Bei der älteren Dame klingelt das Telefon. Es ist aber nicht ihre Tochter, die sich nach ihrem Befinden erkundigt. Und es ist auch nicht die Apotheke, die wegen eines Medikamentes anruft. Am anderen Ende der Leitung ist Beatrice Egli. Die berühmte Schlagersängerin aus der Schweiz. Das zumindest erzählt die weibliche Stimme der älteren Dame. Schon hier hätte man den Braten riechen können.
Denn warum sollte solch ein Star ausgerechnet eine x-beliebige Rentnerin in irgendeinem Kaff nahe Bamberg anrufen. Noch dazu persönlich und nicht einer ihrer Mitarbeiter. Natürlich ist es nicht die Gewinnerin der TV-Show „Deutschland sucht den Superstar“ (DSDS). Es sind ganz normale Betrüger, die sich eine neue Masche ausgedacht haben.
Riesenfan der berühmten Sängerin
Doch die ältere Dame ist schon seit vielen Jahren ein Riesenfan der berühmten Sängerin und freut sich, dass ihr Idol ausgerechnet mit ihr spricht. Dann geschieht etwas, was noch viel unwahrscheinlicher ist. Die falsche Beatrice Egli bittet die ältere Dame um Unterstützung. Sie sei völlig unverschuldet in eine Notlage geraten. Ihr Bankkonto sei kurze Zeit gesperrt. Sie brauche jemanden, über dessen Girokonto einige Verkäufe von Merchandise-Artikeln (Shirts, Tassen, Autogrammkarten, Kissen oder Freundschaftsarmbänder) abgewickelt werden könnten. Natürlich hilft die ältere Dame – ohne groß darüber nachzudenken. Das wäre die zweite Chance gewesen, nicht in die Sache hineingezogen zu werden.
Nachdem sie ihre Kontodaten mitgeteilt hat, gehen tatsächlich mehrere Zahlungen ein. Insgesamt sind es in drei Tranchen genau 2.800 Euro. Von einer ihr völlig unbekannten Person aus Troisdorf nahe Bonn. Wenn man jetzt eine Rückbuchung veranlasst, die eigene Bank oder die Polizei informiert hätte, wäre wahrscheinlich nicht viel passiert. Aber die ältere Dame macht einfach, was ihr die angebliche Beatrice Egli gesagt hat: Die Summe in bar abheben und damit in Super- und Elektromärkten allerlei Gutscheinkarten für den Online-Einkauf erwerben. Dann freirubbeln und die Codes darunter über Telegram an einen Fake-Account der Schlager-Ikone weitergeben. Die Betrüger im Hintergrund freuen sich über soviel Gutgläubigkeit und Naivität. Beatrice Egli hingegen ärgert sich, dass in ihrem Namen Straftaten begangen werden. Das schadet ihrem Image.
Geldstrafe wegen Geldwäsche
Und die ältere Dame aus dem fränkischen Nirgendwo bekommt juristischen Ärger. Noch dazu, weil sie ein Jahr zuvor auf genau dasselbe Märchen schon einmal hereingefallen ist, freilich mit nur 250 Euro Schaden, und daraus offenbar nichts gelernt hat. Damals wird sie am Amtsgericht Bamberg wegen leichtfertiger Geldwäsche zu einer Geldstrafe von 500 Euro verurteilt. Auch diesmal kann Strafrichter Matthias Bachmann nicht anders – nun sind es 1.500 Euro Geldstrafe. Auch wenn die ältere Dame, die mithilfe ihres Gehwagens in den Gerichtssaal rollt, beteuert, sie sei eine ehrliche Haut, habe ihr Leben lang hart gearbeitet und sei selbst Opfer eines Betruges geworden. Dann weint sie – und es wirkt authentisch. Von krimineller Energie oder vorsätzlichem Vorgehen nirgends eine Spur.
Unterschrift auf Überweisungsformularen
Doch woher kommen die Beträge, die auf solchen Geldwäschekonten auftauchen? Von ebenso ahnungslosen Opfern. In diesem Fall von einem älteren Herrn. Die Betrüger haben seine Unterschrift auf Überweisungsformularen gefälscht. Die in Druckbuchstaben ausgefüllten Papierzettel werden von den allermeisten Kreditinstituten nicht dahingehend überprüft, ob da wirklich die richtige Unterschrift enthalten ist.
Zumindest, wenn es sich um Bagatellbeträge handelt. Dazu können auch 1.000 Euro zählen. Eine genaue Kontrolle mit einer speziellen Software oder dem geschulten Auge eines Angestellten kostet eben – und da will man sparen. Für den unfreiwilligen Geldgeber hat die Affäre allerdings ein glückliches Ende. Nicht nur, weil seinem Betreuer auffällt, dass da auf dem Kontoauszug etwas nicht stimmen kann. Die betreute Person bekommt den Schaden auch von ihrer Bank ersetzt. Weil sie unter Betreuung steht und nur über ein Pfändungsschutz-Konto mit niedrigem Limit verfügt, hätte niemals auch nur eine einzige Transaktion stattfinden dürfen.











