Der Herr am anderen Ende der Leitung klingt freundlich und höflich. Selbstverständlich könne man einen Besuchstermin für die Besichtigung des Kleidungsstücks ausmachen, versichert er dem Reporter, der sich als Besitzer eines vererbten Pelzmantels ausgegeben hat. Die Bargeldauszahlung würde dann direkt vor Ort erfolgen.
Allerdings ist das Geschäft an eine Bedingung geknüpft. „Pelze kaufen wir nur in Verbindung mit Altgold. Das stand auch so in der Anzeige“, versichert der Händler am Telefon.
In besagter Zeitungsanzeige hatte ein Antik- und Kunsthaus mit Sitz in Offenburg vor einigen Tagen „sofortige Barauszahlung bis 9500 Euro“ sowie Ankäufe „zum doppelten Preis“ versprochen. Gesucht werden verschiedene Wertgegenstände, unter anderem Pelze, Elektrogeräte, Porzellan, Standuhren und Skulpturen.
Was ein Bamberger Händler den Verkäufern rät
Verhandelt wird laut Anzeige bei den Besitzern zu Hause. Hausbesuche bis 100 Kilometer von Bamberg entfernt sind möglich. „Nutzen Sie die Gelegenheit, Ihre alten Schätze loszuwerden, und machen Sie daraus Geld“, wirbt der Verfasser der Anzeige.
Von der Gold-Bedingung ist in dem Text entgegen der Aussage am Telefon allerdings keine Rede. Und dies ist unter anderem auch der Grund, warum sich jetzt ein Bamberger Händler in der Sache zu Wort meldet.
Anzeige „Achtung beim Goldankauf“
Am Dienstag (24. März 2026) veröffentlichte der Bamberger Edelmetallhändler „Die Goldwaage“ seinerseits eine große Anzeige im Fränkischen Tag, um vor reisenden Goldankäufern zu warnen. „Achtung beim Goldankauf“ lautet die Überschrift des Anzeigentextes. Viele Kunden würden berichten, dass ihnen unter anderem für Pelze und Lederjacken hohe Preise versprochen wurden, es den Händlern am Ende aber nur darum geht, an Gold und Schmuck zu kommen.
Am Telefon redet sich der Eigentümer der „Goldwaage“ auf Nachfrage in Rage. „Den Menschen werden falsche Hoffnungen gemacht, weil man ihnen Sachen abkauft, die sie eigentlich nicht mehr brauchen. Aber eigentlich geht es diesen Händlern nur um Gold und Schmuck. Das ist schlicht unseriös.“
Reisende Goldkäufer würden nur kurz in einer Region Station machen, um den Eigentümern bei einem Hausbesuch dann Gold und Schmuck für einen viel zu niedrigen Preis abzukaufen. „Das bringt eine ganze Branche in Verruf. So arbeiten wir nicht!“, sagt der „Goldwaage“-Inhaber, der seit vielen Jahren ein Geschäft an der Luitpoldstraße betreibt.
Polizei: Verkäufer sollten vorsichtig sein
Bereits 2024 hatte die Polizei in Nordrhein-Westfalen in einer Pressemitteilung vor diesen Praktiken gewarnt. Demnach lasse sich die Seriosität solcher Angebote zwar schwer einschätzen. Ein paar Indizien würden jedoch darauf hindeuten, dass die Verkäufer „bewusst betrogen werden“, weil viel zu wenig Geld bezahlt wird. „Wenn ein Händler den Pelz nur dann kaufen will, wenn er gleichzeitig auch Gold erwerben kann, dann sollten Verkäufer sehr vorsichtig sein“, heißt es in der Pressemitteilung.
Laut der Polizei Oberfranken liegen aktuell keine Betrugserkenntnisse gegen das Unternehmen, das in Bamberg inseriert hat, vor. Man rate deshalb nicht grundsätzlich von solchen Verkäufen ab, so Pressesprecher Philip Debuday. Allerdings rät die Polizei, bei Verkäufen jeder Art vorsichtig zu sein und sich an folgende Verhaltensweisen zu halten:
- Misstrauisch bei ungewöhnlich hohen Angeboten: Wenn Kaufinteressenten unerwartet hohe Preise anbieten, sollte man besonders vorsichtig sein. Häufig sind dies Lockangebote, um an Gold oder andere Wertgegenstände zu gelangen.
- Keine übereilten Entscheidungen treffen: Lassen Sie sich nicht unter Druck setzen – etwa mit dem Hinweis, ein Angebot gelte „nur heute“. Seriöse Käufer gewähren Zeit zur Überlegung.
- Identität prüfen und Zeugen hinzuziehen: Lassen Sie sich stets amtliche Ausweise zeigen und ziehen Sie – insbesondere beim Verkauf hochwertiger Gegenstände – eine vertraute Person als Zeugen hinzu.
- Keine Wertgegenstände für angebliche Echtheitsprüfungen aus der Hand geben: Seriöse Händler führen Echtheitsprüfungen vor Ort durch. Geben Sie niemals Gold, Schmuck oder andere Wertsachen für eine „Überprüfung“ mit.
- Schriftliche Vereinbarungen treffen: Ein schriftlicher Kaufvertrag schützt beide Seiten und reduziert das Risiko von Betrug oder Missverständnissen.
- Mehrere Angebote einholen: Wer Schmuck, Münzen oder Gold verkaufen möchte, sollte sich an etablierte Fachhändler vor Ort wenden und mehrere Angebote vergleichen. Ein Blick auf aktuelle Marktpreise kann helfen, den Wert realistisch einzuschätzen.
- Gesunder Menschenverstand und Vorsicht: Wenn der Käufer plötzlich auch nach anderen Wertgegenständen fragt oder ungewöhnliche Kaufbedingungen stellt, sollte man den Verkauf abbrechen und im Zweifel die Polizei informieren.











