Am Rande Münchens entsteht mit Freiham eines der größten Neubaugebiete Europas - doch die Anbindung des bewusst für wenige Autos geplanten Quartiers an den öffentlichen Nahverkehr sorgt für Ärger. Denn bislang sind die Bewohner - mindestens 25.000 sollen es am Ende sein - ausschließlich auf S-Bahnen und Busse angewiesen. Nun hat der Stadtrat mit großer Mehrheit beschlossen, das Planfeststellungsverfahren für die Verlängerung der U-Bahn-Linie 5 auf den Weg zu bringen.
Die finale Entscheidung zum Bau der U-Bahn ist damit aber noch nicht gefallen, auch wenn die Stadt bereits einen dreistelligen Millionenbetrag in die Planung sowie den Bau eines sogenannten Vorhaltebauwerks gesteckt hat - also in ein später als Bahnhof zu verwendendes Gebäude-Gerüst. Größtes Hemmnis ist die Finanzierung des Mammutprojektes. Derzeit steigt zudem die Sorge, dass die U5 in der Konkurrenz zu weiteren Ausbauplänen im Zuge der Olympiabewerbung der Landeshauptstadt auf der Strecke bleiben könnte.
Konkurrenz zu neuer U-Bahn-Linie zum Olympischen Dorf
«Beides gleichzeitig ist nicht möglich. Wenn man die U-Bahn nach Freiham jetzt fertigplanen möchte, bedeutet das, auf die U-Bahn im Osten zu verzichten», bilanzierte der Münchner Sprecher des Fahrgastverbandes Pro Bahn, Andreas Frank. «Die Erschließung des Olympischen Dorfes kann und muss dann durch eine Trambahnstrecke erfolgen.»
Die Stadt plant wegen der Olympia-Bewerbung nämlich auch eine milliardenteure Verlängerung der U4 zum neuen Olympiadorf im Nordosten. Außerdem setzt München auf eine neue U9, für die am Hauptbahnhof ebenfalls schon ein Vorhaltebauwerk errichtet wird.
Auch wenn der Bauausschuss die Entscheidung zur U5 zuvor zweimal vertagte, widersprach Sebastian Kriesel (CSU) in der Vollversammlung einer schädlichen Konkurrenz ausdrücklich. Jedes Projekt müsse für sich bewertet werden. Zudem sei angesichts der Wohnraumknappheit davon auszugehen, dass in den 2040er Jahren mindestens 30.000 Einwohner in dem Quartier leben würden; darüber hinaus werden rund 15.000 Arbeitsplätze erwartet. Kriesel betonte deshalb: «Wir haben den Bürgerinnen und Bürgern dort die U-Bahn versprochen, und dazu müssen wir stehen.»
Eine Milliarde Euro für eine U-Bahn in vielen Jahren
Christian Schwarzenberger von der Linken kritisierte an den U-Bahn-Plänen jedoch sowohl die lange Baudauer - derzeit gilt 2039 als Zielmarke - als auch die im Vergleich zu einer Trambahn hohen Kosten. «Das kann man mit sehr großer Sicherheit sagen, dass wir am Ende von einem Betrag von über einer Milliarde Euro für das Gesamtprojekt sprechen.»
Allerdings würde der gesamte Münchner Westen davon profitieren. Derzeit wird noch der Abschnitt der U5 von Laim nach Pasing gebaut. Um die anschließende, rund 4,7 Kilometer lange Strecke mit vier Bahnhöfen nach Freiham zu finanzieren, forderte Felix Lang von der SPD konkrete Zusagen von Bund und Freistaat. «Unsere heutige Zustimmung ist deshalb noch nicht ein Blankoscheck für den späteren Bau.»
Das dürften die 10.000 Menschen, die bereits in Freiham leben, mit Sorge hören. Denn schon jetzt häufen sich die Klagen über verstopfte Straßen und Probleme mit fehlenden Parkplätzen. Eine von der CSU initiierte Petition, die die Verlängerung der U5 fordert, wurde innerhalb von vier Tagen gut 1.800 Mal unterschrieben.









