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Oscar-Chancen
Wird Hollywood 2027 zu Hüllerwood?
Kinostart - «Vaterland»
Der Film kommt am 03. September 2026 in die deutschen Kinos. // Agata Grzybowska/Neue Visionen Filmverleih/dpa
Filmfestival in Cannes
Hüller im Mai vor der Premiere von «Vaterland», der von der Kritik dann sehr gefeiert wurde. // Scott A Garfitt/Invision/AP/dpa
Sandra Hüller
Ihre Rollen sind eher ernst, oft nur auf den ersten Blick: Sandra Hüller. (Archivbild) // Felix Hörhager/dpa
Filmfestival in Cannes
Pawel Pawlikowski, Sandra Hüller und August Diehl vor dem Festivalpalast in Cannes. (Archivbild) // Scott A Garfitt/Invision/AP/dpa
Sandra Hüller und Ryan Gosling
Ryan Gosling ist angetan von Sandra Hüllers Humor. (Archivbild) // Evan Agostini/Invision/dpa
Sandra Hüller
Für «Rose» gewann sie den zweiten Silbernen Bären, den ersten gab es 2006 für «Requiem». (Archivbild) // Christoph Soeder/dpa
Kinostart - «Vaterland»
Sandra Hüller spielt Erika Mann im Film «Vaterland». // Agata Grzybowska/Neue Visionen Filmverleih/dpa
von dpa
Berlin – Eine neue Regel könnte Sandra Hüller bei den nächsten Oscars vier Nominierungen bescheren. Ihr neuer Film «Vaterland» zeigt, warum sie zu den Favoritinnen des Kinojahres zählt.
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Sandra Hüllers Gesicht ist auch deswegen für die Kinoleinwand gemacht, weil man manchmal genauer hinschauen muss, um zu sehen, was darin passiert. In ihrem neuen Film «Vaterland» (Kinostart 3.9.) spielt sie Erika Mann, die gerade erfahren hat, dass ihr geliebter Bruder Klaus sich das Leben genommen hat.

Sie bleibt erst einmal relativ regungslos, erlebt dann einen nächtlichen Gefühlsausbruch (der wird aber nur aus der Distanz gefilmt). Und hat am nächsten Morgen ihre Fassung äußerlich wieder zurück. Bis sie am Telefon, sie ist in Weimar, mit ihrer Mutter Katia in den USA spricht. 

Ihre Mutter fängt an, bürokratisch über den Tod ihres Sohns und die Formalitäten zu sprechen. Und die Augen von Erika, die sich sonst stets unter Kontrolle hält, füllen sich kurz mit Tränen.

Vier Oscar-Kandidaten

Die BBC nannte diese Szene nach der Premiere von «Vaterland» in Cannes einen «Oscar-Clip». Und prophezeite, dass Hüller bei der Verleihung kommenden März für vier Academy-Awards nominiert sein könnte. 

Bei der nächsten Zeremonie können Schauspielerinnen und Schauspieler wegen einer Regeländerung erstmals für mehrere Rollen in derselben Kategorie nominiert werden.

Und Hüller, so prophezeite es die BBC, könnte das mit ihren Hauptrollen in «Vaterland» und «Rose» sowie ihren Nebenrollen in «Der Astronaut - Project Hail Mary» und dem im Herbst startenden «Digger» gelingen. 

«Digger» ist der neue Film des mehrfachen Oscar-Preisträgers Alejandro González Iñárritu, über ihn ist noch nicht viel bekannt. Hüller spielt darin an der Seite von Tom Cruise.

Das sagt Sandra Hüller selbst zu den Oscar-Mutmaßungen

Befragt man Sandra Hüller - diesmal beim Interview zu ihrem Film «Ingeborg Bachmann - Jemand, der einmal ich war», der 2026 auch noch herausgekommen ist - zu den Spekulationen über ihre vier Oscar-Chancen, antwortet sie gewohnt trocken.

«Ja, das ist doch interessant», sagt sie der Deutschen Presse-Agentur. «Ob das passieren kann, ich bin gespannt. Also das, was da gesagt wird, ist ja, dass es zum ersten Mal sozusagen rein technisch möglich wäre. Das kann man ja einfach mal so zur Kenntnis nehmen.»

In Hollywood angekommen ist die 1978 in Suhl geborene Schauspielerin mit ihrer Oscar-Nominierung für «Anatomie eines Falls». Die Regisseurin des Films, Justine Triet, sagte der dpa 2023 in Cannes auf die Frage, was Hüller so besonders mache: «Sie hat etwas an sich. Sie ist undurchschaubar, sie ist komplex.»

Es ist Hüllers zurückhaltende und gleichzeitig vielsagende Emotionalität, die für Begeisterung sorgt. Und wenn sie in ihren Rollen dann doch mal die Fassung verliert, hat das eine umso stärkere Wirkung.

Ihr Wut-Monolog aus «Anatomie eines Falls» («You're not a victim...») wurde zu einem regelrechten Meme in den sozialen Medien. Einen eindrücklichen Wutausbruch gibt es auch in «Vaterland». Ein Nutzer auf der Film-App Letterboxd schrieb: «Sandra Hüllers wütende Schrei-Szenen nähren meine Seele auf eine Weise, wie es nichts anderes tut.»

Jemand anderes kommentierte «Vaterland» dort mit den Worten (im Original wie der andere Post auf Englisch): «Sandra Hüller ist in diesem Jahr die meistbeschäftigte Schauspielerin - sie hat sich den Oscar im nächsten Jahr verdient.» Der Kinostart von «Vaterland» (Regisseur: Paweł Pawlikowski) wird von Fans sehnsüchtig erwartet.

Ein zweiter «Oscar-Clip»

Schon im April startete «Rose», wie «Vaterland» ein Schwarz-Weiß-Film. Eine Szene aus Markus Schleinzers Film bezeichnete die BBC als zweiten «Oscar-Clip». Hüller verkörpert in dem Drama (das für Österreich ins Rennen um den sogenannten Auslands-Oscar geht) eine Frau, die sich im 17. Jahrhundert als Mann tarnt, um in einer Dorfgemeinschaft richtig respektiert zu werden. In einer mitreißenden Rede verteidigt sie sich an einer Stelle wütend gegen die verärgerten Dorfbewohner. Für die BBC «zweifellos» oscarwürdig.

Hüllers Rollen sind meistens eher ernst, aber sie spielt sie in einzelnen Momenten mit dezentem Humor. Selbst im zutiefst traurigen «Rose», das ihr im Winter bei der Berlinale den zweiten Silbernen Bären als beste Schauspielerin einbrachte. Ryan Gosling, ihr Co-Star in «Project Hail Mary», beschrieb sie als «lustigste Person, mit der ich je zusammengearbeitet habe».

Wie «Rose» ist «Vaterland» ein Film, der zu Tränen rühren kann. Regisseur 
Paweł Pawlikowski erzählt eine komplizierte, liebevolle Vater-Tochter-Geschichte und verknüpft sie mit einem Porträt über die deutsche Nachkriegszeit. Und trotzdem wird es manchmal sehr lustig, zum Beispiel, wenn Erika ihrem Vater Thomas Mann beim Auspacken seines Koffers ganz trocken vorwirft, er habe mehr Krempel als «die Dietrich».

«Sie sollten eine eigene Kategorie für Sandra Hüller erfinden»

Jonathan Glazer, mit dem Hüller das Holocaust-Drama «The Zone of Interest» drehte, sagte in Cannes einmal zu ihren Preischancen: «Sie sollten eine eigene Kategorie für Sandra Hüller erfinden.» Die BBC beschrieb ihr Spiel am Beispiel «Toni Erdmann» als scharfsinnig, mit einer spröden Würde und einem Funken wissenden Humors, «und Strömen aus Schmerz und Wut, die diese Würde durchbrechen, wenn man es am wenigsten erwartet».

Die Oscar-Academy ist in den vergangenen Jahren internationaler und diverser geworden, was vielleicht ein wenig erklärt, warum Sandra Hüller nach Jahrzehnten einer Schauspielkarriere im deutschsprachigen Raum auch in Hollywood Erfolg hat.

Die Gründe findet man andererseits auch einfach auf der Leinwand. Wir sind wieder mit Erika Mann am Telefon. Für eine Sekunde flackern in Hüllers Gesicht Verzweiflung und Trauer auf. «Mama», stammelt sie, in der Hoffnung, ihrer Mutter kurz eine authentische Gefühlsregung zu entlocken. Dann bricht die Telefonverbindung ab. Und schon hat sich Erika wieder unter Kontrolle.

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