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Klimawandel
Gestein und Staub - Wissenswertes zum Felssturz an Zugspitze
Großer Felssturz an der Zugspitze
Nach dem Felssturz war eine große Staubwolke an der Zugspitze zu sehen. // Dominik Bartl/dpa
Großer Felssturz an der Zugspitze
Das Gestein brach im Bereich der deutsch-österreichischen Grenze ab. // Dominik Bartl/dpa
Gipfelkreuz auf der Zugspitze
Die Zugspitze ist dank Seilbahn-Zugangs ein beliebtes Ausflugsziel. (Archivbild) // Elisa Schu/dpa
Die Zugspitze
An der Zugspitze gab es einen großen Felssturz. (Archivbild) // Peter Kneffel/dpa
Felssturz an der Zugspitze
Eine Staubwolke steigt nach einem weiteren Felssturz an der Zugspitze auf. // Marc Zeilhofer/dpa
Felssturz an der Zugspitze
Auch am Mittwoch waren Staubwolken von einem weiteren Felssturz zu sehen. // Marc Zeilhofer/dpa
von dpa
Grainau – An Deutschlands höchstem Berg ist eine größere Menge Gestein herabgestürzt. Welche Folgen das hat - und was die Ursache dafür ist.
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An Deutschlands höchstem Berg, der Zugspitze, hat sich ein Felssturz ereignet. Die riesige Staubwolke war auch aus größerer Entfernung noch zu sehen. 

Was ist passiert?

An der 2.962 Meter hohen Zugspitze hat sich auf der Tiroler Seite eine bislang unbekannte Mengen Gestein gelöst und eine große Staubwolke verursacht. Der am Dienstag in der Früh begonnene und im Tagesverlauf andauernde Abbruch auf einem Kamm an der deutsch-österreichischen Grenze setzte sich auch am Mittwoch fort: «Da löst sich immer wieder was», sagte der stellvertretende Bereitschaftsleiter Franz Dörfler von der Bergwacht Grainau. «Man hört es zwischendurch immer wieder rumpeln, dass was nachkommt.» 

Auch am Mittwoch zeigten Videos Staubwolken von herabstürzendem Gestein. Auf der Seite Erdbeben-in Bayern der Ludwig-Maximilians-Universität zeigen Seismogramme am Mess-Standort Zugspitze am Dienstag und auch am Mittwoch deutliche Ausschläge, die auf einen Felssturz hinweisen. Experten der Umweltforschungstation Schneefernhaus waren noch dabei, die Daten auszuwerten.

 Doch Gefahr für Anwohner und Touristen besteht nicht: Die Seilbahnen auf beiden Seiten der bayerisch-österreichischen Grenze waren regulär in Betrieb, Schäden gab es nach Angaben der Tiroler Gemeinde Ehrwald nicht. Wie viel Gestein bislang herabgestürzt ist, war zunächst nicht bekannt. Die Stelle liegt hinter einem Grat und ist daher relativ schlecht einsehbar. Der Abbruch hatte durch verstärkten Wind am Dienstagnachmittag zu einer weithin sichtbaren Staubwolke geführt.

Wurden Menschen gefährdet?

Nach den Felsstürzen gab es zumindest bei der Bergwacht Bayern keine Einsätze oder Notrufe. Auch in der nächstgelegenen Gemeinde Ehrwald gab es weder Schäden noch Auswirkungen, wie ein Mitarbeiter des Gemeindeamts sagte. Es waren auch keine alpinen Verbindungen betroffen, da sich das Gebiet in einem unzugänglichen Bereich des Bergmassivs befindet, wo es keine offiziellen Steige gibt. Die bei ambitionierten Alpin-Kletterern beliebte Route «Eisenzeit» hatte die Staubwolke zwar abbekommen, liegt aber auf der anderen Seite des Grates. «Wir haben da aktuell keine Bedenken, dass da aufgrund von diesem Felssturz ein größeres Gefahrenpotenzial ist», sagte Dörfler. 

Gibt es Auswirkungen auf Ausflügler?

Nein. Nach dem Felssturz laufen die Bergbahnen in der beliebten Urlaubsregion ohne Beeinträchtigung. Sowohl die Tiroler Zugspitzbahn als auch die etwas weiter südlich gelegene Ehrwalder Almbahn nahmen ihren Betrieb wie gewohnt auf. In der Urlaubsregion gibt es zwar viele Wanderwege, doch nicht im steilen und unzugänglichen Gebiet unterhalb der Abbruchstelle. Die bayerische Zugspitzbahn auf der Nordseite des Wettersteingebirges ist noch weiter vom Geschehen entfernt: «Es besteht keinerlei Gefahr für unsere Bergstation oder Seilbahn», sagte eine Sprecherin. 

Sind solche Felsstürze etwas Besonderes?

Überraschend seien solche Ereignisse längst nicht mehr, die Dimension jedoch sei ungewöhnlich für die Zugspitze, sagte Bergwachtler Dörfler: «In dem Ausmaß ist es definitiv nicht öfter, aber es ist auch nicht überraschend.» Als Ursache nannte Dörfler den auftauenden Permafrost. 

Fels- und größere Bergstürze gibt es in den Alpen aufgrund der natürlichen Erosion des Gesteins schon seit jeher. Zu erkennen ist das auch für Nichtgeologen leicht an den großen Schutthalden und Felskaren, die sich vielerorts unterhalb steiler Wände finden. In hochalpinen Lagen sind Felsgrate sehr häufig zersplittert - das Gestein wurde im Laufe der Jahrmillionen von Frost und Blitzschlag gesprengt. Die Geologen der Tiroler Landesregierung in Innsbruck hatten keine Informationen zu den Geschehnissen an der Zugspitze. «Eine Dauerüberwachung des Hochgebirges ist nicht möglich», sagte ein Sprecher. Die Fachleute des österreichischen Bundeslands konzentrieren sich daher auf die Überwachung der Naturgefahren für Siedlungen und Infrastruktur.

Was hat es mit dem Permafrost auf sich?

Bei Permafrost handelt es sich um dauerhaft gefrorene Böden, die neben den Polarregionen auch in hohen Gebirgslagen vorkommen. Da mit dem Klimawandel und den steigenden Temperaturen der Permafrost schwindet, nehmen Gesteinsabbrüche alpenweit zu. «Es gibt eindeutige Hinweise darauf, dass die Steinschlagaktivität in alpinen Gebieten, die vom Auftauen des Permafrosts und vom Gletscherschwund betroffen sind, zunimmt, was in erster Linie auf steigende Sommertemperaturen zurückzuführen ist», heißt es in einer Studie in der Fachzeitschrift «Earth-Science Reviews» von November 2024. 

Auch das Gestein auf der Zugspitze wird vom Permafrost zusammengehalten. Taut dieser auf, fehlt der «Kleber» und Schutt und Felsen donnern zu Tal. Nach Gewittern und Starkregen steigt zudem die Gefahr von Muren. 

Der Klimawandel verändert den Lebensraum Alpen nach Einschätzung des Instituts für Schnee- und Lawinenforschung (SLF) in Davos rasant. Demnach steigen die Temperaturen in den Alpen doppelt so schnell wie im globalen Durchschnitt. 

Was ist der Unterschied zwischen Berg- und Felssturz?

Beim Bergsturz sind riesige Mengen Gestein unterwegs. Hier sieht man oft im Vorfeld schon Anzeichen wie kleinere Abbrüche, so dass die Region für eine rechtzeitige Frühwarnung großflächig überwacht werden kann. Felsstürze sind deutlich kleiner. 

Sie sind allerdings für Bergsportler in der Regel bedrohlicher, ebenso wie Steinschlag. Diese klassischen alpinen Gefahren nehmen aufgrund des Klimawandels deutlich zu und kommen flächendeckender vor - eine Herausforderung für die Tourenplanung. Alpinisten sehen sich heuer durch wenig Schnee im Winter, einen warmen Frühling und langanhaltende Hitze im Sommer ohnehin verschärften Bedingungen gegenüber. Das Tückische: Gelockertes Gestein rutscht nicht immer sofort ab.

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