Das 950. Jubiläum des Marktes Gößweinstein hat einen kulturellen Höhepunkt erfahren: Unter dem Titel „Aus der Ortsgeschichte Gößweinsteins – Vier Szenen. Eine Geschichte“ feierte ein eigens inszeniertes Historienstück im idyllischen Pfarrgarten eine umjubelte Premiere. Das von dem Regionalexperten Anton „Toni“ Eckert konzipierte Freilichttheater zog rund 200 begeisterte Gäste in seinen Bann.
Der neue Gößweinsteiner Bürgermeister Georg Rodler zeigte sich bei der Eröffnung sichtlich bewegt. Er begrüßte die Premierenbesucher mit den Worten: „Was für eine Ehre, was für eine große Begeisterung!“ Das Stück biete die perfekte Gelegenheit, auch auf humorvolle Weise in die 950-jährige Geschichte des Ortes einzutauchen.
Auch der Forchheimer Landrat Hanngörg Zimmermann fand lobende Worte für das Kulturprojekt. Als damaliger Gößweinsteiner Bürgermeister hatte er die Initialzündung für das Projekt gegeben. Zimmermann betonte rückblickend, dass die Idee damals ganz schnell aufgenommen wurde, die reiche Geschichte von Gößweinstein in einem Theaterstück darzustellen. Für die Umsetzung habe es von Anfang an eine Ideallösung gegeben: „Toni“ Eckert.
Zimmermann hatte noch eine erfreuliche Nachricht im Gepäck. Er überbrachte die Grüße des Regierungspräsidenten Florian Luderschmid. Dieser hatte angekündigt, dass die Oberfrankenstiftung dieses besondere lokale Kulturprojekt mit einer Summe von 2000 Euro finanziell fördert. Großzügige Unterstützung erhielt das Mammutprojekt zudem von der Sparkassenstiftung.
Die Bühnentechnik
Für den reibungslosen Ablauf hinter den Kulissen sorgte ein weiterer lokaler Partner: Die professionelle Bühnentechnik wurde vom Faschingsverein Narrenkübel Gößweinstein gestellt.
Die Laienschauspielgruppe brachte die wechselvolle, fast ein Jahrtausend umspannende Chronik des Ortes in vier markanten Episoden auf die Bühne. Als roter Faden durch den Abend fungierte dabei Daniela Drummer, die als Erzählerin charmant und kundig durch die Epochen führte.
Der Investiturstreit: Die schauspielerische Reise begann im Mittelalter mit der geschichtlich verbrieften Ersterwähnung Gößweinsteins inmitten des historischen Machtkampfs zwischen Kaiser und Papst.
Der Bauernkrieg: Dramatisch und emotional wurde es in der zweiten Szene, die das Schicksal der Regina von Königsfeld während der sozialen und kriegerischen Unruhen des 16. Jahrhunderts beleuchtete.
Der Basilikabau: Der dritte Akt widmete sich dem monumentalen barocken Neubau der berühmten Basilika im 18. Jahrhundert unter dem unermüdlichen Antreiben von Pfarrer Eberhard Dippold. Für dieses spezielle Kapitel stammte das Drehbuch aus der Feder von Gisela Wohlhöfner-Saam.
Der fürstliche Besuch: Für humorvolle Erleichterung zum Finale sorgte die historische Episode rund um den exzentrischen Fürsten Hermann von Pückler-Muskau, dessen Stippvisite in Gößweinstein die Lachmuskeln des Publikums forderte.
Michael Graul glänzt
Schauspielerisch glänzte vor allem ein wahrer Verwandlungskünstler: Michael Graul aus Ebermannstadt meisterte bravourös gleich vier anspruchsvolle Hauptrollen des Abends. Er verkörperte nacheinander den Grafen Goszwin, den Amtmann Hans von Künsberg, Pfarrer Johann Eberhardus Dippold und schließlich den Fürsten Hermann Pückler-Muskau.
Ein vertrautes Gesicht stand ihm in nichts nach: Der Basilika-Organist Georg Schäffner bewies großes schauspielerisches Talent und glänzte in seiner Rolle als Revisor Vogl vom Bistum Bamberg.
Das harmonische und spielfreudige Ensemble wurde komplettiert durch Lorenz Eberlein, Horst Vogel, Helga Kuplich-Schramm, Margit Längenfelder, Alexander Trautner, Thomas Müller und Johanna Söllner. Die Inszenierung lebte nicht nur von der Textsicherheit der Amateurschauspieler, sondern auch von einer geschickten szenischen Verknüpfung.
Die Pausen zwischen den Epochen wurden von der Barocktanzgruppe Gößweinstein unter der Leitung von Daniela Drummer ästhetisch überbrückt. In historisch akkuraten, prächtigen Kostümen entführten die Tänzerinnen und Tänzer das Publikum auch visuell in die jeweilige Epoche.
Die Kulisse des Pfarrgartens direkt im Schatten der imposanten Basilika bot dafür den perfekten, intimen Rahmen. Der lang anhaltende Applaus am Ende der Premiere machte deutlich, dass dieses Theaterprojekt einen Nerv getroffen hat.










