Deckenhöhe im Ratskeller? Sparrenabstand im Dachgeschoss? Stärke der Fachwerksbalken? Tausende solcher Fragen stellen sich auf Forchheims größtem Bauprojekt, der Generalsanierung des Rathauses.
Bei Peter Krackler und seinen Kollegen von Fabi Architekten laufen all diese und noch viel mehr Informationen zusammen. Der Clou: Das wichtigste Handwerkszeug für die Planer versteckt sich hinter einem 13 Zoll großen Display.
Hunderte Akteure tummeln sich auf der Baustelle übers Jahr verteilt. Sich mit jedem vernetzt zu halten und alle auf den aktuellen Stand der Planungen zu kriegen, gliche einer wahren Sisyphus-Aufgabe.
Doch das Architekten-Team setzt auf eine beliebte Baumanagement-App, mittels derer sie jeden Fortschritt dokumentieren, Aufgaben direkt zuweisen sowie Pläne, Bilder, Videos und Infos stets parat haben.
App Capmo: In Echtzeit mit allen Akteuren vernetzen
So ist es beispielsweise möglich, den einzelnen Gewerken auf dem Plan punktgenau ihren Einsatzort zu übermitteln – in Echtzeit.
Architekt Peter Krackler: „Es spart uns eine Menge Zeit und fördert die Zusammenarbeit auf der Baustelle.“ Zwar gibt es noch hier und da, etwa im Keller, Verbindungsprobleme. Denn auch die am besten vernetzte App funktioniert nicht ohne Funknetz. Auch lebt eine solche Arbeitserleichterung erstens davon, dass bestenfalls alle Akteure mitmachen. Und zweitens, dass jeder seine Daten diszipliniert einpflegt und aktuell hält. „Aber das funktioniert hier in Forchheim gut“, sagt Krackler.
Mindestens immer donnerstags treffen sich die Architekten am Rathaus und begutachten den Fortschritt. Fällt ihnen etwas auf oder wollen sie eine neue Aufgabe vergeben, öffnen sie in ihrer App ein sogenanntes Ticket; sofort ploppt beim jeweiligen Gewerk beziehungsweise Betreffenden ein Hinweis auf. „Steckdose fehlt“, „Es kann jetzt verputzt werden“, „Auf Restaurator warten“ – zu allen möglichen Themen können die Bauleiter die Firmen direkt informieren. Die lesen das Ticket, bearbeiten und dokumentieren ihre Aufgabe und schließen das Ticket wieder. Bis das nächste aufploppt.
Knapp 1000 solcher Tickets sind bisher abgearbeitet worden. „In den kommenden Monaten werden noch unzählige hinzukommen“, sagt Krackler. Dann nämlich, wenn in den ersten Bauabschnitten der Innenausbau richtig losgeht. Spätestens dann wird die App umso wichtiger, denn in der Hochphase des Ausbaus werden sich laut Krackler bis zu 40 Firmen auf der 3800 Quadratmeter großen Baustelle tummeln.
3D-Drucker, Tachymeter, KI: Moderne Baustellen sind digital
Doch die App ist nicht das einzige digitale Werkzeug. Um die 400 Einzelpläne des Gebäudes überhaupt erst erstellen zu können, ist mit einem sogenannten Tachymeter verformungsgerecht aufgemessen worden.
Alle wichtigen Punkte des Bauwerks wurden mit einem Laserstrahl anvisiert und deren Koordinaten Punkt für Punkt gemessen; selbst schiefe Winkel, krumme Bauteile oder verformtes Tragwerk. Aus dieser Punktwolke haben die Experten dann am Computer die detaillierten Zeichnungen angefertigt.
Ihre Modelle einzelner Bauteile, etwa für Präsentationen oder Baubesprechungen, fertigen die Architekten längst mit einem 3D-Drucker an, zur Baustellenbesichtigung lenken sie mitunter gar eine Drohne durch die historischen Gemäuer.
„Die digitale Aufbereitung erleichtert uns die Zusammenarbeit vor Ort, lässt Missverständnisse erst gar nicht entstehen und spart uns eine Menge Zeit“, so Krackler. Gerade der letzte Punkt ist bei solch komplexen und langwierigen Bauvorhaben wie der Generalsanierung des Forchheimer Rathauses unabdingbar.
Video: Rathaus-Modell aus 3D-Drucker
Künstliche Intelligenz (KI) auf Forchheimer Rathausbaustelle?
Einen immer größeren Einfluss wird in naher Zukunft die Künstliche Intelligenz auch auf die Baustellen haben. So sind etwa Bauroboter, die dübeln, bohren, schrauben und montieren, auf einigen Baustellen im Bundesgebiet schon etabliert. Die analysieren ihre Daten zum Teil durch KI selbst und werden immer autonomer.
Zwar hält sich die KI rund um die Gerüste am alten Forchheimer Rathaus bisher noch raus. „Aber es tut sich gerade viel auf dem Markt. Ohne Künstliche Intelligenz wird es auch auf der Baustelle irgendwann einmal nicht mehr funktionieren“, sagt Architekt Krackler.
Stadtpolitik tagt am Donnerstag wieder zur Rathausbaustelle
Am Donnerstag, 21. September, tagt in Forchheim wieder der eigens für die Mammutbaustelle eingerichtete Rathaussanierungsausschuss. Der öffentliche Teil beginnt um 16.15 Uhr in der Soccerhalle (Friedrich-Ludwig-Jahn-Straße 14).
Auf der Tagesordnung stehen der regelmäßige Bericht der Architekten, wie die Generalsanierung vorangeht, sowie ein Bericht der Projektsteuerung über Kosten und Zeitpläne. Zudem wird das Lichtkonzept für das Rathaus erstmals vorgestellt.
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