In drei Sprachen
Das müssen Helfer und Geflüchtete jetzt wissen
Foto: justaa, adobestock.com
Ukraine
Bamberg – Wo muss ich melden? Brauche ich eine Corona-Impfung? Eine Krankenversicherung? Wir beantworten wichtige Fragen zum Ankommen in drei Sprachen.

Viele Menschen flüchten vor dem Krieg, den Russland in der Ukraine entfacht hat, nach Deutschland. Die Menschen, die jetzt in Deutschland ankommen, stellen sich alle die gleichen Fragen: Bei welchen Behörden muss ich mich melden? Kann ich Geld wechseln? Wo bekomme ich eine SIM-Karte fürs deutsche Handy-Netz? Diese und weitere wichtige Fragen beantworten wir kompakt für Flüchtlinge und Helfer in diesem Artikel.

Hier gibt es den Text in der ukrainischen und russischen Übersetzung zum Download:

Hilfe für Geflüchtete auf Russisch

Hilfe für Geflüchtete auf Russisch

Hilfe für Geflüchtete auf Ukrainisch

Hilfe für Geflüchtete auf Ukrainisch

An welche Behörde muss ich mich als Flüchtling wenden?

Flüchtlinge aus der Ukraine müssen sich in Deutschland registrieren lassen. Dafür gibt es im Regierungsbezirk Oberfranken Anlaufstellen in den Ausländerbehörden der Landratsämter und in den Rathäusern der kreisfreien Städte Bamberg, Coburg, Bayreuth und Hof. Außerdem können sich Flüchtlinge im Regierungsbezirk Oberfranken auch an die ANKER-Einrichtung Oberfranken in Bamberg (Erlenweg 4, 96050 Bamberg) wenden. Dazu muss im Vorfeld per Mail (ukraine@reg-ofr.bayern.de) ein Termin vereinbart werden.

Nach der Registrierung kann ein Antrag auf Gewährung von Leistungen nach Asylbewerberleistungsgesetz gestellt werden. Zuständig für die Leistungen nach dem AsylbLG ist der örtliche Träger – also das Landratsamt oder die kreisfreie Stadt, dem der Asylbewerber zugewiesen wurde.

Die bayerische Staatsregierung hat zudem ein Hilfetelefon für Flüchtlinge eingerichtet, das auch Fragen zu Behördengängen beantwortet. Dieses ist erreichbar unter der Nummer +49 89/54497199.

Wo kann ich mich als Flüchtling gegen Corona impfen lassen?

Flüchtlinge können sich im örtlichen Impfzentrum impfen lassen. Jede kreisfreie Stadt und jeder Landkreis in Bayern hat ein Impfzentrum. Die Corona-Impfung ist nach Angaben der deutschen Bundesregierung für Geflüchtete aus der Ukraine kostenlos.

Was müssen ukrainische Flüchtlinge für eine Corona-Impfung beim Impfzentrum mitbringen?

Für die Impfung wird ein Identitätsnachweis benötigt, also etwa der Reisepass oder der Personalausweis. Falls nicht mehr vorhanden, kann auch eine Bestätigung einer Unterkunft oder einer Privatperson, die die Geflüchteten beherbergt, vorgelegt werden.

Wer gilt als geimpft?

Derzeit werden nur Impfungen mit in der EU-zugelassenen Impfstoffen anerkannt. Das heißt: Ukrainische Flüchtlinge, die bereits mit einem anderen Impfstoff (etwa Sinovac, Sinopharm, Sputnik) geimpft wurden, brauchen eine erneute Impfserie, um in der EU den Status als Geimpfte zu erlangen. Eine allgemeine Impfpflicht gibt es derzeit in Deutschland nicht. Ungeimpfte müssen allerdings je nach Infektionslage auch künftig mit unterschiedlichen Einschränkungen in der Öffentlichkeit rechnen.

Können ukrainische Flüchtlinge sich auch gegen andere Krankheiten impfen lassen?

Eine Corona-Impfung bei zeitgleicher Impfung mit Totimpfstoffen ist möglich. Bei einer Masernimpfung (Lebendimpfstoff) empfiehlt die STIKO einen zeitlichen Abstand von 14 Tagen.

Wo und wie kann ich Geld wechseln, Hrywnja/Griwna in Euro?

Der Umtausch von ukrainischem Geld, also Hrywnja/Griwna in Euro, ist derzeit nahezu unmöglich: Bei internationalen Geschäftsbanken gibt es keine Abnehmer, der Markt für die ukrainische Währung existiert nicht mehr.

Derzeit wird über eine europäische Lösung des Problems nachgedacht. US-Dollar oder polnische Zloty hingegen werden von der Reisebank getauscht, teilweise wird dabei auf Umtauschgebühren verzichtet – wie auch bei Geldtransfers per Western Union.

Kann ich als Flüchtling ein Konto eröffnen?

Ja. Beispielsweise bei den Sparkassen Bamberg oder Coburg-Lichtenfels. Ein Mindestbetrag für eine Kontoeröffnung ist nicht erforderlich, benötigt werden jedoch Reisepass, Personalausweis (Identity Card) oder ein Ersatzdokument.

Eine deutsche, auch vorläufige Adresse ist nötig; eine Flüchtlingsunterkunft kann als Anschrift nicht genutzt werden. Bürgen sind nicht erforderlich, Dolmetscher beim Beratungsgespräch aber wünschenswert.

Was ist, wenn ich als Ukrainer einen Autounfall habe?

Mögliche Kfz-Haftpflichtschäden, die mit unversicherten ukrainischen Autos verursacht werden, übernimmt vorübergehend bis 31. Mai 2022 die deutsche Versicherungswirtschaft. Die Regulierung erfolgt nach einer Meldung an das Büro Grüne Karte (www.gruene-karte.de).

Brauchen ukrainische Flüchtlinge eine Krankenversicherung?

Wer keine Auslandskrankenversicherung hat, sollte ein Schutzgesuch nach dem Asylbewerberleistungsgesetz stellen.

Liegt dieses vor, können Flüchtlinge beim Sozialamt (Landratsamt) pro Quartal einen Behandlungsschein beantragen und damit niedergelassene Ärzte aufsuchen. In medizinischen Notfällen erfolgt die Behandlung auch ohne Vorlage eines Behandlungsscheins.

Müssen ukrainische Kinder in die Schule?

Die Schulpflicht entsteht drei Monate nach Einreise. Die Anmeldung übernimmt das örtliche Schulamt, Details werden derzeit noch erarbeitet. Aber Schulen können Kinder bereits jetzt regulär aufnehmen. Außerdem sind sogenannte Willkommensgruppen geplant.

Ist der Besuch einer Kindertageseinrichtung möglich?

Ja, die Anmeldung erfolgt direkt bei der Kindertagesstätte. Die erforderlichen Formulare gibt es auf der Homepage oder direkt im Kindergarten. Nötige Dokumente zum Aufenthaltsstatus sind beim Ausländeramt zu erfragen. Deutsche oder englische Sprachkenntnisse seitens der Kinder sind nicht erforderlich.

Was tun mit Haustieren, die mitgebracht worden sind?

Wer Haustiere wie Hunde, Katzen, Hamster, Hasen oder Vögel dabei hat, sollte diese registrieren lassen - beim örtlichen Veterinäramt. Dort weiß man auch, welcher Tierarzt aufgesucht werden kann, damit das Haustier untersucht, gegen Tollwut geimpft und ein sogenannter EU-Heimtierausweis ausgestellt werden kann. So wird eine Quarantäne grundsätzlich nicht notwendig.

Außerdem sind derzeit in vielen Erstaufnahme-Einrichtungen für Flüchtlinge keine Haustiere erlaubt. Bitte richten Sie sich also darauf ein, dass Ihr Haustier zumindest zwischenzeitlich in einem örtlichen Tierheim untergebracht werden muss.

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