Ein aufgeklebtes Hologramm. Ein sichtbares Wasserzeichen im Papier. Täuschend echte Farben. Es sind keine einfachen Kopien aus dem Farbdrucker. Die Fälscher haben sich viel Mühe gegeben. Das macht es normalen Bürgern schwer, sich nicht irgendwelche 50er-Blüten andrehen zu lassen. Zumal wenn es schnell geht, der eine oder andere echte Schein dabei ist und die Lichtverhältnisse nicht die besten sind.
Erst vermutet die Kriminalpolizei Bamberg, die Gelddrucker hätten ihre Werkstatt in Bulgarien. Dort hatte man sich zu Ostblock-Zeiten auf das Fälschen aller möglichen Dinge spezialisiert. Neben Ausweisdokumenten auch Geldscheine westlicher Währungen. Später wird klar, dass die italienische Mafia, genauer die in Neapel herrschende Camorra, ihre Finger im Spiel hat. Denn die Blüten kommen von dort.
Falschgeldbetrüger vorm Amtsgericht Bamberg
Am Amtsgericht Bamberg hat man es mit Geldfälschung und mehrfachem Betrug zu tun. Ein Mann aus dem hessischen Langen hat nicht nur vor Kurzem in Bamberg einen Gebrauchtwagen mit Falschgeld bezahlt. Vor drei Jahren hat er in Augsburg ähnliches getan.
Es wirkt wie ein Probelauf, bei dem nur 1000 Euro Falschgeld unter die insgesamt 7000 Euro Kaufpreis geschmuggelt werden. In Bamberg sind es dann schon 5000 gefälschte Euro.
Sonst ist das Vorgehen vergleichbar. Irgendwelche Fake-Personalien im Kaufvertrag. Eine persönlich klingende Geschichte, dass man das Fahrzeug für den Vater erwürbe. Kontakt mit dem Verkäufer über ein Prepaid-Handy, das nach der Straftat einfach weggeworfen wird. Besichtigung des Wagens spätabends, wenn es schon dunkel geworden ist. Übergabe des Geldes und überstürzte Wegfahrt.
Wer ist der Komplize des Betrügers?
Der Autobesitzer ist froh, dass er seine alte Mühle los ist. So achtet er weder auf den gezeigten Ausweis, noch merkt er sich die Angaben auf dem Überführungskennzeichen, und er schaut sich auch den Begleiter des Käufers nicht genauer an. Deshalb weiß die Polizei bis heute nicht, wer der Komplize ist. Vielleicht ist es ja der Bruder des Betrügers, der aus der Kfz-Branche stammt.
Die beiden ergaunerten Wagen landen mitsamt aller Papiere nicht etwa beim Vater, sondern bei einem Autohändler in Frankfurt am Main. Die Ermittler verdächtigen ihn der Hehlerei. Nicht zuletzt wegen weiterer dubioser An- und Verkäufe, nicht nur nach Litauen, sondern auch nach Griechenland. Mit dem Nachweis allerdings wird es schwierig.
Beim 41-jährigen Angeklagten ist die Beweislage umso besser. Die Ermittler finden seine Fingerabdrücke und DNA-Spuren auf den Blüten. Die beiden Autoverkäufer aus Bamberg und Augsburg erkennen ihn eindeutig wieder. Bei ihm tauchen unzählige leere Verpackungen für die besagten Wegwerf-Mobiltelefone auf.
Ermittlungsverfahren wegen Falschgeld wird eingestellt
Und er hat schon einmal versucht, Falschgeld in Umlauf zu bringen. Bei einem Bargeldtransfer von Darmstadt aus ins Ausland. Denn er hat Verwandte in Afghanistan. Das Ermittlungsverfahren wurde allerdings eingestellt.
Auch verurteilt wurde er schon – wegen Beleidigung und Ladendiebstahl. Es ging um zwei Vorfälle: Einen auf dem Parkplatz vor der Stadtverwaltung Langen. Ein anderer Autobesitzer hatte ihn für einen Kratzer im Lack verantwortlich gemacht. Als der Angeklagte alles abstritt, eskalierte die Lage. Einem „warum müsst ihr Ausländer bei so etwas immer lügen“ entgegnete der Angeklagte ein „Scheiß Deutscher“ und „Nazi“.
Der andere Vorfall ereignete sich in einem Baumarkt in Langen, wo der Angeklagte Werkzeug für rund 50 Euro einsteckte und eine Verkäuferin ins Regal schubste, die ihn erwischt hatte.
Betrüger gesteht am Amtsgericht Bamberg
Während des Prozesses am Amtsgericht Bamberg tut der Angeklagte freilich alles, um nach einem halben Jahr in Untersuchungshaft auf freien Fuß zu kommen. Er gibt die beiden Straftaten zu. Das Falschgeld will er sich bei einem Italien-Urlaub verschafft haben. Umtauschkurs: Ein echter Euro bringt drei falsche.
Er begleicht den entstandenen Schaden bei den beiden Autoverkäufern, die gut gelaunt und mit prallgefüllten Briefumschlägen den Gerichtssaal verlassen. Freilich nicht, ohne dass Staatsanwältin Josefine Hösle und der Falschgeld-Experte der Kripo Bamberg jede einzelne Banknote auf Herz und Nieren geprüft haben.
Am Ende verurteilt das Schöffengericht den Mann aus Langen wegen Geldfälschung, versuchten und vollendeten Betruges, sowie Diebstahls zu einer Freiheitsstrafe von 20 Monaten mit Bewährung. Als spürbare Auflage verhängt die Vorsitzende Richterin Carina Distler zudem 150 Stunden gemeinnütziger Arbeit.











