„Erfahrung trifft Neugier“ heißt das Generationenprojekt an der Alten Schäferei Ahorn, dass 20 Studierende der Hochschule Coburg gemeinsam mit Ehrenamtlichen „Ü 60“ in vier Sparten Bauen, Essen, Kräuter, Wald entwickelt haben. Der Abschluss des Projekts nebst Auftrag, entsprechende Förderanträge zu formulieren, ist für die jungen Leute zugleich der Bachelor „Soziale Arbeit“.
Bei der Abschlusspräsentation in der Alten Schäferei sind nur drei Studierende gekommen. „Es ist Prüfungszeit, und da büffeln die meisten lieber“, entschuldigt Professorin Veronika Hammer von der Fakultät Soziale Arbeit das Fehlen. Gemeinsam mit Professor Christian Holtorf, ebenfalls von der Fakultät, und mit Christ Loos, Museumsleiterin, hat sie dieses Semester in Aufgabenstellung und Umsetzung entwickelt und begleitet.
Großes Interesse von Außen
Das Interesse an diesem Projekt, das langfristig angelegt ist, ist außerordentlich groß. Die Volkshochschule Kronach ist ebenso vertreten, wie das Kuratorium „Altern gestalten“, das Museumsnetzwerk Süd aus Thüringen und natürlich der Landkreis in Person des Vizelandrats Martin Stingl. „Projekte mit Modellcharakter“, davon ist Hammer überzeugt. Mit viel Knowhow, Erfahrungen, kreative Ideen, Engagement und Leidenschaft, lobt die Professorin sowohl die Studierenden als auch die Ehrenamtlichen. „Ihr seid in der Alten Schäferei ein tolles Team. Wenn ich in Pension gehe, könnte ich mir eine Mitarbeit hier sehr gut vorstellen.“
Eigentlich hatte sich Bisan Asadi sein letztes Semester im Vertiefungsmodel „Kunst und Kultur in der Sozialen Arbeit“ ganz anders vorgestellt: Vorlesungen, Seminare, Gruppenarbeit. Was ihn wirklich erwartet hat, das war dann viel mehr. „Die Zusammenarbeit mit den Ehrenamtlichen und die vielen Gespräche haben so viel Spaß gemacht und waren so reich an Erfahrung, Begegnung, Kommunikation und Austausch“, sagt er mit Begeisterung.
Bisan gehört zum Workshop-Team Gemeinschaftsküche und hat mit den anderen ein freies Konzept entwickelt, wo sich jeder einbringen kann. Die anderen drei Workshops widmeten sich den Themen Lehmofenbau „Leb’ Dein Lehm“, „Wald Naturrundweg ab in die Natur“ und Kräuter über Generationen. Karin Loos ist eine der Ehrenamtlichen in der Alten Schäferei und im Wald-Team mit unterwegs gewesen. „Die jungen Leute waren begeistert und an allem interessiert – eine schöne Erfahrung. Und wenn etwas Nachhaltiges entsteht, dann umso besser.“ Gleiche Erfahrunen haben auch Stefan Schneider im Lehmbau-Workshop oder Manuela Behr in der Kräuter-Gruppe gemacht.
Ziel: Förderer finden
Ziel sei es gewesen, erklärt Veronika Hammer, antragsreife Förderprojektideen zu erarbeiten – auf gleicher Augenhöhe und für alle Generationen. „Aus solchen Begegnungen mit Alltagskunst und Kultur entstehen Resonanzen, die in Zeiten hoher Einsamkeit an Gewinn und ein Impuls für mehr Menschlichkeit sind.“ Die formulierten Drittmittelanträge an solche potenzielle Stiftungen, wie die Heidehof-Stiftung, die Niederfüllbacher , die Oberfranken-Stiftung oder die Raps-Stiftung, werden als Bachelor-Arbeit bewertet.
Die Beschäftigung mit Kunst und Kultur im Alltag, sagt Chris Loos, habe in Anbetracht des demografischen Wandels und im demografischen Miteinander systemrelevante Bedeutung. Gerade die Verbindung aus sozialer und kultureller Teilhabe, Generationen übergreifendem Lernen, konkreter Projektentwicklung und möglicher Fördermittelakquise mache den besonderen Modellcharakter des Vorhabens aus. In lang bewährter Tradition, so Loss weiter, habe die Kooperation mit der Hochschule einmal mehr ein ganz besonderes Projekt entstehen lassen, dass weit in die Zukunft reiche.
Vizelandrat Martin Stingl nennt es „denk-mal und denk-weiter“: „Hier in der Alten Schäferei wird nicht linientreu und standardisiert gedacht, sondern aus vielen Blickwinkeln äußerst kreativ.“ Er hebt neben der Projektarbeit auch deren Umsetzbarkeit hervor. Und selbst vor dem Hintergrund klammer kommunaler Kassen, erklärt Stingl, habe er noch nie erlebt, dass ein Fördermittelbescheid nicht gegriffen habe, nur weil der kommunale Eigenanteil nicht geleistet werden konnte. Das macht Hoffnung für die Realisierbarkeit für die Projektergebnisse aller vier Workshops. Veronika Hammer will noch nicht vorgreifen. Aber, sagt sie, dass was sie bisher an Abschlussarbeiten auf dem Tisch hat, sieht beim ersten groben Drüberlesen sehr vielversprechend aus.
Der Student Christian Schober hat es in einer WhatsApp-Nachricht so formuliert: „Ich denke, so muss Museum sein: im Miteinander und auf Augenhöhe, eben so, dass Museum als Gestaltungsraum für alle verstanden werden kann.“
Ganz im Sinne des von Veronika Hammer als Dankeschön mitgebrachten Hochschultropfens mit Namen „Wissensdurstig“ soll es in der Zusammenarbeit Alte Schäferei und Hochschule weitergehen. Für das Wintersemester ist eine Kooperation zwischen den Landschaftsentdeckern und den Studierenden des Studiengangs „Bauerhalt und traditionelle Werktechniken“ zum Thema „Bauen mit heimischen Materialien“ geplant. Auch diese Zusammenarbeit wird geneartionenübergreifend ausgelegt sein.









