Es ist während der letzten Sommerferien. Irgendwo in Memmelsdorf kümmert sich ein Mann um seinen Garten. Während er spätnachmittags gerade die Hecke schneidet, fallen ihm zwei seltsame Gestalten auf, die nicht hierhergehören. Sie lungern in der Straße herum und beobachten das Haus eines Nachbarn. Offenbar baldowern die Fremden das Anwesen aus. Schließlich beobachtet der Nachbar, wie einer der Unbekannten mehrfach versucht, von der Straße aus mit Anlauf in ein offenstehendes Fenster zu springen. Doch er kann die gerade einmal eineinhalb Meter Höhe bis zum Fensterbrett nicht überwinden. Der Nachbar macht sich bemerkbar und kann so die beiden Einbrecher vertreiben. Der Hausbewohner hat vom Einbruchsversuch gar nichts mitbekommen. Der weit über 90-jährige Mann ist extrem schwerhörig und hat sich am anderen Ende des Gebäudes in der Küche aufgehalten.
Auf der Flucht wollen die Täter eine ältere Dame bestehlen
Mit einem Bekannten nimmt der Nachbar die Verfolgung auf. Auf ihren E-Bikes sind sie den Tätern auf den Fersen. Am Sportgelände holen sie den Heranwachsenden und den Jugendlichen ein. Dort hat einer inzwischen eine ältere Dame belästigt, die mit dem Rollator unterwegs ist. „Er hat versucht, in die Tasche zu greifen“. Wohl um noch etwas Bargeld zu erbeuten. Den beiden Bürgern gelingt es, die Täter festzuhalten. Dabei stürzt einer der Täter in eine Hecke und zieht sich einige Schürfwunden zu. Als die Streifenpolizisten die beiden Klassenkameraden durchsuchen, finden sie bei jedem einen Schraubendreher. Das Einbruchwerkzeug haben sie „nur zufällig“ einstecken, behaupten sie während des Prozesses vor dem Amtsgericht Bamberg. Dort sind der Heranwachsende und der Jugendliche angeklagt. Ein dritter Täter fehlt auf der Anklagebank: Er ist zu den Tatzeitpunkten erst 13 Jahre alt, somit ein Kind und damit noch nicht strafmündig.
Die Jugendlichen werden beim Einbruch von einem Nachbarn beobachtet
Einige Monate zuvor sind die Einbrecher schon einmal „bei der Arbeit“. In Ebensfeld steigen sie über ein angelehntes Fenster zum Hof im Erdgeschoss ein. Der Eigentümer ist nicht zu Hause. Er arbeitet Nachtschicht und hat seiner Katze ein Schlupfloch gelassen. Das nutzen die Täter aus. Im Schein ihrer Taschenlampen durchsuchen sie das menschenleere Anwesen. Sie finden rund 300 Euro Kleingeld, eine Goldmünze im Wert von knapp 350 Euro, sowie zwei Armbanduhren, einen Autoschlüssel, Silvesterböller, ein Feuerzeug und Medikamente. Außerdem nehmen sie wahllos irgendwelche Papiere und eine Sporttasche mit, in der sich ein Bademantel, eine Badehose und andere Dinge für einen Saunabesuch befinden. Auch hier werden die Täter von einem aufmerksamen Nachbarn beobachtet.
Der Jüngste im Bunde ist aus einem Heim weggelaufen
Gleich mehrere Streifenwagen fahren zum nahegelegenen Bahnhof. Die Beamten schleichen sich an und können alle Einbrecher dingfest machen. „Wir haben sie im Wartehäuschen überrascht“. Bei der Durchsuchung tauchen alle Beutestücke wieder auf, soweit sie von den Tätern nicht auf dem Fluchtweg schon weggeworfen worden sind. Außerdem haben die Einbrecher am Tatort Fingerabdrücke und DNA-Spuren hinterlassen – an Gegenständen im Haus, am hochgeschobenen Rollladen, sowie an einer Zigarettenkippe und einer Süßigkeiten-Verpackung auf dem Grundstück. Es stellt sich heraus, dass der jüngste im Bunde aus einem Heim weggelaufen ist und eigentlich als vermisst gilt.
In einem Drogeriemarkt lassen sie drei Flaschen Parfüm mitgehen
Der Heranwachsende, der Jugendliche und das Kind kommen in jenen Monaten viel herum. Auch in Erlangen beschäftigen sie die Polizei. In einem Drogeriemarkt lassen sie drei Flaschen teuren Parfüms mitgehen. Markenware für mehr als 300 Euro verstauen sie im Hosenbund. Angeblich für sich selbst. Tatsächlich aber sind solche Beutestücke ein beliebtes Tauschobjekt im Drogenmilieu. Sie werden vom Ladendetektiv erwischt und von uniformierten Einsatzkräften auf die Polizeiwache mitgenommen, damit man ihre Personalien feststellen kann. Denn Ausweise haben sie sicherheitshalber nicht dabei. Wenig später dürfen sie nach Einleitung eines Ermittlungsverfahrens wieder nach Hause gehen. Auf dem Weg zum Hauptbahnhof Erlangen fällt ihnen nichts Besseres ein, als in einem Supermarkt ein Stück Pizza und einen Energydrink zu klauen. Sie werden erneut geschnappt.
Der Prozess wird fortgesetzt. Dann geht es um zahlreiche Diebstähle aus Umkleidekabinen und parkenden Fahrzeugen vor allem in Memmelsdorf, den Einsatz gestohlener Bankkarten für Einkäufe und Taxifahrten, sowie um mehrere Sachbeschädigungen.












