Als Frank Rebhan 1995 Oberbürgermeister von Neustadt bei Coburg wurde, war Deutschland noch relativ frisch vereint. Ein wichtiger Fakt für eine Stadt, die nur einen Steinwurf weit entfernt zur Thüringer Landesgrenze liegt. Nun, 31 Jahre später, hat Rebhan immer noch Freude an seinem Job im Rathaus - er tritt erneut zur Wiederwahl am kommenden Sonntag (8. März) an. Nach Angaben des Bayerischen Städtetags ist Rebhan Deutschlands dienstältester OB einer Großen Kreisstadt.
«Es hätte vieles dafür gesprochen, zu sagen: Es war eine schöne Zeit, jetzt genieße ich all die anderen schönen Dinge im Leben», sagt der 65-Jährige.
SPD-Mann im «schwarzen Bayern»
Im Gespräch skizziert er, dass Kommunen unter großem Druck stünden: «Die Sozialkosten explodieren. Das raubt uns die Luft zum Atmen.» Angesichts dieser Situation «hat das jetzt auch etwas mit Verantwortung zu tun. Ich habe mich geprüft und festgestellt, dass mir das, was ich tue, immer noch Freude bereitet. Und es ist mir eine Ehre, wenn mir die Aufgabe übertragen ist, mich um die Belange der Stadt zu kümmern.»
Neustadt grenzt direkt an Sonneberg an - das ist jener Thüringer Kreis, der seit 2023 von einem AfD-Landrat geführt wird. Über die AfD will Rebhan nicht reden und Wahlergebnisse anderer Kommunen auch nicht kommentieren. Stattdessen verweist er lieber auf die für Bayern durchaus ungewöhnliche Konstellation: «Ich bin seit über 30 Jahren SPD-Oberbürgermeister im schwarzen Bayern. Und das offensichtlich nicht ganz ohne Erfolg.»
«Entscheider sitzen weit weg»
Dass es ein Sozialdemokrat schwerer habe, bei der CSU-geführten Staatsregierung Gehör zu finden, verneint Rebhan entschieden: «Es geistert ja immer das Märchen herum, wenn man jemanden kennt und in der richtigen Partei ist, dann kriegt man als Stadt auch plötzlich Geld. Das ist alles Käse. Das Geld, das eine Stadt bekommt, ist genau berechnet.» Die Schlüsselzuweisungen seien nachvollziehbar und seien im Zweifel auch einklagbar.
«Insgesamt bin ich der Meinung, dass es Nordbayern vor allem deshalb schwer hat, weil die Entscheider weit weg sitzen», sagt Rebhan, «Das ist eine gesamtfränkische Problematik, keine parteipolitische. Wir sind einfach aus dem Blick bei vielen handelnden Akteuren. Zukunftsgerichtete Dinge wie Forschungseinrichtungen, Forschungsinstitute sind schwerpunktlastig in Südbayern angesiedelt. Im Norden gibt es verhältnismäßig im Verhältnis sehr, sehr wenige.»
Rebhan sagt, es sei in den vergangenen Jahren entscheidend gewesen, «dass ich hier Gremien hatte, die zum Wohl der Stadt Neustadt gearbeitet haben und nicht zur persönlichen Profilierung, gerade in schwierigen Zeiten.» Es sei gelungen, «entgegen dem Trend neue Arbeitsplätze zu schaffen, indem sich Firmen hier angesiedelt haben.»
Das sagen die Herausforderer
Vier Gegenkandidaten hat Rebhan in der 15.000-Einwohner-Stadt, darunter Dominik W. Heike von der CSU. Es sei nicht so besonders, gegen einen langjährigen Amtsinhaber anzutreten, teilt Heike mit: «Jeder Kandidat für ein Oberbürgermeisteramt hat nur ein Ziel: seine Stadt, seine Heimat zu gestalten und mit neuen Ideen nach vorne zu bringen. Da ist es der falsche Ansatz, auf den oder die Gegenkandidaten zu schauen.»
Freilich habe ein langjähriger Bürgermeister den Amtsbonus und den Vorteil, dass ihn jeder kenne - was aber auch ein Nachteil werden könne, wie man bei den Kanzlern Helmut Kohl und Angela Merkel gesehen habe.
Tanja Zapf geht für die Freien Wähler ins Rennen. Sie teilt mit: «In Unternehmen ist es wichtig, Positionen zu verändern und neu zu besetzen.» Bei allem Respekt für die lange Amtszeit und der Lebensleistung des Amtsinhabers: «Neustadt wird nur zukunftsfähig aufgestellt werden können, wenn wir die ausgetretenen und eingefahrenen Pfade verlassen.»
Fürth: SPD-OB seit 2002 im Amt
Jahrzehntelange SPD-Führung im Rathaus - das gilt auch für Fürth und für OB Thomas Jung. Er ist seit 2002 im Amt, kandidiert erneut und ist Bayerns dienstältester amtierender Oberbürgermeister einer Großstadt. Jung gilt als pragmatisch.
«Die Leute sind froh, wenn sie den Eindruck haben, dass die Arbeit im Rathaus in ihrem Sinne ordentlich gemacht wird», sagte er einmal in einem Interview mit der «SZ». Er hatte bei der Wahl vor sechs Jahren ein Ergebnis von fast 73 Prozent der Stimmen eingefahren. Sechs Herausforderer gibt es in diesem Jahr für den 64-Jährigen.









