Nach dem Axtangriff auf mehrere Passagiere in einem ICE soll der Beschuldigte weiterhin in der Psychiatrie bleiben. Das forderten Staatsanwalt, Verteidiger und Nebenklage-Vertreter in ihren Plädoyers vor dem Landgericht Regensburg. Dem Mann werden versuchter Totschlag und gefährliche Körperverletzung vorgeworfen. Er gilt aufgrund einer psychischen Erkrankung als schuldunfähig. Das Urteil soll am 20. Juli gesprochen werden.
Nach Überzeugung der Ermittler attackierte der 21 Jahre alte Syrer am 3. Juli 2025 in dem Zug Fahrgäste mit einer Axt. Der ICE kam daraufhin bei Straßkirchen (Landkreis Straubing-Bogen) zum Stehen. Die Opfer hatten zu Prozessbeginn eindringlich die Folgen der Tat geschildert. Bis heute sind sie psychisch belastet, leiden unter Angst und Albträumen. Dass bei dem Angriff niemand zu Tode kam, sei schlichtweg Zufall gewesen, so der Staatsanwalt.
Eskalation im Zugabteil
Aus dem Nichts heraus war an jenem Sommertag die Situation in dem Schnellzug eskaliert. Der Syrer sprach - so ergibt es die Rekonstruktion vor Gericht - zunächst einen 25 Jahre alten, ihm nicht bekannten Landsmann an und forderte ihn auf, mit seinen Freunden draußen zu warten. Der 25-Jährige saß mit seiner Mutter und seinen beiden jüngeren Geschwistern in einer Vierer-Sitzgruppe. Danach soll der Beschuldigte seinen Landsmann «mit feindseligem Blick» fixiert haben und mit Hammer und Axt durch das Zugabteil gelaufen sein.
Die Mutter des 25-Jährigen fürchtete einen Angriff und bat einen 29 Jahre alten Fahrgast, die Polizei zu rufen. Ihr Sohn hatte vergeblich versucht zu telefonieren - kein Handyempfang. Unvermittelt schlug der Beschuldigte den Ermittlungen nach dann mit der Axt auf den Kopf des 29-Jährigen und ging auf die syrische Familie zu. Dort traf er mit der Axt zweimal den Kopf der Mutter. Die 52-Jährige erlitt eine Schädelfraktur.
Dem 25 Jahre alten Sohn gelang es, dem Angreifer die Axt zu entreißen und diesen damit in Notwehr zu schlagen. Der Angreifer wurde schwer verletzt.
xDramatischer Notruf
Der Notruf des 29 Jahre alten Fahrgastes war im Prozess vorgespielt worden - ein erschütterndes Dokument der Tat: Es ist zu hören, wie der Anrufer dem Polizisten von einem Mann mit Axt im Zug berichtet, wie der Polizist Nachfragen stellt. Dann bemerkt der 29-Jährige den Angreifer neben sich und sagt: «Jetzt ist er neben mir.» Es folgt ein dumpfes Geräusch - die Axt trifft auf den Schädel. Im selben Moment beginnt Geschrei im Zug, der Polizist ruft ins Telefon, aber der Zeuge antwortet nicht mehr. Er hat eine Schädelfraktur erlitten.
Das Vorspielen des Notrufes bewegte den Beschuldigten offensichtlich. Er sagte danach an den 29-Jährigen gerichtet: «Ich entschuldige mich für das, was passiert ist.» Darüber hinaus äußerte sich der Syrer in dem Prozess nicht. Sein Verteidiger sagte, er habe das seinem Mandanten geraten, zumal dieser sich an das Geschehen nicht erinnern könne.
Gravierende Folgen für die Opfer
Sein Mandant bereue die Tat und sei selbst erschrocken von den schwerwiegenden Auswirkungen auf die Geschädigten, sagte der Verteidiger. In seinem Plädoyer verwies er darauf, dass der Beschuldigte schwer krank sei, die Tat im Wahn begangen habe und sprach sich für die Unterbringung aus.
Eine Unterbringung in der Psychiatrie hatten zuvor auch der Staatsanwalt und der Nebenklage-Vertreter gefordert. Von dem Beschuldigten gehe weiterhin eine Gefahr für die Allgemeinheit aus. In ihren Schlussvorträgen würdigten auch sie insbesondere die gravierenden Folgen der Tat für die Opfer. Der Anwalt der 52-Jährigen etwa sagte: Für die Geschädigten bleibe die Erfahrung, dass sie ohne jeden Anlass in ein Geschehen gezogen wurden, das sie ihr Leben hätte kosten können.








