Der Arbeitskräftemangel in Bayern steigt - aber langsamer als erwartet. Im laufenden Jahr wird er um 40.000 Menschen niedriger liegen als noch vor einem Jahr prognostiziert, wie eine Studie des IW Köln im Auftrag des Bayerischen Industrie- und Handelskammertags (BIHK) ergeben hat. Demnach fehlen derzeit rund 140.000 Arbeitskräfte im Freistaat. Das sind knapp 20.000 mehr als vor einem Jahr.
«Der Arbeitskräftemangel bleibt für die Gesamtwirtschaft ein Dauerthema. Auch wenn die Strukturkrise aktuell in vielen Branchen zu Stellenabbau führt, gibt es zahlreiche Betriebe, die unter fehlendem Personal leiden und Anpassungen vornehmen müssen», sagt der BIHK-Hauptgeschäftsführer Manfred Gößl. «Konkret sprechen wir von mehr Schließtagen in der Gastronomie, langen Wartezeiten bei qualifizierten Handwerkern und Werkstätten, beim Arzt und im Krankenhaus. Dazu kommen erhebliche Betreuungslücken für Kinder und Senioren. Der jährliche volkswirtschaftliche Verlust durch die ausfallende Wertschöpfung beträgt in Bayern schon jetzt rund 16 Milliarden Euro.»
Die Lücke wächst
Und die Lücke wächst weiter. Bis 2029 könnten es 220.000 fehlende Arbeitskräfte sein - mit einem Wertschöpfungsverlust von dann 25 Milliarden Euro. «Die Wirtschaft ist auf bessere Instrumente zur Förderung von Beschäftigung angewiesen. Dazu gehören mehr Anreize zur Arbeitsaufnahme und Qualifizierungen für Erwerbslose sowie eine höhere Erwerbsbeteiligung von Älteren und Frauen, etwa durch lohnsteuerliche Anreize und eine Anpassung des Renteneintrittsalters an die steigende Lebenserwartung», sagt Gößl.
Auch die Zuwanderung spielt für den Beschäftigungsaufbau eine immer größere Rolle. Bleibe sie auf dem Niveau der letzten Jahre, werde der Anteil von Ausländern an den Beschäftigten im Freistaat bis 2029 auf 22,5 Prozent steigen. 2018 waren es noch 14,7 Prozent.
Wie wichtig es für die bayerische Wirtschaft ist, die positiven Beschäftigungstrends bei Frauen und Älteren und durch Zuwanderung fortzusetzen, zeigt eine andere Rechnung der Experten. Rein demografisch würde die Zahl der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten bis 2039 um 600.000 auf 5,1 Millionen sinken. Gehen die positiven Trends dagegen weiter, könnte sie bis dahin um 180.000 auf 5,9 Millionen steigen.




