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Schwere Vorwürfe
Circus Renz weist Kritik an Tierhaltung zurück
Zirkus-Chef Giovanni Renz kann Kritik an der Tierhaltung nicht verstehen: „Wir leben mit und von unseren Tieren“Forchheim & Fränkische Schweiz
Zirkus-Chef Giovanni Renz kann Kritik an der Tierhaltung nicht verstehen: „Wir leben mit und von unseren Tieren“ // Stephan Großmann
Buckenhofen – Über Weihnachten gastiert wieder „Der bekannte Circus Renz“ in Forchheim-Buckenhofen. Doch vorab gibt es Kritik an der Tierhaltung der Zirkusfamilie. Worum es geht und wie der Zirkus-Chef reagiert.

Kinder strahlen voller Vorfreude, wenn sie mit ihren Eltern an der Staustufe in Forchheim vorbeifahren beziehungsweise einen der zahlreichen Flyer oder die vielen bunten Plakate entdecken.

Der Zirkus ist wieder in der Stadt.

Derzeit werkeln die Schausteller trotz Schmuddelwetter fleißig an ihrer Zeltstadt. Am 21. Dezember soll es dann losgehen mit dem „Wonderful Christmas Circus“. Bereits zum vierten Mal schlägt „Der bekannte Circus Renz“ sein Winterlager in Forchheim auf, Vorstellungen wird es täglich bis zum 7. Januar geben.

Tierschützerin aus Forchheim übt Kritik an Circus Renz

Doch die Vorfreude auf das weihnachtliche Vergnügen teilen nicht alle aus der Stadt. Wie eine besorgte Leserin unserer Zeitung mitteilt, würden die Tiere unter den dortigen Bedingungen leiden.

Sie schreibt: „Bereits Tage, bevor der Zirkus seine Zelte aufgebaut hat, standen Lkw-Anhänger voll mit auf engem und dunklem Raum angebundenen Tieren auf dem Platz.“ Für die Anwohnerin unmöglich, zumal es für die Tiere laut ihrer Aussage „Hunger und Durst über mehrere Tage“ bedeute.

Derzeit läuft der Aufbau auf Hochtouren.Forchheim & Fränkische Schweiz
Derzeit läuft der Aufbau auf Hochtouren. // Stephan Großmann

Das sagt Zirkus-Chef Giovanni Renz zum Vorwurf

Was ist dran an den Vorwürfen? Zirkusleiter Giovanni Renz streitet die Vorwürfe ab.

„Wir leben mit und von unseren Tieren. Dass wir unsere Tiere tagelang nicht versorgen, gibt es bei uns nicht“, sagt er.  Seine Zirkus-Mitarbeiter kümmerten sich immer gut um die Tiere, sagt er. Und man verzichte extra auf exotische Wildtiere.

Zu den konkreten Vorwürfen der Dame könne er wenig sagen, aber: „Es stimmt nicht. Unsere Tiere haben nicht tagelang im Wagen ausharren müssen. Ganz im Gegenteil: Als wir angekommen sind, haben wir so schnell wie möglich das Tierzelt errichtet. Mitten in der Nacht bei eisigen Temperaturen.“

Giovanni Renz, Junior-Chef „Der bekannte Circus Renz“Forchheim & Fränkische Schweiz
Giovanni Renz, Junior-Chef „Der bekannte Circus Renz“ // Stephan Großmann

Er finde es gut, dass sich Menschen um Tierwohl sorgten, sagt Renz. Und sicher gebe es in seiner Branche auch schwarze Schafe, die die positiven Entwicklungen der vergangenen Jahre verschlafen hätten.

„Aber bevor jemand solche Anschuldigungen über uns in die Welt setzt, sollte er sich selbst vor Ort umschauen.“ Sein Stall stehe Interessierten offen. „Wir halten alle Vorschriften ein und haben nichts zu verbergen.“

Tierschutzverein Forchheim geht der Sache nach

Weil die Vorwürfe bereits in diversen WhatsApp-Gruppen kursieren, machte sich die Vorsitzende des Tierschutzvereins Forchheim Christine Schneider-Knapp ein Bild von der Lage.

„Ich bin grundsätzlich zwar kein Fan von Tiershows. Aber schlechter als bei vielen privaten Pferdebesitzern geht es den Tieren hier im Zirkus auch nicht“, sagt sie.

Christine Schneider-Knapp, Vorsitzende Tierschutzverein ForchheimForchheim & Fränkische Schweiz
Christine Schneider-Knapp, Vorsitzende Tierschutzverein Forchheim // Stephan Großmann

Peta und Deutscher Tierschutzbund: „Artgerechte Haltung unmöglich“

An der grundsätzlichen Kritik einiger Organisationen an der Tierhaltung in Zirkussen ändert das jedoch nichts. „Obwohl ihre artgerechte Haltung in einem Zirkus unmöglich ist, werden die Tiere nach wie vor zur Schau gestellt und müssen für die Unterhaltung von Menschen leiden“, moniert beispielsweise der Deutsche Tierschutzbund.

Vor allem die vielen Reisen würden den Tieren zusetzen, mahnen die Tierschützer. Bis zu 50 Mal wechselten Zirkusse durchschnittlich den Auftrittsort pro Jahr.

27 EU-Länder mit Wildtierverbot, nur Deutschland nicht

Deutschland hat als einziges Land in der EU die Wildtierhaltung in Zirkussen nicht verboten oder eingeschränkt.

Zwar gibt es Leitlinien für die artgerechte Haltung, Ausbildung und Nutzung. Denen zufolge müssten Tiere beispielsweise täglich beschäftigt, verhaltensgerecht untergebracht und schadensfrei transportiert werden.

Zudem hat das Bundeslandwirtschaftsministerium vor 15 Jahren die Zirkusregisterverordnung eingeführt, „um die Einhaltung tierschutzrechtlicher Vorschriften bei der Haltung von Wildtieren in Zirkussen besser durchsetzen zu können“.

Landratsamt Forchheim: Veterinäramt übernimmt Kontrollen

Die Überwachung der Einhaltung der Tierschutzstandards ist hingegen Ländersache. Die wiederum delegieren weiter, in der Regel zeichnen die Veterinärämter der Landkreise für die Kontrollen verantwortlich. So auch in Forchheim, wie Landratsamts-Sprecher Holger Strehl auf Anfrage bestätigt.

Laut Giovanni Renz waren die Landkreis-Kontrolleure am Freitag vor Ort und haben keine Beanstandungen feststellen müssen. Eine offizielle Bestätigung aus dem Landratsamt gibt es nicht.

Giovanni Renz: „Forchheim ist wie eine Familie“

Giovanni Renz hofft, dass sich die Vorbehalte zerstreuen. „Forchheim ist wie eine Heimat für uns geworden, nachdem wir wegen Corona damals hier gestrandet sind.“ Seit vier Jahren sei man hier, es habe noch nie Probleme gegeben.

„Unsere Tiere gehören zur Familie. Emotional, aber auch unternehmerisch. Gravierende Verstöße gegen das Tierwohl könnten wir uns gar nicht leisten.“

Ob die anonyme Kritikerin die Vorstellung besuchen wird? Wohl kaum. Dennoch wird der Circus Renz die Sitzplätze seines beheizten Zeltes gut füllen können – dafür spricht schon alleine der große Zuspruch in den Sozialen Netzwerken, seit die Termine bekannt gegeben worden sind.

Renz freut’s: „Ein Zirkus ohne Tiere, ist wie ein Himmel ohne Sterne.“

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