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Schriftsteller und Politiker
Jeffrey Archer: Ein Leben voller Wendungen und Bestseller
Bestseller-Autor Jeffrey Archer
Der britische Bestseller-Autor Jeffrey Archer ist tot. (Archivbild) // Ian West/PA Wire/dpa
Jeffrey Archer
Archer machte Karriere in der Politik - und scheiterte ebenso krachend. (Archivbild) // Pa/PA Wire/dpa
Jeffrey Archer
Weltweit wurden mehr als 300 Millionen Bücher des Autors verkauft. (Archivbild) // Pa/PA Wire/dpa
von dpa
London – Jeffrey Archers Leben war so aufregend wie seine Bücher, geprägt von Höhen und Tiefen. Der schillernde Autor verbrachte sogar zwei Jahre im Gefängnis - seiner Beliebtheit tat dies keinen Abbruch.
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Er war ein geborener Erzähler, der es mit unterhaltsamen Familiendramen, spannenden Intrigen und wenigen historischen Details schaffte, seine Leser in den Bann zu schlagen. Seine Bücher spielten oft im politischen Milieu oder in der Finanzwelt, allein der Weltbestseller «Kain und Abel» verkaufte sich mehr als 50 Millionen Mal. Am Montag starb Lord Jeffrey Archer im Alter von 86 Jahren - einen Tag vor dem Erscheinen seines letzten Werkes «Adam und Eva». Sein Leben selbst wirkt wie aus einem Roman entsprungen.

«Seine Lebensgeschichte war eine Geschichte voller Ehrgeiz, Macht, Geld und sexueller Intrigen, mit mehr unerwarteten Wendungen als einer seiner Romane», steht im Nachruf der britischen Zeitung «The Telegraph». Die «Times» schreibt: «Man könnte fast sagen, dass Jeffrey Archers Leben weitaus seltsamer war als jede Fiktion, doch die meisten seiner verhängnisvollen Erlebnisse wurden in seinen Bestseller-Romanen neu aufbereitet.»

Treffen mit Fans einen Tag vor seinem Tod

Archer starb «plötzlich und friedlich zu Hause», wie sein Verlag in einer Mitteilung erklärte, aus der britische Medien zitieren. Noch am Sonntag habe der frühere Parlamentsabgeordnete im Leicester Square Theatre im Zentrum Londons Hunderte von Fans getroffen und Bücher für sie signiert. Eine prominente, aber auch polarisierende Persönlichkeit war der Autor insbesondere in seiner Heimat Großbritannien.

Mit 34 Jahren hatte Archer, der seine Frau und zwei erwachsene Söhne hinterlässt, seinen ersten Roman geschrieben, der innerhalb eines Jahres in 17 Ländern veröffentlicht wurde. Das Debüt «Es ist nicht alles Gold, was glänzt» verkaufte sich knapp 30 Millionen Mal und bescherte ihm eine spektakuläre Karriere. Der Bestseller «Kain und Abel» handelt von zwei Männern, die beide am gleichen Tag geboren wurden – der eine hat alles, der andere nichts. Die Fortsetzung erzählt den Aufstieg von «Abels Tochter» zur ersten weiblichen Präsidentin der Vereinigten Staaten.

Der Vater ein verurteilter Betrüger

Schon Archers Kindheit in Somerset könnte aus einem seiner Romane stammen: Seine Mutter war die erste Reporterin des Lokalblatts und hatte bereits Tochter Wendy und Sohn Jeffrey zur Adoption freigegeben. Den nächsten Sohn nannte sie ebenfalls Jeffrey – den späteren Lord Jeffrey Archer. Er wurde am 15. April 1940 geboren und sie verwöhnte ihn sehr. Sein Vater war ein verurteilter Betrüger und Bigamist im Rentenalter, der während des Ersten Weltkriegs viele bekannte New Yorker hereingelegt hatte.

Archer wurde 1969 - ein Jahr nach seiner Hochzeit - einer der jüngsten konservativen Abgeordneten im britischen Parlament. Doch bereits fünf Jahre später stand der Politiker am Rande des Bankrotts und musste sein Mandat aufgeben, weil er seine gesamten Ersparnisse in eine betrügerische kanadische Reinigungsfirma investiert hatte. Seine Frau - eine Wissenschaftlerin - ernährte daraufhin die Familie mit zwei kleinen Kindern.

Um Geld zu verdienen, schrieb Archer, landete Bestseller und wurde zum Millionär. 1985 stieg er zum stellvertretenden Parteivorsitzenden der Konservativen auf, war einer von Margaret Thatchers Favoriten. Aber ein Jahr später musste er zurücktreten: Die Zeitung «Daily Star» berichtete, dass er einer Prostituierten 2.000 Britische Pfund gezahlt habe. Archer reichte Klage ein - erfolgreich. Der Richter sprach ihm die Rekordsumme von einer halben Million Pfund als Entschädigung zu, nachdem sich seine Frau im Zeugenstand für ihn eingesetzt hatte. Einige Jahre später wurde er in den Adelsstand erhoben und kandidierte als Oberbürgermeister von London für die Konservativen.

Trotz Haft: Ehefrau dachte nie an Scheidung

Doch die Vergangenheit holte ihn wieder ein, mitten im Wahlkampf: Das Skandalblatt «News of the World» grub einen Zeugen aus, den Archer überredet haben soll, in dem Gerichtsverfahren für ihn zu lügen. Nur Stunden bevor sich der Vorhang zur Premiere seines Bühnenstücks «The Accused» (deutsch: Der Angeklagte) öffnete, in dem Archer pikanterweise einen Mörder spielte, verpflichtete er sich, vor Gericht zu erscheinen. Ihm wurden Meineid und Behinderung der Justiz vorgeworfen; er wurde 2001 zu mehreren Jahren Gefängnis verurteilt.

Zwei davon saß er ab und machte seine Erfahrungen gleich wieder zu Geld: mit seinem dreiteiligen Gefängnistagebuch «A Prison Diary». Damit endete seine politische Karriere - aber nicht seine Ehe, obwohl er seiner Frau während der Haft die Scheidung angeboten hatte. «Ich gebe einfach nicht auf», sagte Dame Mary Archer vor einiger Zeit dem «Telegraph». Ob sie jemals daran gedacht habe? «Scheidung niemals, Mord - häufig.»

Zum Schreiben nach Mallorca

Sie lebten in einem Penthouse am Ufer der Themse mit Blick aufs Londoner Parlament, die Wochenenden verbrachten sie in einem Dorf in Cambridge und zum Schreiben zog sich Archer nach Mallorca zurück. Er stand dort um halb sechs Uhr morgens auf, schrieb in vier zweistündigen Blöcken über den Tag verteilt – und immer mit der Hand.

Noch mit knapp 80 Jahren begann er eine neue Serie, die «Warwick-Saga», über einen Streifenpolizisten, der alles daran setzt, Polizeichef zu werden und auf dem Weg Intrigen, Betrügern und Liebesgeheimnissen trotzt. «Ich glaube nicht, dass es Glück gibt. Blutige harte Arbeit ist das, was man dazu braucht», erklärte der Autor der indischen Fernsehstation «News 18» sein Erfolgsrezept. Allein für den Schmöker über ein russisches Wunderkind, «Traum des Lebens» (2018), benötigte er 16 Entwürfe. «Ich wünschte, es gäbe eine Abkürzung, aber es gibt keine.»

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