Es war ein Abend voller Wehmut, aber vor allem voller lauter, ehrlicher Livemusik. Unter dem Motto „Happy Hobo“ lud der Kulturverein Schottersmühle zum allerletzten Sommer-Open-Air im idyllischen Mühlenhof ein. Es war das emotionale Highlight des Jahres und gleichzeitig der Abschied des Vereins von seiner Spielstätte.
Nach knapp drei Jahren seines Bestehens wird der rund 30 Mitglieder starke Kulturverein im kommenden September offiziell aufgelöst. Der Grund für das schnelle Aus ist existenzieller Natur: Die geschichtsträchtige Schottersmühle steht zum Verkauf.
Einer der drei Mitbesitzer steigt aus privaten Gründen aus dem Projekt aus. „Wir können ihn nicht auslösen“, erklärt Mitbesitzerin und Vereinschefin Lisa Weniger sichtlich berührt. Damit meint sie sich selbst und ihren Ehemann, die die Mühle mit dem Mitbesitzer zu dritt betrieben.
Verkauf ist geplant
Die Verkaufserlösvorstellung der Eigentümergemeinschaft liegt bei einer Dreiviertelmillion Euro. Erste Interessenten für das historische Anwesen gibt es den Angaben zufolge zwar bereits, konkrete Verkaufsverhandlungen stehen allerdings noch aus.
Für Lisa Weniger geht damit ein Herzensprojekt zu Ende. Es habe ihr immer unheimlich viel Freude bereitet, die alten Mauern der Mühle wieder mit Kultur und Leben zu erfüllen. „Wir bedauern es alle sehr, dass wir die Schottersmühle nun verkaufen müssen“, betont Weniger stellvertretend für die Betreiber und den Verein. Über knapp drei Jahre hinweg war die Mühle ein Ankerpunkt für die Kulturszene in der Fränkischen Schweiz – ein Ort, an dem Kunst, Musik und Natur auf einzigartige Weise verschmolzen.
Dabei blickt das romantisch im oberen Wiesenttal zwischen Waischenfeld und Behringersmühle gelegene Anwesen auf eine lange Geschichte zurück: Die Schottersmühle feierte 2017 ihr 650-jähriges Bestehen. Mündliche Überlieferungen besagen, dass das Gebäude, das früher auch Schauders- oder Schattenmühle genannt wurde, 1367 erstmals urkundlich erwähnt wurde.
Zwar ist dieser Nachweis bis heute unauffindbar, da das Gößweinsteiner Pfarrarchiv in den Wirren vergangener Kriege weitgehend vernichtet wurde, doch schon der Schriftsteller August Sieghardt, der oft hier zu Gast war und Gedichte über die Mühle verfasste, schätzte das Alter in Schriften von 1925 und 1952 auf rund 600 Jahre.
Geschichte erforscht
Lückenlos erforscht ist die Geschichte dank der Historikerin Helga Seidel-Rüfer und ihres verstorbenen Manns Walter ab dem Jahr 1599. Damals heiratete eine Margaretha Sebald von der „Schädersmühl“ auf Burg Rabeneck. Die Familie Sebald prägte über drei Generationen die Mühle – unter wechselnden Schreibweisen wie „Sottersmühl“, bis die Ära im Jahr 1708 mit dem tragischen Selbstmord des Müllers Johann Sebald endete. 1791 kaufte Georg Persau das Anwesen für seinen Sohn. Die hugenottische Familie war Ende des 17. Jahrhunderts aus Frankreich eingewandert und holte später ihren ursprünglichen Namen Bergeat zurück.
Über fünf Generationen trotzte die Familie schweren Schicksalsschlägen: Als ein junger Mühlenbesitzer mit nur 32 Jahren verstarb, musste seine Witwe eilig den Alkoholiker Johann Stengel heiraten.
Das Potenzial erkannt
Dieser sorgte zwar für reichlich internen Ärger, bewies aber Geschäftssinn, als im Jahr 1868 die Straße zwischen Doos und Behringersmühle direkt am Haus vorbeigebaut wurde. Stengel erkannte das Potenzial der Reisenden und erwarb 1869 die Konzession zum Ausschank von Getränken und Speisen – die Geburtsstunde des heutigen Gasthauses.
Dieses reiche Erbe wurde bereits in der Vergangenheit von früheren Pächtern wie Heidi Schramm-Krause und ihrem Mann Achim mit einem großen Jubiläumsjahr zugunsten lokaler Kindergärten gewürdigt, bei dem auch der damalige Wiesenttaler Bürgermeister Helmut Taut das Gemeindewappen für die Gaststube überreichte. Wie tief die Schottersmühle bis heute in der Region verwurzelt ist, zeigte der immense Andrang beim Abschiedsfest des Kulturvereins.
Wo sonst Wanderer im Biergarten entspannten, drängten sich die Fans vor der Open-Air-Bühne. Drei hochkarätige Bands – allesamt alte Bekannte und Publikumslieblinge – sorgten für die passende Stimmung. Die „Redemption Brothers“ und das „Sunday Morning Orchestra“ heizten den Hof mit Blues und Lofi-Garage-Jazz an, bevor „The Rockin‘ Lafayettes“ mit rauem Rockabilly-Sound die geschichtsträchtigen Mauern ein letztes Mal zum Beben brachten.
Als gegen Mitternacht die letzten Töne verklangen, blieb ein lang anhaltender Applaus für die Macher hinter den Kulissen. Nach dem bereits erfolgten Abschluss des Café- und Biergartenbetriebs Ende Juni setzte dieses Festival nun den Schlusspunkt.
Wie es mit dem historischen Gebäude im Wiesenttal nach dem geplanten Verkauf weitergeht, steht in den Sternen. Das finale Open Air bewies jedoch: Der Kulturverein verabschiedet sich erhobenen Hauptes – eben ganz wie ein „Happy Hobo“.










