Immer wieder muss die 35-jährige Frau aus Bamberg ihre Zeugenaussage unterbrechen. So schlimm sind die Erinnerungen an ihre frühere, nur dreijährige Ehe. Weniger die Beleidigungen und Beschimpfungen. Über diese scheint sie inzwischen hinweg zu sein. Traumatischer sind die Gewalterfahrungen, die sie am Amtsgericht Bamberg schildert.
Am Amtsgericht Bamberg geht es um Gewalt in einer Ehe
Sie haben dazu geführt, dass sie ihren Ehemann verlassen hat. Obwohl sie eine tiefgläubige Christin ist und einer freikirchlichen Gemeinde angehört. Deren Mitglieder sind es auch, die ihr während des Prozesses den Rücken stärken. Einer sitzt neben ihr, gleichsam als Beschützer. Die anderen befinden sich im Zuhörerbereich. Darunter auch eine Freundin, bei der sie sich vor ihm versteckt, weil im Frauenhaus kein Platz mehr ist. Die Ex-Frau schildert ihre Sicht der Dinge:
Es beginnt mit einem arbeitsreichen Tag. Das Ehepaar will noch einen schönen Abend in Bamberg verbringen. Dann aber verlässt er die Wohnung alleine. Nachdem er sie zuvor wieder einmal gedemütigt hat. Diesmal geht es nicht um ihre angeblich zu kleinen Brüste, sondern um ihre Kleidung. Sie habe keinen Stil. So könne sie ihn nicht begleiten. Die Frau bleibt deshalb zu Hause.
Kurz vor Mitternacht macht sie sich dann doch auf den Weg. „Ich dachte: Er wird sich mit Bier und Schnaps abschießen.“ Zumal sie befürchtet, ihm könne im betrunkenen Zustand ein Unfall passieren. Telefonisch und auch sonst kann sie ihn nicht erreichen. Er hat sie blockiert. Sie kennt seine Kneipentour und trifft ihn am Schönleinsplatz. Hand in Hand mit einer zwanzig Jahre jüngeren Frau. Es gelingt ihr, ihn loszueisen und heimzufahren. In den eigenen vier Wänden eskaliert die Lage. Er fordert sie auf, die gemeinsame Wohnung zu verlassen.
Sie denkt gar nicht daran. Er droht ihr, die Polizei zu rufen, damit diese sie hinauswirft. Als sie sich nicht einschüchtern lässt, nimmt er die Sache selbst in die Hand. Mit einem Blick, wie sie ihn zuvor nie gesehen hat. „Es ging alles Schlag auf Schlag.“
Ehefrau schildert vor Gericht Todesangst
Er packt sie an den Handgelenken und schleift sie zum Eingang. Er bekommt die Ehefrau aber nicht hinaus. Sie macht sich schwer und stemmt sich gegen den Türrahmen. Das bringt ihn offenbar so in Rage, dass er ihren Kopf an den Haaren nach hinten reißt und sie mit dem Unterarm am Hals würgt. Gleichzeitig drückt er ihr mit den Fingern der anderen Hand in die Augen. Die Frau hat Todesangst. „Ich dachte in dem Moment: Ich bin gespannt, welche Ausrede er hat, wenn man meine Leiche findet.“
Sie wehrt sich nicht, damit es nicht noch schlimmer kommt, und tatsächlich endet die Attacke. Schlimmere Verletzungen bleiben aus. Der Ehemann setzt sich auf die Couch, macht sich darüber lustig, dass sie sich trotz Kampfsportausbildung nicht habe wehren können, und macht eine klare Ansage: „Ich bin dein Mann und kann mit dir machen, was ich will.“
Nach dem Angriff erstattet die Ehefrau dennoch Anzeige, zieht diese später allerdings wieder zurück. „Ich habe immer nach Ausreden gesucht, um sein Verhalten zu entschuldigen.“ Denn er hat ihrer Ansicht nach nicht nur ein Alkoholproblem. Er habe auch eine schwere Kindheit in der Karibik durchlebt. Aufgewachsen in einem Elendsviertel, ohne Vater, aber mit einer trinkenden Mutter, einer Nachbarschaft voller Drogen...
Dabei habe er sie ständig nur ausgenutzt. Aber sie ergreift Vorsichtsmaßnahmen, indem sie die im Haushalt befindlichen Messer versteckt. Erst ein zweiter Vorfall bringt die Frau zur Vernunft. „Einige Bekannte, eine Freundin aus Graz und sogar seine erste Ehefrau hatten mich vor der Eheschließung vor ihm gewarnt.“ Aber damals schwebt sie noch im siebten Himmel, hat er sein wahres Gesicht noch nicht gezeigt.
Ehefrau plant ihre Flucht vor ihrem Ehemann
Der Stein des Anstoßes ist eine Flugreise in seine alte Heimat. Für zwei Personen an ihrem Geburtstag. Nur dass sie nicht dabei ist. Der heimliche Urlaub, getarnt als Besuch seiner Familie, dient offenbar einem „Honeymoon-mäßigen Aufenthalt“ mit einer anderen Frau. Hinzu kommt, dass er sich ein Tinder-Inkognito-Konto besorgt hat. Dadurch kann er sich mit fremden Frauen treffen, ohne dass die Ehefrau oder andere Bekannte erfahren.
Erst bewirft er sie voller Verachtung mit Orangen, dann kommt es wieder zum Würgen mit dem Unterarm. Freilich deutlich kürzer, aber viel stärker. Tagelang hat die Frau Halsschmerzen. „Er sagte noch, eigentlich müsste man dich mit dem Ellenbogen schlagen.“ Sie vertraut sich anderen Menschen an und plant die Flucht. „Ich wusste, ich musste hier raus. Und zwar so, dass ich nichts abbekomme.“
Im Prozess streitet der bislang unbescholtene Ex-Ehemann alle Vorwürfe ab. Am Ende hat Strafrichter Philipp Schmitz trotz der Aussage-gegen-Aussage-Konstellation keinen Zweifel am Wahrheitsgehalt der Schilderungen der Frau. Sie seien zu detailliert, nicht darauf aus, den Angeklagten über Gebühr zu belasten, und stimmten im Kerngeschehen mit den lange zurückliegenden Angaben bei der Polizei überein. Er verurteilt den Ex-Ehemann zu einer Geldstrafe von 9600 Euro. Dieser hat bereits angekündigt, in Berufung gehen zu wollen.












