An der Zugspitze geht just einen Tag vor dem Welttag des Gletschers (21. März) eine Ära zu Ende: Dort wird der letzte auf einem Gletscher gebaute Lift in Deutschland abgebaut. Am Freitagnachmittag wurde mit dem Rückbau des Plattlifts auf dem Nördlichen Schneeferner begonnen.
Eine kleine Sprengladung durchtrennte nach Ende des Skibetriebs die Seile des Lifts, sodass die Stützen umfallen konnten. Diese standen lediglich auf dem Eis des Nördlichen Schneeferners und hatten kein Fundament im Boden. «Wir sind mit der Aktion sehr zufrieden. Es hat so funktioniert, wie wir es uns vorgestellt haben. Es hat lediglich ein paar manuelle Handgriffe gebraucht», sagte die Sprecherin der Bayerischen Zugspitzbahn, Laura Scharper.
Der 1967 eröffnete Schlepplift war zuletzt zwei Winter lang außer Betrieb gewesen. Grund ist der massive Gletscherrückgang: Die Piste und vor allem der Ausstieg waren durch das Abschmelzen des Eises immer steiler geworden. Was früher eine leichte, blau markierte Abfahrt war, entwickelte sich zu schwierigem Gelände. Zudem hingen die Seile durch das Absinken des Untergrunds zu hoch.
Bis zu acht Meter Dicke verloren
Immer wieder hatte die Bayerische Zugspitzbahn gehofft, den Lift doch noch laufen lassen zu können, wenn viel Schnee das fehlende Eis etwas ausgleicht. Doch zuletzt war der Lift in der Saison 2023/2024 in Betrieb gewesen. Deshalb fiel schließlich die Entscheidung zum Abbau.
Im Bereich der Lifttrasse habe der Gletscher sieben bis acht Meter in der Vertikalen eingebüßt, erläuterte dazu der Geograf Wilfried Hagg von der Hochschule München, der gerade mit dem Glaziologen Christoph Mayer von der Bayerischen Akademie der Wissenschaften (BAdW) neue Daten zu den vier letzten bayerischen Gletschern veröffentlicht hat. Der Schlepplift sei durch diese starke Absenkung der Eisoberfläche nicht mehr haltbar. Hagg: «Damit verliert Deutschland sein einziges Gletscher-Skigebiet.»
Der Plattlift war der letzte von einst mehreren Anlagen im Gletscherbereich der Zugspitze. Es gab früher noch einen Gletschersee-Schlepplift sowie einen Doppel-Sessellift beim ehemals fünften bayerischen Gletscher, dem Südlichen Schneeferner, der bereits 2022 seinen Status als Gletscher verloren hat. «Hier oben kann man dem Gletscher beim Schmelzen zusehen. Das ist ein ernstes Thema», sagt Zugspitzbahn-Sprecherin Schaper.
Rekordschmelze
Deutschlands letzte Gletscher schmelzen den Forschern zufolge insgesamt in Rekordgeschwindigkeit. Sie büßten innerhalb von nur zwei Jahren von 2023 bis 2025 mehr als ein Viertel ihrer Fläche ein. Eine Million Kubikmeter Eis gingen insgesamt verloren.
Vom Blaueisgletscher und Watzmanngletscher in den Berchtesgadener Bergen gibt es nur noch klägliche Reste - sie könnten schon bald ihren Status als Gletscher verlieren. Bis Ende des Jahrzehnts könnte der Nördliche Schneeferner betroffen sein.
Am längsten wird sich absehbar der Höllentalferner im Zugspitzgebiet halten, er liegt eher schattig. Doch auch ihm gaben Wissenschaftler zuletzt nur noch maximal zehn Jahre. Deutschland wird damit voraussichtlich im Laufe der 2030er Jahre keinen einzigen Gletscher mehr haben.








