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Geldanlage
Volksbanken bauen Kryptogeschäft aus
Genossenschaftsverband Bayern
Den bayerischen Genossenschaftsbanken können bislang weder weltweite Krisen noch die Schieflage der Baywa etwas anhaben. (Archiv) // Marc Müller/dpa
von dpa
München – Volks- und Raiffeisenbanken gelten seit jeher als bodenständige Geldhäuser, dem Handwerk vor Ort näher als den Jongleuren des Finanzmarkts. Nun machen die VR-Banken auch spekulative Anlagen möglich.
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Bayerns Volks- und Raiffeisenbanken steigen vorsichtig in das spekulative Geschäft mit Kryptowährungen ein. In Kürze soll in der App der VR-Banken auch ein «meinKrypto» getauftes Angebot zum Kauf und Verkauf der digitalen Währungen verfügbar sein, wie der Genossenschaftsverband Bayern (GVB) ankündigte. Allerdings werden die teilnehmenden Banken das nicht offensiv bewerben, sondern nur Aufträge von «Selbstentscheidern» in der Kundschaft ausführen. «Es ist so, dass wir in dem Bereich Kryptowährungen nicht operatives Geschäft forcieren», sagte GVB-Prüfungsvorstand Alexander Leißl. 

In Bayern gibt es insgesamt 175 Volks- und Raiffeisenbanken, die im ländlichen Raum eine große Rolle für die örtliche Wirtschaft spielen. Bisher gibt es laut GVB lediglich eine bayerische Genossenschaftsbank, die Bitcoin-Wallets im Angebot hat, und zwar Bayern Mitte in Ingolstadt. «Wichtig ist für uns, und das ist das Thema dahinter, dass das Thema Krypto einfach zum ganzheitlichen Bankangebot gehört», sagte Leißl.

Kein Massenandrang erwartet

In der Finanzbranche wird nach wie vor diskutiert, ob es sich bei Kryptowährungen nicht um reine Spekulation handelt. Dass die Kunden der VR-Banken sich künftig in Scharen mit Kryptowährungen eindecken, glaubt der GVB aber nicht: «Die angestammten Kunden der Volks- und Raiffeisenbanken sind sicherlich nicht unbedingt die, die mega Krypto-Geschäfte tätigen», sagte Leißl.

Das Interesse an Geldanlagen ist generell gestiegen, wie aus der vom Genossenschaftsverband veröffentlichten Jahresbilanz hervorgeht. Die Kunden eröffneten 2025 insgesamt 32.000 neue Wertpapierdepots. Auch die Provisionserlöse auf den Verkauf von Gold und Devisen legten stark zu. 

Auch Baywa-Krise verkraftbar

Die langjährige Wirtschaftskrise hat den bayerischen Genossenschaftsbanken bislang kaum in Mitleidenschaft gezogen. Das Vorsteuerergebnis lag im vergangenen Jahr mit knapp über 1,8 Milliarden Euro leicht über dem Vorjahr, die Bilanzsumme stieg um 2,9 Prozent auf 216,4 Milliarden Euro. 

Auch eine etwaige Verschärfung der Krise bei der Baywa - mit der viele bayerische Genossenschaftsbanken direkt oder indirekt in Verbindung stehen - würde die VR-Banken nicht ins Wanken bringen, wie GVB-Präsident Stefan Müller betonte. «Auch wenn die Lage bei der Baywa noch herausfordernder würde, würde dadurch alleine jedenfalls eine bayerische Volksbank oder Raiffeisenbank nicht in eine Schieflage geraten», sagte Müller. 

Die Baywa ist aus der Genossenschaftsbewegung hervorgegangen, insofern sind die Verbindungen nach wie vor eng. Die bayerischen VR-Banken sind über die Beteiligungsgesellschaft BRB Hauptaktionär der Baywa. Zudem haben etliche Genossenschaftsbanken dem Unternehmen über Schuldscheindarlehen oder sonstige Forderungen Geld geliehen, Müller bezifferte die Gesamtsumme auf 200 Millionen Euro. Davon waren bereits 60 Prozent abgeschrieben. Da die Sanierung der Baywa länger dauern wird als ursprünglich geplant, hat der GVB hat seinen Mitgliedsbanken nun geraten, diese Abschreibung noch um einen Risikopuffer zu erhöhen, wie Müller sagte. Eine Zahl nannte er nicht.

Für das laufende Jahr sind die Genossenschaftsbanken ungeachtet aller Krisen und Kriege optimistisch: «Wir erwarten bei den Volksbanken und Raiffeisenbanken in Bayern in diesem Jahr auch wieder ein sehr gutes Ergebnis, auch weiterhin steigende Erträge», sagte Müller.

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