„Ist Weihnachten ein Märchen? Fake News in der Weihnachtsgeschichte“ So lautete der provokante Titel der Bildungsveranstaltung, mit der die KAB Pressig im Pfarrheim dem Wesentlichen der neutestamentlichen Erzählung der Geburt Jesu auf die Spur kommen wollte.
Fast jeder hat die Geschichte im Ohr: Herbergssuche, Geburt im Stall, das Kind in der Krippe, Engel, Hirten. Die Podiumsdiskussion eröffneten die Sänger der Sängergruppe des FC Hirschfeld deshalb musikalisch mit der „Herbergssuche“. Was davon sind historisch belastbare Fakten? Was davon stimmt? Und was bedeutet es für den Glauben, wenn sich Einzelheiten nicht als Tatsachen im wissenschaftlichen Sinn entpuppen?
Werner Löffler von der KAB Pressig übernahm die Rolle des Forschers, der unvoreingenommen nach dem Faktengehalt sucht. Sein Gegenüber war Detlef Pötzl, Leitender Pfarrer im Seelsorgebereich Frankenwald, und dafür zuständig, die Bedeutung der Einzelheiten für den Glauben herauszuarbeiten. Moderiert wurde die Veranstaltung vom Journalisten und Diplomtheologen Stefan Hoffmann. Das Ziel: Nicht das „gute Geschirr“ des Weihnachtsglaubens zu zerdeppern, sondern die einzelnen Stücke aus dem Schrank zu holen und genau zu betrachten und ihre Bedeutung zu würdigen.
Insgesamt hatte Löffler viele verschiedene Themenbereiche vorbereitet, die jeweils der Akkordeonist Joachim Schirmer mit einem bekannten Lied einleitete: Wer waren Maria und Joseph? Ist Jesus am 24. Dezember geboren? Was ist mit dem übrigen „Personal“ der Krippe: Engel, Hirten, Ochs, Esel?
Das Ergebnis: Was man heute unter „Faktenlage“ versteht, ist in der biblischen Weihnachtsgeschichte eher dünn. Ein Beispiel: Die exegetische Forschung ist sich heute sicher, dass Jesus nicht in Bethlehem zur Welt kam, sondern in Nazareth: Allein der über hundert Kilometer weite, strapaziöse Weg von Galiläa nach Bethlehem, das nahe bei Jerusalem liegt, wäre für eine Hochschwangere unmöglich zu bewältigen gewesen.
Der Evangelist Lukas lässt das Geschehen aber in Bethlehem stattfinden, weil Bethlehem die Stadt Davids ist und dieser überaus renommierte König aus dem Alten Testament als Vorfahre Jesu dessen Rang und die Bedeutung unterstreichen sollte. Das bedeutet nicht, dass Lukas mogelt. Dieses Verfahren war in der antiken Geschichtsschreibung gang und gäbe, denn anders als heute dachte man damals nicht von den Fakten, sondern von den Akteuren her. Nur über bedeutende Persönlichkeiten und ihre Wirkung wurde geschrieben, und man suchte nach Episoden und Anekdoten, um ihre Bedeutung zu unterstreichen.
Pötzl unterstrich in seiner Einordnung der Fakten aus der Perspektive des Glaubens, dass es für uns heute nicht darauf ankommt, wo genau Jesus zur Welt gekommen ist. Entscheidend sei, dass er zu den Menschen gekommen ist und dass er ihnen etwas vorgelebt und ein Gottesbild vermittelt hat, das durch alle Zeiten seine Bedeutung beweist. Die Weihnachtsgeschichte sei wie ein reich geschmücktes Schatzkästchen, aber nicht selbst der Schatz. Der Schatz sei Jesus, seine Ankündigung des Reichs Gottes, seine Hinwendung zu denen, die auf der Strecke bleiben und deren Schicksal er bis zum Äußersten geteilt hat. Und dieser Schatz lasse sich nur heben, wenn man bereit sei, mit ihm, dessen Geburt wir feiern, in Beziehung zu treten. hs









