Haßfurt
Bezahlt von fremden Konten
Erinnert wohl eher zufällig ein wenig an „schwedische Gardinen“: das Amtsgericht in Haßfurt.Martin Schweiger
Erinnert wohl eher zufällig ein wenig an „schwedische Gardinen“: das Amtsgericht in Haßfurt.Martin Schweiger // 
Haßfurt

Schmuck, Uhren und Kleider von Luxusherstellern im Wert von weit über 32.000 Euro hat ein 20-Jähriger aus dem Landkreis im Internet bestellt. Bezahlt hat er mit fremden Paypal-Konten. Die Daten hatte er zuvor ebenfalls im Internet gekauft.

Die meisten der Bestellungen wurden von den Konto-Inhabern storniert, oder Paypal machte die Zahlungen rückgängig. Unter dem Strich blieb immerhin ein Schaden von knapp 2500 Euro.

Jetzt musste sich der junge Mann am Jugendschöffengericht des Amtsgerichts wegen Computerbetrugs in 24 Fällen, sowie der Fälschung und des Ausspähens von Daten verantworten. Der nicht vorbestrafte Angeklagte kam glimpflich davon.

Gemeinnützige Arbeit

Das Gericht erteilte Auflagen nach Jugendrecht. Der 20-Jährige muss 80 Stunden gemeinnützige Arbeit leisten, 1200 Euro an die Jugendhilfe Bamberg zahlen und steht für zehn Monate unter Betreuung. Zudem verhängte das Gericht die Einziehung von Wertersatz in Höhe von knapp 2500 Euro.

Auf die Schliche kam die Polizei dem Angeklagten durch eine Anzeige eines Geschädigten in Füssen. Diesem wurde von seinem Paypal-Konto Geld für Tabakprodukte abgebucht, die er nie bestellt hatte. Der Angeklagte hatte es auf den Namen des Geschädigten bestellt und die Ware an ein leerstehendes Haus im Landkreis Haßberge liefern lassen.

Dabei ging der Angeklagte jedoch äußerst unprofessionell vor. Denn er benutzte bei seinen Taten sein eigenes E-Mail-Konto und seine eigene Wohnadresse. „Es gibt professionellere Betrüger“, sagte der ermittelnde Beamte der Polizeinspektion Haßfurt im Zeugenstand.

Bei einer Hausdurchsuchung beschlagnahmten die Beamten einen Rechner und das Mobiltelefon des Angeklagten sowie Kleider, Uhren und weitere Gegenstände.

„Ich weiß nicht, was ich damit machen wollte“, gab der Angeklagte zu Protokoll. Auslöser für die Taten sei ein Telegram-Chat gewesen. Dabei habe er Daten der später Geschädigten erhalten. Er sei zur Tatzeit vor rund zwei Jahren sozial isoliert gewesen. „Es war eine Sucht für mich“, gestand er ein. Er habe durch die Taten Erfolgserlebnisse gehabt und damit angegeben.

Das Leben geändert

Mittlerweile habe er sein Leben geändert. Er treibe Sport und habe soziale Kontakte. Ein Grund für die Änderung war wohl die Hausdurchsuchung, die die Familie schockiert habe, wie die Jugendgerichtshelferin betonte.

Der Angeklagte habe den Ermittlern viel Arbeit bereitet, sagte die Vorsitzende Richterin Ursula Redler. Die Ermittlungsakte ist mit über 1500 Seiten gefüllt.

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