München soll es richten. Mit der bayerischen Landeshauptstadt geht Deutschland ins Rennen um die Bewerbung für Olympia und Paralympics für die Jahre 2036, 2040 oder 2044. Nach dem gewonnenen Duell mit Köln-Rhein-Ruhr am Samstag in Baden-Baden müssen sich Sport und Politik nun für den globalen Wettstreit wappnen. Das Ziel ist erstmals seit 1972 wieder die Ausrichtung von Olympischen Spielen in Deutschland.
Vor welchen Hürden steht die Münchner Bewerbung?
In allererster Linie geht es darum, sich international in eine gute Position zu bringen. «Wir müssen quasi ab morgen loslegen», sagte Münchens Oberbürgermeister Dominik Krause (Grüne) nach dem DOSB-Entscheid vor dem Hintergrund, dass schon für 2036 eine Vergabe an die drittgrößte Stadt Deutschlands möglich ist. Der Kern der Bewerbung soll so bleiben, auch an den vorgesehenen Wettkampfstätten wollen die Verantwortlichen nicht rütteln. Mit Ausnahme von Fußballspielen in Stuttgart und der Segelwettbewerbe in Kiel sollen sämtliche Events in Bayern stattfinden.
Das Konzept wollen die Verantwortlichen aber weiter verbessern und optimieren - und sich möglicherweise etwas von den nationalen Kontrahenten Köln-Rhein-Ruhr, Berlin und Hamburg abschauen. «Erst mal ist das Konzept München maßgebend. Natürlich wird es bei den anderen Konzepten Ideen geben, die vielleicht in München noch nicht vorhanden sind», sagte DOSB-Präsident Thomas Weikert und fügte hinzu: «Wir wollen ja eine maximal gute Bewerbung haben, damit wir international eben eine Chance haben, die Spiele hierherzuholen.»
Dem Internationalen Olympischen Komitee (IOC) muss Deutschland Detailpläne und finanzielle Garantien vorlegen, bevor die erste Vorauswahl für die Vergabe der Sommerspiele 2036 im März 2027 abgeschlossen sein soll. Die nächste Phase strategischer Verhandlungen würde dann bis Ende 2028 laufen, ehe in den letzten Monaten bis zur entscheidenden IOC-Session Mitte 2029 nur noch die aussichtsreichsten Kandidaten im Rennen verbleiben.
Wie sieht es mit der Finanzierung aus?
Krause geht von Kosten in Höhe von rund zehn Milliarden Euro aus. «Fünf Milliarden Eventkosten und fünf Milliarden Infrastrukturkosten, wobei es bei den Eventkosten so ist, dass die sich in der Vergangenheit - soweit ich weiß - selbst getragen haben», sagte der Grünen-Politiker. Für die Stadt München seien vor allem die Infrastrukturkosten relevant. «Sprich das olympische Dorf, der Ausbau des ÖPNV», erklärte Krause.
Bayerns Ministerpräsident Markus Söder (CSU) sprach von mehreren Finanzierungssäulen. «Das ist das Sponsoring, das ist die Stadt, das ist das Land und dann am Ende auch der Bund.» Mit dem Bund wolle man nun schnellstmöglich reden, «inwiefern er sich auch beteiligen wird», sagte Krause. «Denn wir können mit den Infrastrukturplanungen nicht warten, bis die Entscheidung des IOC gefallen ist, sondern wir müssen jetzt eigentlich loslaufen.» Gut für München: Die aktuelle schwarz-rote Bundesregierung unterstützt eine deutsche Olympia-Bewerbung.
Wer sind die Konkurrenten von München?
Die Hauptkonkurrenten dürften aus Europa kommen. Denn Deutschland will dann mit einer Bewerbung überzeugen, wenn das IOC die Sommerspiele an einen europäischen Bewerber vergibt. Möglich ist 2029 auch eine Doppelvergabe für 2036 und 2040 an Asien und Europa.
Neben München haben Budapest und Istanbul Olympia-Pläne - auch Madrid, der Norden Großbritanniens und Italien mit der Toskana prüfen einen Anlauf. Doch offen ist, ob die genannten Kandidaten auch tatsächlich dann ins Rennen um die Vergabe gehen und ihre Pläne konkretisieren - oder sich frühzeitig von der Idee verabschieden. Aus Asien gelten Indien und Katar als mögliche Bewerber.
Wie stehen die Chancen im internationalen Wettstreit?
Das ist noch relativ offen. Bislang lässt sich das IOC nicht in die Karten schauen - zumal die Konkurrenz ja noch nicht feststeht. Der DOSB rechnet sich durchaus große Chancen auf den Zuschlag aus. «Der Standort Deutschland ist auch im IOC bekannt als guter Standort, um es ganz bescheiden zu formulieren», sagte Weikert und fügte hinzu: «Wir können mit unserer Bewerbung ein Angebot machen - und wir haben ein gutes Angebot.» Wie das IOC dann aber entscheidet, könne man «nur schwer beeinflussen», so der 64-Jährige.










