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Bundesliga
Vor Paris-Trip: Comeback-Bayern begeistern
FSV Mainz 05 - Bayern München
Bejubelten mit den Fans eine spektakuläre Aufholjagd: Die Profis des FC Bayern München. // Torsten Silz/dpa
FSV Mainz 05 - Bayern München
Hatte mit einem Tor und einer Vorlage großen Anteil am Bayern-Sieg: Jamal Musiala (M). // Torsten Silz/dpa
FSV Mainz 05 - Bayern München
Sorgte für den Siegtreffer: Harry Kane (M). // Thomas Frey/dpa
FSV Mainz 05 - Bayern München
Brachte den FC Bayern in der Halbzeitpause wieder auf Kurs: Trainer Vincent Kompany. // Thomas Frey/dpa
von dpa
Mainz – Der FC Bayern sorgt mit seiner irren Aufholjagd beim FSV Mainz 05 einmal mehr für Aufsehen - und holt sich viel Selbstvertrauen für das Champions-League-Halbfinale.
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Vincent Kompany machte seinen spektakulären Comeback-Bayern vor dem Königsklassen-Trip nach Paris eine Liebeserklärung. «Die Jungs haben gejubelt, als hätten sie sich in einem Relegationsspiel gerettet. Ich liebe diese Mentalität», schwärmte der Trainer des Rekordmeisters nach der fast historischen Aufholjagd beim 4:3 (0:3) in Mainz. Voller Zuversicht blickt der Erfolgscoach jetzt auf das Halbfinale in der Champions League gegen Titelverteidiger Paris Saint-Germain.

«Wenn du am Ende der Saison ein Wunder brauchst, kannst du nicht von null anfangen. Das Gefühl und den Glauben musst du dir vorher erarbeiten», stellte Kompany anerkennend fest und ergänzte mit Blick auf das noch mögliche Triple fast schon philosophisch: «Ob du alles gewinnst? Wahrscheinlich nicht. Aber vielleicht. Du musst diesen Glauben haben – das ist die Basis.»

Bayern-Chefs loben Mentalität und Charakter

Bei der Paris-Generalprobe konnten die Münchner erst zum zweiten Mal in ihrer glorreichen Vereinsgeschichte einen Drei-Tore-Rückstand zur Pause noch in einen Sieg umwandeln. Erstmals war ihnen dieses Kunststück am 18. September 1976 gegen den VfL Bochum (6:5) gelungen - damals mit Ikonen wie Franz Beckenbauer, Gerd Müller oder Uli Hoeneß. 

Kein Wunder, dass Sportvorstand Max Eberl im ZDF-Sportstudio von einem «sehr guten Push» für Paris sprach: «Es gibt nichts Besseres, als mit solch einem Sieg in das Spiel zu gehen.» Die irre Aufholjagd sei ein «schönes Spiegelbild dessen gewesen, was wir in den letzten Monaten geschaffen haben. Es war ein Sieg der Moral, des Charakters. Das hat mich sehr beeindruckt.»

Sportdirektor Christoph Freund schwelgte ebenfalls in höchsten Tönen von den Meister-Bayern. «Heute war es ganz besonders, weil wir 0:3 hinten lagen und in der ersten Halbzeit kein gutes Spiel gemacht haben. Dann so zu reagieren, ist Wahnsinn. Dieser Teamgeist, diese Mentalität, dieser Charakter – das ist wirklich einmalig», lobte Freund. «Das gibt uns ganz viel Energie für die Champions League.»

Stars sorgen für die Wende

Mit einer besseren B-Elf traten die Münchner in Mainz 45 Minuten lang wenig meisterlich auf und lagen nach Gegentreffern von Dominik Kohr, Paul Nebel und Sheraldo Becker scheinbar aussichtslos zurück. Doch dann brachte Kompany die zunächst geschonten Stars. Und die sorgten für die Wende.

Nicolas Jackson, der laut Eberl keine Zukunft bei den Bayern hat, leitete die Aufholjagd ein. Danach drehten Zauberfuß Michael Olise, Nationalspieler Jamal Musiala und Top-Torjäger Harry Kane mit ihren Treffern die Partie und verhinderten die drohende zweite Saison-Niederlage in der Fußball-Bundesliga. 

«Der Trainer hat in der Pause klar angesprochen, dass wir uns wie Bayern München präsentieren müssen. Es war beeindruckend, wie die Mannschaft darauf reagiert hat. Obwohl wir schon souverän Meister sind, hat man den Hunger der Mannschaft gesehen. Das zeugt von extremer Qualität und Mentalität», sagte Freund.

Mit einer Brandrede in der Pause hatte Kompany offenbar den Nerv der Bayern-Stars getroffen. «Er hat ein paar deutliche Worte an uns gerichtet. Ich verrate aber nicht welche», sagte Kane. Und Leon Goretzka berichtete: «In der Halbzeit haben wir ordentlich den Kopf gewaschen bekommen und uns dann wieder auf das besonnen, was uns stark macht.» Der hart erkämpfte 4:3-Sieg sei «am Ende geiler als vielleicht ein 3:0».

Bayern bereit für Paris-Duell

Auch Kane zog viel Positives aus dem besonderen Erfolg, den die Bayern-Profis nach dem Abpfiff vor der Fankurve so ausgelassen feierten wie die Meisterschaft. «Manchmal ist es gut, dass solche Dinge vor einem wichtigen Spiel passieren. Denn daraus können wir lernen. Nach einem 0:3 zur Halbzeit zurückzukommen, zeigt die Mentalität, die wir haben. Das gibt uns ein gutes Gefühl für Paris», sagte der 32 Jahre alte Starstürmer.

In der Stadt der Liebe müssen die Bayern am Dienstag von Beginn an hellwach sein, soll es auf der Jagd nach dem Triple kein böses Erwachen geben. Schließlich treffe man auf einen «starken Gegner mit großartiger Qualität», mahnte Kane. 

Zusätzlich motivieren muss man bei den Bayern für die Duelle mit dem französischen Meister niemanden. «Da treffen die beiden besten Mannschaften Europas aufeinander», befand Goretzka. Und die Münchner fühlen sich bereit. 

«Dass wir noch den Hunger haben, das Spiel zu drehen, noch zu feiern, als ob es die Meisterschaft gewesen wäre, ist ein gutes Gefühl», sagte Musiala nach dem «Wunder von Mainz» und ergänzte: «Für die kommenden Wochen brauchen wir dieses Gefühl und die Mentalität, wenn wir noch mehr gewinnen wollen.»

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