Beinahe emotional liest sich die Stellungnahme der Philosophenviertel Forchheim Beteiligungsgesellschaft. In dem Schreiben, das unserer Redaktion vorliegt, ersucht Friedrich Scheck, Chef der Wiener Immobilieninvestment-Gruppe WT 80, Forchheims Oberbürgermeister Uwe Kirschstein, „keinen Beschluss zur Einleitung eines Aufhebungsverfahrens zum vorhabenbezogenen Bebauungs- und Grünordnungsplan zu fassen“.
Das gemeinsame Planungsziel könne erreicht werden, das Philosophenviertel befinde sich „auf einem guten Weg“, man sei nach wie vor stark daran interessiert zu bauen. Und nun?
Planungs- und Umweltausschuss Forchheim zieht Reißleine
Mit überwältigender fraktionsübergreifender Einigkeit hat der Planungs- und Umweltausschuss (PLUA) am Dienstagabend das Signal nach Wien geschickt, mit Scheck künftig nicht weiter zusammenarbeiten zu wollen.
Von fehlendem Vertrauen ist die Rede, man habe von Beginn an nicht offen mit den Räten kommuniziert und deren Geduld mit der Vorhabensträgerin sei nun am Ende.
Einstimmig haben die Rätinnen und Räte im PLUA daher dafür gestimmt, dem Stadtrat zu empfehlen, die Aufhebung des Bebauungsplans einzuleiten.
Hängepartie geht in die nächste Runde
Damit geht die bürokratische und womöglich auch juristische Hängepartie des groß angelegten Bauprojekts mit 286 Wohnungen in die nächste Runde.
Dem Vernehmen nach wird der Stadtrat in seiner nächsten Sitzung am 26. Oktober die vom PLUA empfohlene Aufhebungseinleitung beschließen. Doch damit ist nicht automatisch das Ende des Projekts besiegelt.
Laut Baugesetzbuch müsse die Aufhebung mittels Verfahren geschehen, was bedeutet, dass erneut Stellungnahmen eingeholt werden müssen et cetera. Erst am Ende könne das Ratsgremium dann – vereinfacht gesprochen – eine sogenannte Aufhebungssatzung erlassen, mit der die Stadt „auch die dem Vorhabensträger erteilte und mangels Baubeginn nicht ausgenutzte Baugenehmigung widerrufen“ kann.
Stadt Forchheim und Investor Friedrich Scheck: Hinter den Kulissen brodelt es
Doch was geschieht bis dahin? Hinter den Kulissen wahrscheinlich viel. Konkretes lässt sich nicht sagen, die Akteure schweigen sich aus. Auf dem ehemaligen Jahn-Gelände zwischen Theodor-Heuss-Allee, Jahnstraße und Wiesent geschieht aber vermutlich erst einmal weiterhin nichts.
Gerade weil dort trotz eines bestehenden Durchführungsvertrages immer noch nicht mit den Arbeiten begonnen worden ist, möchte sich Forchheims Stadtpolitik zumindest von der bisherigen Vorhabensträgerin trennen.
Chronik des Philosophenviertels bisher unrühmlich
Die unrühmliche Baugeschichte des Philosophenviertels reicht schon ein paar Jahre zurück. Bereits 2020 stimmte die Stadt Forchheim einem ein Jahr späteren Baubeginn zu.
Als die Frist dann noch einmal verlängert werden sollte, sagte die Stadt Nein. Darüber hinaus konfrontierte Scheck die Verwaltung mit nicht abgestimmten Planungsänderungen (etwa der Idee, mehr Sozialwohnungen als zunächst gedacht zu bauen), welche der Stadtrat mehrfach ablehnte.
Lesen Sie hier die Chronik der FT-Berichterstattung zum Philosophenviertel seit Portalstart 2021
Vor einem Jahr, am 11. Oktober 2022, empfahl der Planungsausschuss dem Stadtrat schon einmal, die Aufhebung einzuleiten. Doch man gab dem Investor eine letzte Chance, legte ihm das Ultimatum vor, bis zum 6. Oktober 2023 mit dem Bau des bereits abgestimmten Wohnprojekts begonnen haben zu müssen. Doch noch immer ist nichts geschehen.
Wie geht es nun weiter auf dem ehemaligen Jahn-Gelände in Forchheim?
Wer mit Friedrich Scheck spricht, hört seine steten Beteuerungen, an das Projekt zu glauben, fest entschlossen zu sein, es umzusetzen, die ihm gegenüber ablehnende Haltung des Stadtrates nicht nachvollziehen zu können.
Aktuell halten sich alle Parteien dieses Projekt-Pokers bedeckt. Friedrich Scheck ist ungewohnt still am Telefon, auch OB Kirschstein werde sich im Laufe des Verfahrens nicht äußern, wie er auf Anfrage mitteilt. Somit bleibt die Frage, wie es weitergeht, ungeklärt. Bagger rollen keine, auch einen Spatenstich gab es nicht – es herrscht gähnende Leere auf dem Rasengelände.
Einzig Absichtserklärungen stehen im Raum. So geht Scheck laut seinem Brief an den OB noch immer davon aus, die ursprüngliche Planung aus dem Jahr 2019 „weitestgehend“ umsetzen zu können, es dafür nur „marginale, aber zwingende Änderungen“ geben müsse.
Architekt Mathis Malchow muss unverrichteter Dinge abziehen
Um für diese Änderungen zu werben, ist Schecks ausführender Architekt Mathis Malchow am Dienstag eigens nach Forchheim gereist. Vor den Ausschussräten aber blitzte er nach fast dreistündiger Wartezeit auf dem Besucherstuhl ab. Das Philosophenviertel wurde erst als letzter Punkt einer langen Tagesordnung besprochen, Malchows Präsentation wollte sich das Gremium nicht einmal anhören.
Für das stets wachsende Forchheim und seine damit einhergehende Wohnproblematik heißt das nun voraussichtlich – sollte sich nicht doch noch eine Einigung in letzter Sekunde einstellen und wider Erwarten mit dem Bauen begonnen werden –, dass sich das innerstädtische Wohnungsangebot auf absehbare Zeit nicht erhöhen wird.
Zumindest nicht beim Jahn zwischen Theodor-Heuss-Allee, Jahnstraße und Wiesent.
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