bundeswehr
Allein die Diagnostik ist extrem aufwendig. Das Blut des Patienten kann auf die speziellen Erreger nicht in einem normalen Labor untersucht werden. Es muss unter höchsten Sicherheitsvorkehrungen in ein dafür ausgerichtetes Labor der Bundeswehr gebracht werden.
Behandlungsmaterial, Urin, andere Exkremente – alles, was beim Patienten war, wird speziell entsorgt. In blauen Plastiktonnen wird der Abfall, mehrfach verpackt und versiegelt und unter Umständen eskortiert von Polizei, zur Sondermüllverbrennung nach Ingolstadt gefahren.
Aus dem Isolier-Bereich darf kein Erreger nach außen dringen. Dafür sorgt auch eine hochkomplexe Klimatechnik. Im Intensivzimmer herrscht Unterdruck. Ärzte und Helfer haben in ihren Anzügen
Überdruck. Das macht die Arbeit beschwerlich. Per Sprechfunk müssen sie untereinander und mit dem Patienten kommunizieren.
Ablösung nach drei Stunden
Nach drei Stunden muss das Personal abgelöst werden. Allein die Handgriffe mit zwei bis drei Paar Handschuhen sind kniffelig, etwa eine Nadel zum Blutabnehmen zu setzen. «Feinmotorische Tätigkeiten im Schutzanzug können große Hürden sein», sagt Guggemos.
Der Aufwand ist insgesamt immens: Für den 24-Stunden-Betrieb sind 20 bis 24 Ärzte und Helfer nötig. Eine vierwöchige Behandlung könnte an die vier Millionen Euro kosten, sagt der Infektiologe Michael Seilmaier.
Mehr als 1.000 Schutzanzüge und hunderte Liter Peressigsäure zur Desinfektion lagern im Keller des Klinikums. Man ist auf den Ernstfall vorbereitet. Trotzdem sagt Guggemos: «Wir hoffen, dass diese Station niemals zum Einsatz kommen muss.»












