Sichtlich stolz führt Martin Horn durch seine Schule. Von den 420 Schülern ist an diesem Morgen an der Adalbert-Stifter-Schule nichts zu sehen, kaum etwas zu hören.
Sie büffeln und arbeiten in ihren frisch sanierten Räumlichkeiten. Moderne Technik ersetzt alte Steckdosen, die Werk- und Musikräume erstrahlen in neuem Glanz, aus ehemaligen Toiletten wurden Gruppenräume, die Aula wurde zum Mehrzweckveranstaltungssaal.
Schulleiter Horn kann nach der 13 Millionen Euro schweren Generalsanierung der immerhin zweitgrößten Grund- und Mittelschule im Landkreis nun aus dem Vollen schöpfen.
Ast-Schule Forchheim: „Endlich Konzept gut umsetzen“
„Jetzt können wir unser pädagogisches Konzept besser umsetzen“, sagt Horn. „Mit mehreren kleinen Räumen und erneuerten Fachräumen können wir dem Anspruch an die moderne Ganztagsschule noch besser gerecht werden.“
Gebaut wurde in den vergangenen fünf Jahren im laufenden Betrieb, ein Kraftakt für die Einrichtung. „Aber es hat sich gelohnt und wir konnten die Einschränkungen auf ein Minimum beschränken“, so Horn.
Leuchtturm für Bildung im Landkreis Forchheim?
Am Mittwoch, 13. Dezember, kommt die Stadtprominenz zur feierlichen Eröffnung vorbei. Ein Meilenstein in Forchheims Bildungsgeschichte?
Soweit werden Pädagogen, Schüler und Eltern sicher nicht gehen wollen. Als Positivbeispiel taugt der jüngst abgeschlossene Bau der Ast-Schule aber allemal. Zwar wird es bei Martin Horn dank steigender Schülerzahlen beinahe schon wieder eng in den neuen Hallen (die Planungen für die Sanierung begannen 2015, seither haben sich die Bedarfe geändert).
Horn zeigt sich zufrieden.
Schulen im Landkreis Forchheim: „Unterschiedliche Qualität“
Schaut man hinter die Türen weiterer Schulen in der Stadt, ergeben sich andere Bilder. Schulamtsdirektor Markus Hahn drückt es so aus: „Die Qualität der Schulgebäude ist sehr unterschiedlich.“
So sei die Bausubstanz beispielsweise an der Schule in Reuth okay, die Einrichtung aber viel zu klein. Anders schätzt er die Lage im Forchheimer Westen ein. „Wir vom Schulamt sehen auf jeden Fall Sanierungsbedarf in den Schulen Buckenhofen-Burk.“
Zwar ist die Turnhalle in Buckenhofen neu, auch seien bereits die Aula und Toilettenanlagen erneuert worden. Aber noch gibt es in beiden Schulstandorten in Buckenhofen und Burk viele Hausaufgaben zu erledigen.
Schulamt, Gemeinde, Landratsamt: Wer ist für welche Schule zuständig?
Wer sich wann um den Unterhalt der Einrichtungen kümmern muss, ist für Außenstehende nicht leicht zu durchschauen. Grundsätzlich zeichnet das Landratsamt Forchheim für die Gymnasien, Realschulen und Berufsschulen im Kreis verantwortlich.
Für die Grund- und Mittelschulen stehen dagegen die Kommunen im Dienst. Und die machten im Grunde einen guten Job, wie der Leiter des Bildungsbüros Martin Haendl auf Anfrage dieser Redaktion bestätigt.
„Einstürzende Schulbauten brauchen wir hier im Landkreis nicht zu fürchten“, sagt er. Und doch gibt es Sanierungsbedarfe in den Schulen, alles andere wäre Schönfärberei. Dabei handele es sich in der Regel um energetische Sanierungsfälle sowie geplante Erweiterungen.
Realschule Gräfenberg, Herder Gymnasium, Pestalozzischule
So seien die Baustelleneinrichtungen an der Realschule in vollem Gange, allein fürs kommende Jahr stehen dort für den Erweiterungsbau der Offenen Ganztagsschule mehr als 6,7 Millionen Euro im Haushaltsplan.
Auch die Planungen für die Generalsanierung des Herder-Gymnasiums sollen 2024 starten. Dort rechnet das Landratsamt mit fast 24 Millionen Euro allein für die Baukosten.
Noch rege diskutiert wird die mindestens 38 Millionen Euro teure Generalsanierung beziehungsweise dem Komplettumbau der Pestalozzischule. Haendl sieht dort „dringenden Bedarf“, es fehlen knapp 1000 Quadratmeter Fläche, um adäquaten Unterricht durchführen zu können.
„Startchancen-Programm“ der Bundesregierung
Die Bundesregierung sucht die Ursachen für das schlechte Abschneiden beim Pisatest zum Teil in der maroden Bausubstanz der Schulen. Im September hat die Ampel das „Startchancen-Programm“ auf den Weg gebracht, will jährlich bis zu einer Milliarde Euro in Deutschlands Schulen pumpen. Welche Schule etwas vom Berliner Kuchen abbekommt, sollen die Länder entscheiden. Und den gleichen Betrag ebenfalls zuschießen.
Das Kultusministerium in München will die Euphorie daher noch nicht ganz teilen, durch die Haushaltsquerelen des Bundes steht die Finanzierung des Programms noch auf wackeligen Beinen. „Vor dem Hintergrund des vorliegenden Eckpunktepapiers plant Bayern mit einer Anzahl zwischen 500 und 600 Schulen, 60 Prozent davon Grundschulen“, schreibt ein Sprecher auf Anfrage.
Die Entwicklungen dieses Programms werden auch im Landkreis Forchheim interessiert beäugt. Gemeinden, Schulamt, Landratsamt und Schulleiter werden weiterhin teure Bedarfe anmelden wollen. Und müssen.
Wie Martin Horn, Schulleiter der Adalbert-Stifter-Schule in Forchheim. Er blickt sich um. Und sagt: „Wir könnten eigentlich schon wieder anbauen.“
Lesen Sie auch:


















