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Kinderbetreuung in Bayern
Nur jede achte Kita erfüllt Personal-Empfehlung
Kita-Kinder
In Bayern betreuen zu wenige Fachkräfte den Nachwuchs. (Symbolbild) // Maximilian von Klenze/dpa
Kindertagesstätte
Kleinkinder brauchen ebenso eine intensivere Betreuung wie Kinder mit nichtdeutscher Muttersprache oder einer Behinderung. (Symbolbild) // picture alliance / dpa
von dpa
München/Gütersloh – Jede zehnte Kita im Freistaat arbeitet gar mit weniger als 60 Prozent der empfohlenen Fachkräfte. Immerhin werden zwei wichtige Faktoren in Bayern angemessen berücksichtigt.
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In Bayern erfüllen einer Studie zufolge nur rund zwölf Prozent aller Kitas die empfohlene Personalquote. Am anderen Ende der Skala wird jede zehnte Kita mit weniger als 60 Prozent des Personals betrieben, das für eine qualitativ hochwertige Bildung, Betreuung und Erziehung der Kinder empfohlen wird. Dies geht aus einer bundesweiten Studie der Bertelsmann-Stiftung mit Sitz in Gütersloh hervor. Grundlage sind Zahlen aus dem Jahr 2024.

Demnach arbeiteten vor zwei Jahren in knapp der Hälfte der bayerischen Einrichtungen (48 Prozent) nur zwischen 60 und 80 Prozent des Personals, das aus wissenschaftlicher Sicht empfohlen wird. Weitere 29 Prozent der Kitas (ohne Horte) hatten mindestens vier Fünftel des empfohlenen Personals zur Verfügung, erreichen aber nicht die hundert Prozent.

Genug Personal ist wichtig für Förderung der einzelnen Kinder

«Ausreichende Personalkapazitäten sind unabdingbar, wenn es um die notwendigen zeitlichen Ressourcen für die individuelle Bildungs- und Entwicklungsförderung des einzelnen Kindes geht», betont das Studienteam. Ob die vorhandene Anzahl der Mitarbeitenden für den Bedarf der Kinder angemessen sei, hänge unter anderem von der Größe der Kita, dem Alter der betreuten Kinder sowie deren besonderen pädagogischen Anforderungen ab.

Die Fachleute haben deshalb erstmals nicht nur die reine Anzahl der Erzieherinnen und Erzieher mit der Zahl der betreuten Kinder und deren Alter ins Verhältnis gesetzt. Stattdessen berücksichtigten sie auch die effektiv für pädagogische Aufgaben verfügbare Arbeitszeit. Und die Zahl der Kinder mit nichtdeutscher Muttersprache oder einer körperlichen, geistigen oder (drohenden) seelischen Behinderung in einer Kita, weil diese eine intensivere Begleitung benötigen.

Erfreulich: In Bayern steigen die Personalressourcen mit einem steigenden Anteil von Kindern mit nichtdeutscher Familiensprache in etwa um den fachlich empfohlenen Wert. Mit Blick auf die Kinder mit Eingliederungshilfe zeigt sich sogar ein Zuwachs, der über dem empfohlenen Zuschlag liegt. Allerdings betreuen gut 60 Prozent aller Kitas im Freistaat überhaupt keine Kinder mit Behinderung, womit es hierzulande weniger inklusiv arbeitende Einrichtungen gibt als im Bundesschnitt. Auch der Anteil an Kitas, in denen kein einziges Kind eine nichtdeutsche Muttersprache hat, ist mit 17 Prozent höher als im Bund.

Bedarfsgerechte Personalausstattung ist wichtig für Chancengleichheit

«Chancengerechtigkeit kann es nur geben, wenn es gelingt, auf alle Kinder entsprechend ihrer Bedarfe einzugehen», betont Bildungsdirektorin Anette Stein von der Bertelsmann-Stiftung. Das geplante Startchancen-Programm könnte aus Sicht der Fachleute die Situation verbessern. Vorausgesetzt, die Mittel kommen wirklich dort zum Einsatz, wo der Handlungsbedarf am größten ist - und werden nicht genutzt, um bestehende Lücken zu stopfen.

Für die Studie hat die Bertelsmann-Stiftung die amtliche Kinder- und Jugendhilfestatistik und die Personalschlüsselempfehlung der vom Bundesfamilienministerium eingesetzten Arbeitsgruppe Frühe Bildung mit Stichtag 1. März 2024 ins Verhältnis gesetzt. Berücksichtigt wurden auch ein personeller Aufschlag pro Kind mit nichtdeutscher Familiensprache in Anlehnung an die bayerische Regelung und ein Aufschlag pro Kind mit Eingliederungshilfe in Anlehnung an die niedersächsische Regelung.

Das bayerische Sozialministerium kritisiert bei solchen Studien regelmäßig die Verwendung der amtlichen Kinder- und Jugendhilfestatistik als verzerrend und spricht auch dieses Mal von «Pauschalierung» ohne Berücksichtigung von länderspezifischen Besonderheiten. 

Denn diese Statistik erfasst, wie viele pädagogisch tätige Menschen in den Kitas mindestens einen fachlich einschlägigen Fachschulabschluss vorweisen. Eine Erzieherin zählt dazu - ein Kinderpfleger jedoch nicht. In Bayern arbeiten aber aus historischen Gründen verhältnismäßig viele Kinderpflegekräfte.

Studie sagt Ende des Personalmangels voraus

Bayerns Sozialministerin Ulrike Scharf (CSU) wies außerdem auf eine neue Studie des Staatsinstituts für Frühpädagogik und Medienkompetenz (IFP) hin, die ein Ende des großen Personalmangels in Bayerns Kindertageseinrichtungen voraussagt. Je nachdem, wie hoch der konkrete Fachkräftezuwachs ausfällt, ist demnach mit einer Deckung des Bedarfs bis zum Jahr 2029 zu rechnen, im besten Fall sogar schon bis 2027.

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