Der Regen und die etwas angenehmeren Temperaturen lassen die Natur richtig aufleben. Endlich kann man nach der tropischen Hitze wieder besser durchatmen. Leider sind die Blätter der Himbeeren zum Teil von der gleißenden Sonne schon richtig verbrannt. Auch viele Früchte der Beerensträucher haben sehr gelitten. So wurden besonders schwarze Johannisbeeren bei der fast unerträglichen Hitze förmlich „gekocht“ und damit ungenießbar. Den Stachelbeeren hat die Hitze weniger ausgemacht. Wild leben sie nämlich mehr auf sonnigen Standorten. Anders ist dies bei den Himbeeren. Diese sind Waldlichtungspflanzen, die nicht zu viel Sonne vertragen können. Johannisbeeren kommen aus dem Auenwald mit hohem Grundwasserstand.
Laubbäume verwandeln im Sommer Gärten zu grünen Oasen. Sie filtern die Luft, binden Schadstoffe, geben Schatten und Kühlung an heißen Tagen. Für viele ist es einfach erquickend, im Garten unter einem großen Apfel- oder Süßkirschenbaum zu sitzen. Ein Sonnenschirm kann das Wohlfühlklima, das ein Baum erzeugt, nicht ersetzen. „Ohne meinen Hausbaum wär's bei der Hitze draußen nicht auszuhalten“, bestätigt ein Gartenbesitzer.
Die Ordnung in der Natur ist so kompliziert, dass viele sie für Unordnung halten. Jeder Eingriff in die Naturzusammenhänge muss genau abgewogen werden. Das Geheimnis der Schönheit alter Gärten und Parks ist durch den durchdachten und geringeren Pflegeeinsatz zu erklären. Vielfältige Gärten mit einem Teil heimischer Pflanzen und einer natürlichen Ordnung können Oasen und Rückzugsgebiete für viele Arten sein. Zu einem biologisch bewirtschaftet Garten gehören auch ein paar Blattläuse. Sonst wäre etwas nicht in Ordnung. Man muss einfach abwarten können und Vertrauen in den natürlichen Mechanismus haben. Auch wenn die Blattläuse nur mit Neutralseife und Spiritus vernichtet werden, stört es das Gleichgewicht. Das weiche Wasser verstopft die Atemröhren der Insekten. Aber auch das große Heer von Nützlingen wie Marienkäfer- oder Florfliegenlarven, die sich von Blattläusen ernähren, sind betroffen. Anschließend können sich die Blattläuse wieder umso schneller vermehren, da sie dann ungestört sind.
Kaum einem Hobbygärtner ist bewusst, dass viele Blumen nur zu einer bestimmten Zeit ihre Blüten öffnen oder ihren Nektar für die Insekten freigeben. Am auffälligsten ist dies bei der Nachtkerze zu beobachten. Sie entfaltet zwischen 6 und 7 Uhr in der Dämmerung ruckartig für eine Nacht ihre Blüten. Man könnte sogar eine „Pflanzenuhr“ anfertigen. So schließen die Kartoffeln und die Wegwarten ihre Blüten um 3 Uhr am Nachmittag. Die Ringelblumen etwa um 4 bis 5 Uhr. Die Bienen und andere Insekten haben sich darauf eingestellt. Somit erstrecken sich die Nahrungsquellen in die Länge und werden nicht auf einmal angeboten. Somit ist der Tisch für die Insekten, die Nektar sammeln, immer gedeckt. Sogar für die Nachtschwärmer wird ein reichhaltiges Angebot an Blüten bereitgestellt.
Die Blütenblätter der Nachtkerze öffnen sich erst am Abend und strömen die ganze Nacht über einen betörenden Duft aus. In der Frühe verwelkt die Blüte. Es werden aber immer wieder neue nachgeschoben. Bei den Nachtkerzen handelt es sich um zweijährige Pflanzen. Im ersten Jahr bilden sie nur Rosetten und im zweiten Blüten. Die Wurzeln sind eine Delikatesse. Aber im zweiten Jahr, wenn die Blüten kommen, werden sie ungenießbar. Das ist genauso wie bei den Möhren.
Wenn sich in der Frühe die Blüten der Nachtkerze schließen, entfalten sich die der Trichterwinde. Diese gehört mit zu den schönsten einjährigen Rankgewächsen. Es gibt die Trichterwinden in vielen Farben, angefangen von himmelblau bis dunkelrot. Sie wachsen gern an Zäunen und lassen auch Sträucher im Sommer erblühen. Wenn die Sonne am höchsten steht, sterben die Blüten schon wieder ab. Es werden aber ständig bis in den Herbst hinein neue nachgeschoben. So sorgt die Natur für einen kontinuierlichen Ausgleich. Sommerranken wie auch die Schwarzäugige Susanne oder die Glockenrebe bringen Vielfalt in den Garten.
Chinakohl wird stets im Spätsommer angebaut, da er nur bei abnehmender Tageslänge Köpfe bilden kann. Für die Aussaat steht nur eine kurze Zeitspanne zur Verfügung. Diese liegt bei der Direktaussaat oder Anzucht in Schalen zwischen Mitte Juli und Anfang August. Die Pflanzung ist aber noch bis etwa zum 20. August möglich. Chinakohl kann in einer relativ kurzen Zeit bis zu zwei Kilogramm schwere Köpfe bilden. Dies sollte beim Pflanzabstand beachtet werden. Bei der Fruchtfolge ist immer die Verwandtschaft zu anderen Kohlarten berücksichtigen.
Bei der himmelblauen Wegwarte handelt es sich um eine sehr alte Heilpflanze. Sie wird auch wilde Zichorie genannt. Wegen ihrer sehr tiefen Wurzeln kann sie auf extremsten Standorten wie im Schotter am Wegrand gedeihen. Die Blüten der Gemeinen Wegwarte öffnen sich etwa um 6 Uhr und schließen sich schon gegen 13 Uhr wieder. Aus den Wurzeln wird seit dem 17. Jahrhundert Zichorie hergestellt, der als Kaffeeersatz diente. Auch heute wird er getrunken, wenn man Leber und Galle etwas gutes Tun möchte. Die Wegwarte ist auch zum Räuchern gut geeignet. Sie soll Fesseln sprengen, Heilung von seelischen Wunden bringen und gegen Depressionen helfen. Als Tee wird die Pflanze bei Gallensteinbeschwerden eingesetzt.
Die zarten Blätter der Wegwarte eignen sich als Grundlage für Salate. Später können diese gut zu Spinat, Suppen und Saucen verwendet werden „Schon von der Kinderzeit an faszinieren mich die blauen Blüten der Wegwarte, sie sind so einzigartig und haben eine besondere Schönheit. Man kann auch Samen einsammeln und woanders aussäen. Sogar meine Landschildkröten lieben die Blätter der Wegwarte“, schreibt eine Gartenfreundin. Eine alte Sage beschreibt die Wegwarte als die blauen Augen eines verwandelten Burgfräuleins, das am Wege vergeblich auf die Rückkehr ihres Geliebten vom Kreuzzug in das Heilige Land wartet.
Der Spitzwegerich hat sehr aromatische Blätter. Man sollte die zartesten Blätter in der Rosettenmitte ernten. Sie bilden eine gute Grundlage für Salate und Gemüse. Man kocht den Spitzwegerich auch gern als Spinat und verarbeitet diesen in Omeletts oder Rühreier. Sogar an den zarten Blütenknospen kann geknabbert werden. Sie schmecken wie Pilze. „Blätter klein schneiden und mit Honig mischen und ein paar Tage stehen lassen. Den Saft abgießen, in ein Schraubglas geben und im Kühlschrank bis zum nächsten Husten aufbewahren. Es gibt keinen besseren Hustensaft, selbst akute Bronchitis bessert sich schnell“, rät eine Gartenfreundin. Jetzt schon fängt der Rainfarn zu blühen an. Er zählt zu den Kompasspflanzen, die ihre Blätter im vollen Sonnenlicht aufrichten. Der Rainfarn ist eine traditionelle Pflanze in den Kräuterbuschen an Maria Himmelfahrt am 15 August. Ob dann heuer einige dieser Blumen noch blühen, ist sehr fraglich. Rainfarn wird oft als Wurmkraut bezeichnet, weil er früher zur Entwurmung von Wiederkäuern eingesetzt wurde. Was besonders gut funktioniert, ist die Insekten abwehrende Wirkung.
„Ich hänge einen getrockneten Strauß in den Hühnerstall, um Milben abzuhalten. Und in der Speisekammer hilft der Geruch des Rainfarns, die Lebensmittelmotten fernzuhalten. Man kann auch ein paar Kissen mit Rainfarn gefüllt in den Kleiderschrank legen, um Kleidermotten abzuwehren“, berichtet eine Hobbygärtnerin. Die wichtigste Arbeit im Hobbygemüseanbau ist das zeitige Hacken. Es reicht, dies mit einem scharfen Messer an einer Ziehhacke oberflächlich zu machen. Von meinem Vater, der eine Forstbaumschule besaß, stammt der Ausspruch: „Das Unkraut muss bekämpft werden, bevor es zu sehen ist“. Das obligatorische mühsame und sehr aufwendige Jäten wird damit überflüssig. Außerdem macht das Hacken Spaß und schont das Kreuz. Man kann bei diesem Arbeitsgang auch bestimmte Pflanzen gleichzeitig anhäufeln, um deren Standfestigkeit zu sichern. Wenn durch das Hacken der Boden ständig krümelig ist kann zudem die Feuchtigkeit nicht so schnell verdunsten. Bei einer solchen Behandlung in der Hauptwachstumszeit hat man später nur die beglückende Arbeit, biologisch sehr hochwertiges Gemüse sowie Salate zu ernten.











