Die Masche ist immer ähnlich. Die vermeintlich wohl gesinnten Handwerker klingeln an der Haustür oder verteilen ihre Flyer über verschiedene Wege in die Briefkästen. Darauf versprechen sie Dach- und Malerarbeiten aller Art sowie Reinigung von fast allem rund ums Haus, Baumschnitt, Fassadensanierung und so weiter. Aktuell werben sie mit „Sommer-Aktion: 25 Prozent für Neukunden auf alle Arbeiten – Angebot ab Erhalt nur fünf Tage gültig“. Außerdem gebe es noch einen 100-Euro-Gutschein während der Aktionstage. Klingt zu schön, um wahr sein. Ist es auch.
Maler- und Lackiererinnung Forchheim warnt vor Firma
Mit einem eindringlichen Appell warnt aktuell die Maler- und Lackiererinnung Forchheim vor einem dieser Firmen. „Es werden nahezu alle Arbeiten und handwerkliche Leistungen am und im Haus angeboten. Viele der Gewerke unterliegen jedoch der Meisterpflicht“, erklärt Obermeister Erwin Held. Der Betrieb, angeblich ein Garten- und Hausservice aus Bad Windsheim (Landkreis Neustadt/Aisch) dürfe diese Arbeiten gar nicht ausführen und könne das auch nicht fachgerecht.
Das Nachsehen haben in solchen Fällen oft die Kunden. In der Regel verlangen die Firmen Bezahlung im Voraus und schwatzen ihren oft verdutzten und überrumpelten Kunden weitere Aufträge auf. Oft geschieht das an der Haustür, nicht selten sind vor allem ältere Kundinnen und Kunden die Zielgruppe. Werden die Hausbesitzer rechtzeitig misstrauisch und verlangen beispielsweise schriftliche Angebote und detaillierte Rechnungen, hören sie bei solchen Angeboten mitunter plötzlich nichts mehr von der Firma.
Spur angeblicher Gartenfirma führt nach Bad Windsheim, Neuss und Goslar
Der FT hat sich die aktuelle Gartenfirma aus Bad Windsheim einmal näher angeschaut. Die auf dem Flyer genannte Adresse führt ins Nichts. Laut Anwohnern, Gewerbetreibenden und Stadtverwaltung existiere eine solche Firma in Bad Windsheim gar nicht. Der genannte Inhaber Valentin W. betreibt laut Branchenverzeichnis noch eine weitere, absolut ähnlich klingende Firma in Neuss (Nordrhein-Westfalen). Doch auch die Recherche dort bringt kein echtes Unternehmen ans Licht, in der zuständigen Handwerkskammer Düsseldorf ist die Firma nicht registriert. Unter der angegebenen Adresse befindet sich wohl eine ausrangierte Gärtnerei. Eine weitere Spur führt ins niedersächsische Goslar, wo die Polizei bestätigt, aktuell eine Anzeige „wegen eines auffallend ähnlichen“ Flyers zu bearbeiten.
Im vergangenen Jahr kursierte ein fast identischer Flyer schon einmal in der Region. Selbes Logo, selbe Aufmachung – nur stand eine andere Telefonnummer darauf, ein anderer Name und die Firma residierte angeblich in Bamberg. Auch hier sprechen alle Indizien für eine Fake-Firma. Recherchen über den vermeintlichen Inhaber K. führen – wie auch schon im Fall der aktuell hausierenden Gartenservicefirma zu verschiedenen Kulturvereinen in Mönchengladbach, Gelsenkirchen und der gesamten Ruhrregion. Ob und welche Zusammenhänge bestehen, ist noch unklar.
Wie die Masche funktioniert
„Die Flyer zielen darauf ab, den potenziellen Kunden zu ködern, einen Auftrag zu generieren und dann überteuert abzurechnen“, sagt Maler-Obermeister Held. Häufig würden die Arbeiten dann aber nicht einmal zu Ende ausgeführt. Und wenn, dann häufig mängelbehaftet. „Die Gewährleistung lässt sich im Mangelfall jedoch nur schwer durchsetzen, da der Ansprechpartner nach Schlechtleistung nicht mehr greifbar ist.“ Das bestätigt der Jurist des Eigenheimerverbands Bayern, Rainer Schmitt, auf Anfrage. Solche Offerten ohne gute Absichten kursierten seit Jahren, machen könne man als Geschädigter oft kaum noch etwas. Eine Rechtsschutzversicherung helfe demnach nur dann weiter, wenn der sogenannte Vertragsrechtsschutz inkludiert ist, was er in der Regel bei den Basisverträgen nicht sei. Bleibt noch die Anzeige.
„Es ist uns leider nicht möglich, gegen diese Betriebe effektiv vorzugehen. Die amtlichen Anschreiben der Handwerkskammer oder der Gewerbeämter kommen mit dem Vermerk ‚Empfänger unter der Adresse unbekannt‘ zurück“, sagt Innungsobermeister Held. Dass es wenige Anzeigen gibt, erklärt sich Held mit der Scham vieler Betroffener. „Wer gibt schon gerne zu, dass er reingelegt wurde?“, fragt er. Daher warnen er sowie die Polizei immer wieder.
Anruf bei der Firma: Das sagt der Beschuldigte selbst
Was sagt der Bad Windsheimer Phantom-Unternehmer selbst? Eine schriftliche Anfrage ließ W. trotz großzügiger Frist unbeantwortet. Mehrere Anrufe blieben ebenfalls erkenntnislos. Zwar meldete sich immer jemand, aber die wechselnden Personen am anderen Ende der Leitung hatten aus immer anderen Gründen gerade keine Zeit oder konnten keine Auskunft geben. Ein stets versprochener Rückruf blieb jedes Mal aus.
Auch wenn es im Landkreis Forchheim keine Anzeigen im Zusammenhang mit der aktuell inserierenden Firma gibt, wie das Polizeipräsidium Oberfranken auf Anfrage mitteilt, habe es erst im Februar in Forchheim einen ähnlich gelagerten Fall gegeben. Demnach wurde der Staatsanwaltschaft Bamberg im Zusammenhang mit einer Rohrreinigungsfirma wegen Wuchers vorgelegt.
7 Tipps, um Betrüger-Firmen nicht auf den Leim zu gehen
- Flyer genau lesen. Häufig finden sich darin Rechtschreibfehler und ein Impressum fehlt.
- Ein weiteres Indiz kann sein, wenn die Angebote viel zu gut wirken, um wahr zu sein. Hier hilft ein gesundes Misstrauen, rät die Polizei.
- Sollte man beim Beratungsgespräch unter Druck gesetzt werden, sollten ebenfalls die Alarmglocken schrillen.
- Auf gar keinen Fall Zahlungen im Voraus leisten oder vor Abschluss der Arbeiten.
- Bevor man Verträge zu angeblichen Sonderkonditionen abschließt, sollte man sich vorher über die Firma informieren.
- Zum Vergleich kann man sich Angebote von örtlichen Betrieben einholen. Informationen gibt es auch bei der Kreishandwerkerschaft (www.khs-forchheim.de/), dort sind alle ortsansässigen Firmen gelistet.
- Kommt es doch zum Schadensfall, können die Betroffenen Anzeige bei der Polizei erstatten.
Lesen Sie auch:














