Meist sind es um die zehn Euro, oft aber auch zwölf Euro und mehr: So viel müssen Wohnungssuchende in Forchheim aktuell pro vermietetem Quadratmeter bezahlen. Kalt. Gleichzeitig bleibt das Angebot ausgedünnt. Steuert Forchheim auf ein echtes Wohnproblem zu?
Zumindest für einen Teil der Forchheimer Bevölkerung wird es in den kommenden Monaten noch schwieriger werden, sich Wohnraum in der Stadt leisten zu können. Gemeint sind die einkommensschwächeren Haushalte, deren Nettoeinkommen nicht mehr reicht, um die hohen Mieten und stetig weiter steigenden Kosten für Energie und Lebenshaltung zu finanzieren. Und deren Zahl steigt.
Forchheim wächst zu schnell für den Wohnungsmarkt
Teil des Problems ist eigentlich eine Erfolgsgeschichte: Forchheim hortet attraktive Arbeitgeber, die immer mehr zahlungskräftige Neubürger in die Königsstadt locken. Das wirkt sich auf den Wohnungsmarkt aus: Eine finanziell zum Teil gut gepolsterte hohe Nachfrage trifft auf einen angespannten Wohnungsmarkt. Dies hat zur Folge, dass selbst Besserverdiener Wohnungen in B-Lage und B-Ausstattung mieten müssen. Es ist eine Verdrängungswettbewerb - an dessen Ende Geringverdiener leer ausgehen.
Alexander Dworschak kann nicht zufrieden sein, wenn er auf seine Liste blickt. Jene Liste mit den Bewerbungen um eine der öffentlich geförderten Wohnungen. Gut 800 Namen zählt der Chef der Wohnungsbau- und Sanierungsgesellschaft der Stadt Forchheim (GWS) darauf aktuell; vor einigen Jahren waren es noch 500. „Und selbst die Zahl war schon zu hoch", sagt er. Aber immer mehr Menschen sind auf die dank der Förderungen niedrigen Mietpreise angewiesen. Im Durchschnitt zahlt ein Berechtigter bei der GWS lediglich 5,65 Euro pro Quadratmeter.
Immer mehr Menschen in Forchheim beziehen Wohngeld
Die Schere bei finanzieller Sorgenfreiheit geht derweil weiter auf. Das zeigt sich zum einen an der immens gestiegenen Zahl derer, die auf Wohngeld angewiesen sind. Laut Zahlen des Landratsamtes sind das im Moment 580 Personen alleine in der Stadt Forchheim. Und nicht alle bekommen ad hoc die Leistung. Wie es offiziell heißt, müssten Antragstellende bis zu fünf Monaten auf ihren Bescheid warten.
Zwar bekommen seit der Wohngeldreform Anfang 2023 mehr Menschen mehr Geld. Und es gibt sozialen Wohnraum in Forchheim. So hält die GWS aktuell 163 geförderte Wohnungen bereit, die Wohnungsbau- und Verwaltungsgenossenschaft Forchheim (WVG) 140, die Wohnungsbaugenossenschaft Forchheim (Gewog) 138 und die Joseph-Stiftung noch einmal 63. Allesamt liegen weit unter der ortsüblichen Vergleichsmiete.
Auch sind in den vergangenen Jahren einige dazugekommen. So haben GWS und WVG etwa in der Paul-Keller- und in der Bammersdorfer Straße neue Wohnungen errichtet. Aber es reicht nicht - und der kleine „Boom" scheint wieder beendet zu sein. Und die Zahl an Sozialwohnungen wird perspektivisch eher abnehmen: Je nach Vertragslage verlieren öffentlich geförderte Wohnungen irgendwann die sogenannte Sozialbindung - dürfen also nach Ablauf der vorher festgelegten Frist ohne staatliche Auflagen frei vermietet werden.
Bundesweite Flaute auf dem Wohnungsbaumarkt
So macht der bundesweite Trend auch vor Forchheim nicht Halt. Es wird zu wenig gebaut, sowohl von der öffentlichen Hand als auch von den Privaten. Daraus erwächst ein wahrer Teufelskreis: Erste Baufirmen melden bereits Konkurs an, Aufträge werden storniert. Das trifft Großprojekte wie Mehrfamilienhäuser genauso wie das abgeblasene Einfamilienhaus am Ortsrand. GWS-Chef Dworschak schlägt Alarm: „Wer selbst nicht baut, der drängt auf den Mietmarkt. Wir können aber nicht den gesamten Wohnungsbau abdecken, der eigentlich nötig wäre", sagt Dworschak.
Da erscheint es auch eher wie ein Tropfen auf den heißen Stein, dass in der Konrad-Roth-Straße noch einmal 16 GWS-Wohneinheiten gebaut werden sollen. Im April soll es losgehen, einzugsbereit sollen die geförderten Wohnungen dann im Sommer 2025 sein. Doch auch das ist nur möglich, weil Stadt und Sparkasse zusammen noch einmal den Geldhahn aufgedreht haben. 1,5 Millionen Euro bekommt die GWS, um das fast acht Millionen Euro teure Projekt zu schultern.
Und danach? Verdunkeln sich die Aussichten.
Problem in Forchheim: Baulücken werden nicht geschlossen
Wie eine Umfrage bei den anderen großen Sozialwohnungsvermietern WVG, Gewog und Joseph-Stiftung ergibt, plant keines der Unternehmen, in absehbarer Zeit neu zu bauen. „Wir können derzeit keine Neubauprojekte planen, weil uns die entsprechenden Grundstücke dafür fehlen. Künftig liegt unser Augenmerk auf unserem Bestand", schreibt etwa Gewog-Chefin Loreen Klauß auf Anfrage. Ähnlich äußert sich Wolfgang Bonengel von der WVG; man könne höchstens nachverdichten, sagt er.
Dieses Problem ist auch in der Stadtspitze angekommen. Seit Jahren weist Oberbürgermeister Uwe Kirschstein (SPD) laut eigener Aussage darauf hin, dass die enorme Zahl von mittlerweile 582 Baulücken im Stadtgebiet endlich verringert werden müsse. Ihm als Leiter der Stadtverwaltung seien aber die Hände gebunden - da es sich bei den Baulücken größtenteils um private Grundstücke handele. „Auf diesen Flächen liegt erhebliches Potenzial brach."
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