Verschiebung, Massenmehrung, Teuerung, Entnahme aus der Risikoreserve – Begriffe wie diese gehen den für die Generalsanierung des historischen Rathauses zuständigen Architekten sowie dem verantwortlichen Projektsteuerer in dieser Woche häufig über die Lippen.
Gleichwohl zeichnen sie ein positives Bild des Baufortschritts in Forchheims Altstadt. Oder ist das nur Zweckoptimismus?
Architekt Stephan Fabi: „Kein 100-Meter-Sprinter mehr“
„Das Rathaus wird wohl nicht mehr zum 100-Meter-Sprinter werden“, sagt Architekt Stephan Fabi. Dass der komplette Ausbau wirklich bis Ende 2025 beendet sein könnte, betrachtet er angesichts der Kleinteiligkeit und der vielen Schnittstellen zwischen den Gewerken als „sportliches Zeitfenster“.
Aber er sei guter Dinge, schließlich habe man bereits etwas mehr als die Hälfte der veranschlagten Bauzeit geschafft und gehe trotz einiger zeitlicher Verschiebungen davon aus, dass der Betriebsstart des „Hauses der Begegnung“ nicht noch einmal nach hinten verschoben werden muss.
Für Juni 2026 ist anvisiert, das Haus seiner zukünftigen Bestimmung übergeben zu können. Das wären dann ziemlich genau zehn Jahre nach dem Beschluss des Stadtrates, die historischen Gemäuer umfänglich sanieren zu wollen.
Einige Sorgenkinder auf der Baustelle in der Altstadt Forchheims
Derzeit wird unter anderem an den WC-Anlagen gearbeitet, Brandschutzwände werden eingezogen, das Dach sowie große Teile der Fachwerkfassade saniert.
Insgesamt laufe es ganz gut im Moment, so Fabi. Und doch gebe es einige Sorgenkinder, die auf der einen Seite den Zeitplan des Mammutprojektes durcheinanderbringen und auf der anderen Seite an der Kostenschraube drehen.
So gebe es laut der Architekten größere statische Probleme. Um die zu beheben, bringen die Arbeiter derzeit fast doppelt so viele Bohranker ein als anfangs angenommen. Auch der zweimonatige Baustopp zwischen Ende März und Mai kommt nun teuer zu stehen.
Alleine dass die Grabungsroboter unbenutzt auf der Baustelle standen, schlägt mit knapp 550 Euro pro Tag zu Buche. Insgesamt summiert sich der lange Stillstand auf Kosten von 51.000 Euro.
Marode Balken kosten erheblich mehr
Noch schlimmer, die Sanierung von Dachstuhl und Fachwerk fördert mehr kaputte Balken zutage, als der Befund anfangs zeigte. Die Folge: eine Kostensteigerung alleine für die Zimmererarbeiten von 1,2 Millionen Euro.
Noch zeigt sich Projektsteuerer Michael Neef relativ unbeeindruckt; schließlich ist es nicht die erste Hiobsbotschaft. Und: „Genau für solche Fälle wurde in das aktuelle Gesamtbudget von 34,4 Millionen Euro die Risikoreserve aufgenommen“, sagt er.
Gesamtkosten von 34,4 Millionen Euro: Bleibt es dabei?
Diese schmilzt freilich allmählich dahin, was auch Forchheims Stadträten zunehmend Sorge bereitet. Lagen im Juni 3,1 Millionen im Risikosparschwein, sind es nun nur noch 1,7 Millionen Euro. Und noch immer sind knapp ein Viertel der Leistungen noch nicht einmal ausgeschrieben, fast die Hälfte der Arbeiten auf der Baustelle muss noch erledigt werden. Weitere Überraschungen wahrscheinlich inklusive.
Während einige Räte wie Sebastian Körber (FDP), Erwin Held (Freie Wähler) und Philipp Blümlein (Junge Bürger) ihren Unmut über die Kostensteigerungen kundtun, räumen die Architekten ein, dass auch sie nicht glücklich sind mit den Kostensteigerungen. Ein Versäumnis im Vorfeld, etwa durch falsche Befunde und Planungen, schließen sie aber aus.
Das Interesse an der Megabaustelle ist auf jeden Fall ungebrochen. Am 29. September und 6. Oktober gibt es wieder öffentliche Führungen über die Baustelle – die sind aber längst restlos ausgebucht.
Sanierungsausschuss: Stadträte billigen Lichtkonzept für „Haus der Begegnung“
Forchheims Stadtpolitiker haben das Konzept für die Licht- und Platzgestaltung des historischen Rathauses im jüngsten Rathaussanierungsausschuss einstimmig gebilligt.
Demnach werden künftig fünf mit verschieden vielen Strahlern versehene Masten die Fassade des Rathauses beleuchten. Zwei der jeweils sieben Meter hohen Masten sollen in der Fußgängerzone stehen, einer am Rathausplatz (von dort sind dann auch verschiedene Projektionen möglich, etwa für die Weihnachtsfeierlichkeiten oder andere Veranstaltungen).
Zwei der neuen Strahlermasten sollen verteilt um die Martinskirche angebracht werden. Weil sich in diesen Bereich auch der Haupteingang verlagern wird, verfügen diese Masten zusätzlich über eine Straßenbeleuchtung. Zusätzlich sind für die St.-Martin-Straße (zur Fußgängerzone hin) insgesamt vier Wandleuchten geplant, um den neuen Hauptzugang besser auszuleuchten.
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