Die Erkenntnis aus den letzten zehn Jahren ist erdrückend: Die Sommer in unseren Gefilden werden immer wärmer. Da macht auch das Jahr 2026 keine Ausnahme: Der Juni war bereits außergewöhnlich heiß. Der Deutsche Wetterdienst registrierte Rekordtemperaturen und überdurchschnittlich viele Sonnenstunden.
Die einen lieben dieses Klima und genießen die Wochen an Seen oder in der Badeanstalt, die anderen wagen erst dann einen Abstecher ins Freie, wenn die Temperaturen wieder abflauen. Wieder andere sind in der Luft unterwegs und prüfen akribisch, ob sie von oben einen Brand entdecken und alarmieren müssen. Ein solcher Beobachtungsflug fand am vergangenen Sonntag statt. Der Verfasser dieses Artikels war mit von der Partie.
Etwas mulmig war mir schon zumute, als ich mich auf die Rückbank der viersitzigen Cessna setzte. Doch Karl-Martin Fendt, Zweiter Vorsitzender der Luftrettungsstaffel Oberfanken-Ost und heutiger Einsatzpilot, nahm mir die innerliche Unruhe sofort: Nein, ich müsse mir keine Sorgen machen, auch wenn das Flugzeug schon einige Jahrzehnte alt sei.
Der 77-jährige Profi mit langer Praxis („ich habe sogar eine Buschlizenz“), fliegt seit 26 Jahren in der Rettungsstaffel und kommt gleich zur Sache: „Diese Flüge sind wichtig, denn sie können Leben retten und ersparen zudem dem Freistaat und den Versicherungen viel Geld.“ Er sei zum Beispiel auch schon bei Verkehrsunfällen solange in der Luft gekreist, bis Hilfe am Boden eingetroffen war.
Bayern finanziert (als einziges Bundesland in Deutschland) diese Flüge, wohl seit ein Ex-General einst die Idee dazu hatte. Aber er sagt auch: „Ohne Ehrenamt geht hier nichts.“ Fendt hat eine Sonderlizenz vom Innenministerium erhalten und unterzieht sich jährlichen Gesundheits- und fliegerischen Checks. „Passt das Ergebnis nicht, ist Schluss“, sagt er. Sein Alter sieht man ihm nun wirklich nicht an.
Zunächst geht es vom Flugplatz in Bindlach nach Hof, um dort zu tanken. Warum nicht in Bayreuth? „Der Sprit ist dort billiger.“ Tja, Geld und Ehrenamt...
Mit an Bord ist der ausgebildete Luftbeobachter Tobias Fell, im Hauptberuf Feuerwehrmann bei der Ständigen Wache der Feuerwehr Bayreuth und heute von der Regierung von Oberfranken eingesetzt. Die Strecke führt zunächst über Kulmbach und Kronach sowie die Ködeltalsperre bis nach Südthüringen. Das Ganze bei einer Abfluggeschwindigkeit von 140 km/h und einer normalen „speed“ von 230 km/h. Ein Vierzylinder mit 180 PS schafft das.
Nach bereits 30 Minuten landen wir wohlbehalten an der Tankstelle des Flughafens Hof-Plauen. Ohne ein Mucken gehorcht die technisch auf dem neuesten Stand befindliche Maschine den Befehlen des Piloten Fendt – genauso wie im zweiten Teil, der uns über den Ochsenkopf, die Fränkische Schweiz und die südlich des Landkreises Kulmbach gelegenen Gemeinden und Bayreuth sicher wieder zurück zum Flugplatz Bindlach bringt.
Das Ergebnis nach 90 Minuten: kein Feuer weit und breit im östlichen Teil Oberfrankens (der westliche Teil wird durch die Bamberger Luftbeobachter abgedeckt). Dagegen sehen wir aus der Luft ein abbrennendes Stoppelfeld östlich von Hienberg, also in Mittelfranken. Beim Anflug sehen wir bereits die Feuerwehr am Boden.
Auch ein zweiter Flug am Nachmittag bringt an diesem Tag kein anderes Ergebnis, berichtet Beobachter Fell später. Wäre ein Brand festgestellt worden, wären über die Integrierte Leitstelle sofort Feuerwehren alarmiert und Kräfte vom Flugzeug aus zur Einsatzstelle gelotst worden. Bis zum Eintreffen hätten die Luftbeobachter in ihrer Cessna über der Brandstelle gekreist.
Doch die Brandgefahr insbesondere im Wald bleibt natürlich bei diesen extremen Temperaturen mit ausgesprochen wenig Regen bestehen.
Wer also in diesen Tagen am Himmel ein nicht allzu hoch fliegendes, „recht kleines“ Flugzeug sichtet, kann davon ausgehen, dass in dem einen oder anderen zwei speziell ausgebildete Fachleute sitzen, die mit versiertem Blick prüfen, ob gerade Brandgefahren oder Rauchentwicklungen in unserer Region bestehen.











