Angst, mit einem schlechten Zeugnis nach Hause zu kommen? Das muss nicht sein. Wir haben Prominente aus Franken gefragt, was ihre schlechtesten Noten waren und welche Erinnerungen sie an die Konsequenzen haben. Für Schüler, um Eltern zu zeigen, dass man auch mit nicht so guten Noten noch etwas werden kann.
Und für Eltern, um diese Momentaufnahme im Leben nicht allzu wichtig zu nehmen und die Ruhe zu bewahren.
Kinderschutzbund: „Ehrliche Fragen statt Vorwürfe“
Alexandra Schreiner-Hirsch, pädagogische Leiterin des Kinderschutzbundes Landesverband Bayern, rät Eltern: „Vor allem ruhig bleiben!“ Noten dürften Anlass für Gespräche sein – aber niemals Maßstab für den Wert eines Kindes. „Statt Vorwürfen helfen ehrliche Fragen: Woran lag es? Was war schwierig? Was brauchst du, damit es nächstes Mal besser gelingt?“, sagt Schreiner-Hirsch.
Viele der rund 1,76 Millionen Schülerinnen und Schüler in Bayern halten ihr Zeugnis übrigens schon seit einigen Wochen in den Händen. Etwa die Abiturientinnen und Abiturienten des ersten G9-Jahrgangs in Bayern. Und von den mehr als 500.000 Grundschülern nehmen viele Viertklässler das Jahreszeugnis eher gelassen. Entscheidend waren für sie die Noten in Deutsch, Mathematik und Heimat- und Sachunterricht (HSU) des Übertrittszeugnisses, um aufs Gymnasium (Schnitt von bis zu 2,33) oder die Realschule (Schnitt von bis zu 2,66) zu wechseln. Und die Übertrittszeugnisse gab es schon Anfang Mai.
Joachim Herrmann: „Viele großartige Lehrer“
Joachim Herrmann, bayerischer Innenminister (CSU)
Schule: Gymnasium Fridericianum Erlangen
Schlechteste Note: 4 (Biologie/5. Klasse)
Wer oder was hat Sie durch die Schulzeit getragen?
Viele großartige Lehrer und meine wiederholte Wahl zum Klassensprecher von der 9. Klasse bis zum Abitur. Besonders geehrt gefühlt habe ich mich nach der Wahl zum Schülersprecher, als ich in der 13. Klasse war.
Was möchten Sie Schülern heute mit auf den Weg geben?
Schulabschluss und Ausbildung sind unabdingbar. Aber, so hat der verstorbene ehemalige Landtagspräsident Alois Glück einmal gesagt, „die Welt lebt von Menschen, die mehr tun als ihre Pflicht“. Ob in Sport, Kultur oder Politik: Wer das Miteinander pflegt, sich für die Gemeinschaft in welcher Form auch immer einsetzt, der wird auch für sich selbst (noch) mehr Freude am Leben haben. Wer sich für und mit anderen engagiert, wird sich selbst belohnen.
Can Aydin: „Lieber einmal mehr überlegen“
Can Aydin, Zweiter Bürgermeister in Coburg (SPD)
Schule: Rückert-Mittelschule Coburg, CO I, FOS
Schlechteste Note: 5 (mehrere Fächer)
Welche Aktion in der Schule würden Sie heute so nicht mehr machen?
Ich würde meine Worte bewusster wählen. Damals hielt ich manchen Spruch oder Witz für völlig harmlos. Heute weiß ich, dass Worte manchmal länger nachhallen, als einem in dem Moment bewusst ist. Wenn ich etwas ändern könnte, dann das: lieber einmal mehr überlegen, bevor man einen Witz auf Kosten anderer macht.
Was möchten Sie Schülerinnen und Schülern heute mit auf den Weg geben?
Die Welt braucht nicht nur erfolgreiche Menschen – sie braucht vor allem gute Menschen. Eine Note oder ein Titel kann zeigen, was ihr gelernt habt. Aber auf keinem Zeugnis steht, ob ihr mitfühlend seid, anderen helft oder euren Freunden in schwierigen Zeiten zur Seite steht. Genau das macht am Ende den Unterschied.
Sebastian Hotz: „Es geht vorbei“
Sebastian Hotz („El Hotzo“), Satiriker
Schule: Gymnasium Fränkische Schweiz Ebermannstadt
Schlechteste Note: 5 (Mathe)
Welche Aktion in der Schule damals würden Sie heute so nicht mehr machen?
Ich glaube einiges an Stress würde ich mir nicht mehr machen. Es ist tatsächlich einigermaßen egal, welche Note man in der 8. Klasse in Biologie hat.
Wer oder was hat Sie durch die Schulzeit getragen?
Ich glaube eine gesunde Mischung aus dem 80-Cent-Leberkäsbrötchen am Pausenverkauf und YouTube-Erklärvideos über lineare Algebra.
Was möchten Sie Schülern heute mit auf den Weg geben?
Es geht vorbei (ermutigend gemeint).
Und es geht vorbei (entmutigend gemeint).
Was gab es bei Ihnen als Belohnung für ein gutes Zeugnis?
Sechs Wochen Sommerferien meistens.
Nina Christof: „Ich hatte auch mal eine Sechs“
Nina Christof, Eishockey-Nationalspielerin
Schule: Frobenius Gymnasium Hammelburg und High-School-Internat Bishop Kearney in Irondequoit, New York, USA.
Schlechteste Note: 6 (Geografie)
Die 22-Jährige macht gerade ihren Bachelor in Informatik. Anfang des Jahres schaffte sie es mit der Nationalmannschaft der Frauen ins Viertelfinale der Olympischen Winter-Spiele.
Was haben Sie besonders in Erinnerung?
„Ich war stolz, das Schuljahr geschafft zu haben, weil ich oft nicht so gute Noten hatte.“ Bei einer mündlichen Abfrage in Geografie war es auch mal eine Sechs. „Es war ein Montag und das Wochenende davor war ich auf Turnier mit der Nationalmannschaft. Ich dachte nicht, dass ich abgefragt werde.“
Was möchten Sie Schülern mit auf den Weg geben?
„Du bist nicht Deine schlechte Note. Solange man sein Bestes gegeben hat, kann niemand was dagegen sagen.“
Paul Maar: „Schweres Gedicht als Strafe“
Paul Maar, Kinderbuchautor
Schule: Humboldt-Gymnasium Schweinfurt
Schlechteste Note: 5 (Mathe und Chemie)
Welche Aktion in der Schule würden Sie heute so nicht mehr machen?
Ich war eher ruhig, habe aber ein Spottgedicht über unseren Englischlehrer Schiesel geschrieben. Der Zettel wanderte durch die Klasse. Als er es merkte und allen mit Nachsitzen drohte, habe ich mich gemeldet, um die Mitschüler zu schützen. Zur Strafe musste ich in einer Stunde ein schweres, reimloses Hölderlin-Gedicht auswendig lernen. Das hat unerwartet meine Liebe zum Sprachrhythmus geweckt.
Wer oder was hat Sie durch die Schulzeit getragen?
Unser engagierter Deutschlehrer, den wir wegen seines Lieblingsworts nur „Quasi“ nannten. Er hat mich enorm gefördert, mir stets Einser gegeben und meine Aufsätze der Klasse vorgelesen. Das hat mir damals unglaublich geholfen und mein Selbstvertrauen gestärkt.
Sina Setale: „Ich würde es anders machen“
Sina Setale, Miss-Germany-Kandidatin 2025
Schule: Kaspar-Zeuß-Gymnasium Kronach
Schlechteste Note: 6 (Physik)
Welche „Aktion“ oder Sache würdest Du heute vielleicht nicht mehr so machen?
Rückblickend habe ich zu Hause viel zu wenig Zeit in die Schule investiert, vor allem für Hausaufgaben und das regelmäßige Lernen. Heute würde ich das anders machen, weil ich gemerkt habe, dass kontinuierliches Arbeiten langfristig viel bringt.
Was hast Du besonders in Erinnerung?
Außerdem bin ich heute sehr dankbar für die verständnisvollen Lehrerinnen und Lehrer in meiner Oberstufe.
Durch mein Engagement bei der Feuerwehr musste ich ab und an für Einsätze den Unterricht verlassen.
Dass sie dafür so viel Verständnis gezeigt haben, weiß ich heute umso mehr zu schätzen.
Und auch vor allem meine Freundinnen und Freunde, die mich durch die Schulzeit getragen haben.
John von Düffel: „In die Lehrerin verliebt“
John von Düffel, Intendant E.T.A.-Hoffmann-Theater Bamberg
Schule: Cäcilienschule (Gymnasium) Oldenburg
Schlechteste Note: 5 (Deutsch)
Was haben Sie gemacht, wenn Sie eine Prüfung in den Sand gesetzt haben?
Ich bin untergetaucht – im Schwimmbecken oder Baggersee und habe mir den Frust von der Seele geschwommen.
Was möchten Sie Schülern heute mit auf den Weg geben?
Ich würde sagen, Hauptsache Abschluss! Danach werden die Karten dann sowieso noch einmal neu gemischt.
Wer oder was hat Sie durch die Schulzeit getragen?
Ich war ziemlich lange in meine Englischlehrerin verliebt. Das hat die Aufmerksamkeit sehr gesteigert.
Alexander Herrmann: „Schule schützt vor Naivität“
Alexander Herrmann, Sternekoch
Schule: Gesamtschule Gefrees (Mittlere Reife)
Schlechteste Note: 6 (Steno)
Was möchten Sie Schülern heute mit auf den Weg geben?
Die Schule ist ein hervorragender Ort, ums für Leben zu lernen – auch wenn man im ersten Moment denken mag, ich brauche gewisse Dinge später nicht mehr. Es geht nicht allein um Inhalte, sondern um Prozesse. Die Schule schützt einen für später vor einer gewissen Naivität. Sie formt einen in der Möglichkeit, selber Entscheidungen fällen zu können.
Welche Aktion würden Sie heute so nicht mehr machen?
Jeden einzelnen Streich würde ich wieder machen. Ich verstehe nicht, warum ich das nicht mehr machen sollte, das gerade formt doch das Leben.
Sebastian Niedermaier: „Der Opa schaute genau hin“
Sebastian Niedermaier, Oberbürgermeister Stadt Bamberg
Schule: Graf-Stauffenberg-Realschule Bamberg
Schlechteste Note: 5 (Musik)
Was hat Sie durch die Schulzeit getragen?
Gute Freundschaften innerhalb der Klasse.
Welche Aktion in der Schule würden Sie heute so nicht mehr machen?
Es ist immer alles im Rahmen geblieben – ein bisschen Quatsch und Spaß gehört aber zur Schulzeit mit dazu.
Was gab es als Belohnung für ein gutes Zeugnis?
Mein Opa hat immer den passenden Betrag zusammengerechnet: fünf Mark für Note 1, drei Mark für Note 2, eine Mark für Note 3, 0 Mark für Note 4, minus zwei Mark für Note 5, minus drei Mark für Note 6.


















