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Kriminalität
Hobby Gangsterjagd: Rentner überführt erneut Betrüger
Presserunde der Polizei zur Festnahme von Callcenter-Betrügern
Rentner Bruno Schmaus hat schon zum vierten Mal zur Festnahme von Betrügern beigetragen. // Lennart Preiss/dpa
Presserunde der Polizei zur Festnahme von Callcenter-Betrügern
Sie haben gut lachen: Rentner Bruno Schmaus hat dem Münchner Kommissariat eine weitere Festnahme beschert. // Lennart Preiss/dpa
Presserunde der Polizei zur Festnahme von Callcenter-Betrügern
Ihn zeichnet ein großes schauspielerisches Talent aus. // Lennart Preiss/dpa
Presserunde der Polizei zur Festnahme von Callcenter-Betrügern
Bruno Schmaus freut sich, den Kriminellen ein Schnippchen geschlagen zu haben. // Lennart Preiss/dpa
von dpa
München – Ein 79-Jähriger hat der Polizei zum vierten Mal die Festnahme von Kriminellen ermöglicht. Geschafft hat er das dank eines ganz besonderen Talents.
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Nach seinem letzten Coup hat ihm die Betrügerbande einen Bestatter vorbeigeschickt, der seine Leiche abholen sollte. Und trotzdem freut sich Bruno Schmaus regelrecht auf den nächsten Kriminellen, der sich mit ihm anlegen will. Für fünf Festnahmen in vier Betrugsfällen hat der 79-Jährige schon gesorgt; eine weitere scheiterte, weil der Abholer nach einem Enkeltrick die Adresse nicht fand.

Schmaus' jüngstes Glanzstück ereignete sich am Montag: Ein Schockanrufer gibt sich weinend als sein Sohn aus, unmittelbar darauf übernimmt ein vermeintlicher Polizeibeamter den Hörer. Schmaus müsse 80.000 Euro Kaution für seinen Sohn zahlen, weil dieser einen tödlichen Verkehrsunfall verursacht habe und sonst ins Gefängnis müsse.

Der Rentner durchschaut den Trick sofort und hält den Anrufer so lange hin, bis die Polizei den 21 Jahre alten Abholer bei der fingierten Übergabe in Pullach bei München festnehmen kann. Dass ihm die Betrüger auf den Leim gehen, kann man ihnen nicht verdenken, wenn man Schmaus erzählen hört. 

Ein geborener Schauspieler

Unvermittelt fängt er mit hoher, weinerlicher Stimme das Jammern an. «Wissen Sie, ich sehe fast nichts mehr, ich habe sechs Dioptrien», klagt er, um zu erklären, warum er die Aufschrift auf der vermeintlich vor ihm liegenden Goldmünze nicht lesen kann. Die Aufforderung, seine Wertsachen zum Amtsgericht zu bringen, wimmelte er ebenfalls glaubwürdig ab: «Ich kann nimmer Auto fahren, ich bin die Kellertreppe runtergestürzt und war im Krankenhaus, die Wirbelsäule ist kaputt».

Der 79-Jährige hat inzwischen eine gewisse Erfahrung mit Betrügern, die Menschen unter Druck setzen wollen, um an ihr Erspartes zu kommen. Den Anfang machten vor rund 20 Jahren typische Internetbetrügereien samt einer vermeintlich hochzeitswilligen Online-Geliebten aus Thailand, wie Schmaus freimütig berichtet. Der kam er auf die Schliche, doch beim ein oder anderen Anlass fiel er auch mit geringen Beträgen auf die Nase. «So habe ich nach und nach gelernt, dass man sehr aufpassen muss, dass man nicht auf irgendwas reinfällt.»

2014 versuchte eine Bande zum ersten Mal, Schmaus mit einem Enkeltrick aufs Kreuz zu legen: Er sitze gerade beim Notar und brauche dringend Geld, um eine günstige Wohnung zu kaufen, bevor sie ihm ein anderer wegschnappe, erzählte ihm sein vermeintlicher Nachfahre. 2,5 Stunden hielt Schmaus den Anrufer am Telefon, alarmierte parallel die Polizei. Am Ende scheiterte eine Festnahme daran, dass der Abholer die Adresse nicht fand.

Erste Festnahme 2014

Wenig später folgte ein weiterer Enkeltrick. «Mit "Anna" hab ich so ein Theater aufgeführt, da habe ich den total dementen alten Mann gespielt», erzählt Schmaus mit Schalk in den Augen. Diesmal klappte es, die Abholerin wurde festgenommen.

Als nächstes sorgte Schmaus für die Festnahme zweier Teppichhändler, die ihm an seiner Haustüre ohne jegliche Genehmigung überteuerte Exemplare andrehen wollten. 2023 dann der erste Schockanruf - auch hier die klassische Nummer mit dem Verkehrsunfall. Die Polizei nimmt die Abholerin fest, sie wird zu einer mehrjährigen Haftstrafe verurteilt. Den bisherigen Schlusspunkt bildet die Festnahme des 21-jährigen Verdächtigen am Montag.

Man merkt Markus Nothelfer an, dass auch er Freude daran hat, Schmaus erzählen zu hören. Der Beamte ist stellvertretender Leiter des für Callcenter-Betrugs zuständigen Kommissariats der Münchner Polizei. «Herr Schmaus hat das mit großer Bravour und großer schauspielerischer Leistung gemacht», lobt er. «Aber das können wir nicht von jedem erwarten und auch nicht empfehlen.»

Polizei rät zum Beenden des Telefonats

«Mitzuspielen ist gar nicht so einfach, weil man sehr viel wissen muss, sehr viel beachten muss, und weil die sehr schnell erkennen, dass man sie an der Nase herumführt», ordnet Nothelfer ein. Wegen des hohen psychischen Drucks, den die professionellen Banden aufbauen, empfehle die Polizei, aufzulegen und Anzeige zu erstatten. «Es ist täterseitig von bandenmäßigem und strukturiertem Vorgehen, einhergehend mit einer immer weiter fortschreitenden Professionalisierung insbesondere auch im Hinblick auf konspiratives Verhalten auszugehen», ergänzt das Bayerische Landeskriminalamt. 

Am häufigsten seien die Maschen «falscher Amtsträger» - etwa ein Polizist, der nach einem angeblichen Überfall in der Gegend «zur Sicherheit» Wertsachen einsammelt -, sowie Enkel- und Schockanrufe wie bei Schmaus. Beides passiert sowohl per Telefon als auch per Messenger wie WhatsApp. Dabei werde Callcenter-Betrug überwiegenden aus dem Ausland gesteuert. Auch bei Schmaus wurde beim jüngsten Fall eine ausländische Nummer angezeigt - die gleiche, mit der auch der Bestatter beauftragt wurde.

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