Ein paar Inserate gibt es ja schon. Beworben werden in den einschlägigen Immobilienportalen im Internet etwa eine „Sonnige Wohnung in der Innenstadt“ oder eine „Schöne Altbauwohnung in der City“.
Interessenten sollten aber schnell zuschlagen, die begehrten Objekte sind meist ruckzuck weg. Und sie sollten ein gewisses Polster im Geldbeutel mitbringen, denn der Preis für Mietwohnungen kennt seit Jahren nur noch einen Weg. Nach oben.
Hypo Vereinsbank analysiert Immobilienmarkt in Forchheim
Wie aus der aktuellen Immobilienmarkt-Analyse der Hypo Vereinsbank für die Stadt Forchheim hervorgeht, steigen Kaltmieten bei Neuvermietungen weiter an.
Den Ergebnissen nach müssen Mieter selbst in als „einfachen und mittleren Lagen“ deklarierten Gebieten mindestens 8,50 Euro für den Quadratmeter bezahlen. Der Forchheimer Norden ist laut Hypo Vereinsbank ein solches Gebiet. 8,50 Euro dürften dort aber auf dem freien Markt nur selten erreicht werden – allein weil die sozial geförderten Wohnungen etwa der Wohnungsbau- und Sanierungsgesellschaft der Stadt Forchheim (GWS) mit Preisen von unter sechs Euro diesen Durchschnitt drücken.
In „sehr guter“ Lage in Forchheim bis zu 14 Euro pro Quadratmeter
In den als „sehr gut“ oder „gut“ eingestuften Lagen Forchheims, etwa im Innenstadtbereich oder an den Randlagen in Reuth und Buckenhofen, schlagen die Mietpreise laut den Daten der Hypo Vereinsbank schon mit bis zu 14 Euro pro Quadratmeter zu Buche.
Damit erreicht Forchheim als Wirtschaftszentrum des Landkreises und zugleich Sprungbrett vieler Auspendler nach Erlangen und Bamberg allmählich Mietpreis-Sphären, wie sie eher in Metropolen üblich sind.
Oberbürgermeister Uwe Kirschstein: „Zu viele Baulücken“
Zwar habe laut Oberbürgermeister Uwe Kirschstein (SPD) die „rege Bautätigkeit“ etwa der GWS und anderen gemeinwohlorientierten Wohnungsbaugesellschaften für Entspannung gesorgt. Aber es gebe es weiterhin zu wenige bezahlbare Wohnungen.
Auch weil zu viele Wohnungen leer stünden, so Kirschstein. „Daneben gibt es noch zu viele Baulücken im Stadtgebiet.“ 565 Areale zählt er auf, in denen bereits alles für den Bau neuer Wohngebäude vorbereitet sei (Baurecht oder Infrastruktur wie Wasser, Strom und Ähnliches zum Beispiel).
Immer mehr Menschen auf Wohngeld angewiesen
Immer mehr Menschen sind wegen allgemein steigender Preise auf Unterstützung angewiesen, etwa auf das Wohngeld des Jobcenters. Eine gute Sache, doch oft kollidieren die angesetzten Mietobergrenzen mit der Realität.
Eine maximal 90 Quadratmeter große Wohnung sieht das Jobcenter für eine Familie mit zwei Kindern in der Stadt als angemessen an, die darf aber (inklusive Kaltnebenkosten) nur 810 Euro kosten. Utopisch, klagen Sozialverbände.
Landratsamt Forchheim plant Wohnberatung
Um Betroffenen helfen zu können, plant das Landratsamt, karitative Beratungs- und Hilfsangebote etwa der Diakonie, Arbeiterwohlfahrt oder Caritas zu entlasten und eine eigene Stelle für die Wohnberatung zu installieren.
Diese Fachkraft solle allen Menschen zur Verfügung stehen. Geplant ist ein Wochenumfang von 19,5 Stunden. Ein Tropfen auf den heißen Stein? Wird sich zeigen.
Experten der Bank: Sinken Preise für Wohneigentum?
Und wie sieht es beim Wohneigentum aus?
„In Forchheim führen eine rückläufige Nachfrage und damit deutlich sinkende Immobilienumsätze zu rückläufigen Preisen in vielen Kaufsegmenten, in bevorzugten Stadtteilen schwächer, in einfachen und ländlichen Gegenden stärker“, sagt Stefan Eichfelder, Leiter des Filialverbundes Bamberg/Forchheim der Hypo Vereinsbank.
Im Landkreis Forchheim sei die bevorzugte Wohnform das Eigenheim, aber durch stark gestiegene Zinsen werde das weniger erschwinglich und dadurch weniger nachgefragt.
Daran ändern auch zum Teil fallende Preise vor allem für ältere Häuser nicht viel. Für einen Neubau (bis zehn Jahre) müssten Interessenten selbst in Eggolsheim oder Ebermannstadt mindestens 700.000 Euro zahlen. In sehr guter Lage in Forchheim wird schnell fast eine Million Euro fällig.
Ein Problem: Forchheim federe durch seine günstige Lage innerhalb der Metropolregion die noch viel angespanntere Lage im Ballungsraum Nürnberg-Erlangen-Fürth ab.
Zinsen entscheiden über den Käufermarkt
Der Käufermarkt wird sich laut den Bank-Experten frühestens mit einem stabilen Zinsniveau wieder beleben. Bis dahin sei mit leichten Preisabschlägen zu rechnen. Vor allem dann, wenn in der Region weniger gebaut wird. „Die Engpässe auf dem Mietwohnungsmarkt dürften sich allerdings eher noch vergrößern“, fürchtet Eichfelder.
Was Experten Käufern und Eigentümern raten
Wer den Kauf wagen will, solle sich mehr denn je gute Gedanken vorab machen, Unwägbarkeiten berücksichtigen, Puffer einplanen. Vor allem im Hinblick auf gestiegene Zinsen und sich stetig verteuernden Baustoffpreisen.
Beispielsweise für junge Familien sei eine solide Finanzierungsberatung essenziell. Dazu gehöre es auch, mögliche Förderungen zu recherchieren und sich vorab ein gutes Polster beim Eigenkapital aufzubauen.
Eigentümern rät Eichfelder, den Energiebedarf ihrer Immobilie zu prüfen. Modernisierungen können nicht nur Kosten sparen, sondern auch den Wert der Immobilie steigern. Grundsätzlich gelte aber weiterhin: „Die Immobilie ist nach wie vor ein attraktives Instrument zur Altersvorsorge.“
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