220 Gramm schwer. Sonnengelb. Rund. Wie sich ein fränkischer Gourmet seinen Kloß auf dem Sonntagsbratenteller vorstellt.
Und wie beim Mittagstisch kommt der Knödel auch aus der automatisierten Rollanlage nicht allein daher – brav in Zweierreihen liegend gleiten die frisch geformten Kartoffelspezialitäten in die Verpackungen.
Wrumm, wrumm, flupp.
Wrumm, wrumm, flupp.
35 bis 40 Klöße rollt die Maschine pro Minute, je nach Wunschgewicht. Immer gleich groß, immer gleich gelb, immer gleich rund. Unermüdlich.
Von Poppendorf im Landkreis Forchheim durch ganz Deutschland
Die Maschine ist noch neu, muss sich einarbeiten. Viel Technik ist in den vergangenen Jahren hinzugekommen. Die will getestet werden, nachjustiert, wieder getestet.
Geschäftsführer Jürgen Schmitt und seine Frau Angelika Schmitt begutachten den Herstellungsprozess daher stets genau. Wie ihre Mitarbeiterin, die das Verpackungsmaterial für die gerollten Klöße bereitlegt, ebenfalls ihre geschulten Blicke ab und an ins Innere der Rollanlage wandern lässt.
Wrumm, wrumm, flupp.
Breite Palette: Teig, fertige Klöße, Bratkartoffeln, Kartoffelsalat
Die Schmitts nicken zufrieden. Sie müssen weiter. Nach dem Rundgang wartet noch viel Arbeit, das Telefon klingelt ständig, Restaurants, Großhändler und Handelsketten aus der gesamten Region füllen bei den Schmitts ihre Kühlregale auf.
Manche ordern den Kloßteig in Großpackungen, andere kaufen gleich die fertig gerollten Klöße, große Supermarktketten bieten ihren Kunden die 750-Gramm-Beutel für den Hausgebrauch an. Bis nach Leipzig, Frankfurt und Berlin reist ihre Ware.
„Ich würde noch immer am liebsten alle zwei Tage Klöße sagen“, sagt Jürgen Schmitt. Wenig verwunderlich, nicht nur weil der Kloß als gesundes, fettarmes Lebensmittel gilt und sogar eine Vitaminbombe sein kann. Bei dem 50-Jährigen dreht sich darüber hinaus schon sein ganzes Leben alles um die tolle Knolle.
Schmitt’s Kloßteig: Seit 41 Jahren in Heroldsbach
1982 gründeten seine Eltern Georg und Hildegard das Unternehmen im heimischen Poppendorf, einem ansonsten verschlafenen Gemeindeteil Heroldsbachs. Angefangen hatte alles in der heimischen Waschküche der Familie.
Sobald aber nicht mehr nur die Hausfrauen aus dem Ort überzeugt werden mussten, und das sollte nicht sehr lange dauern, sondern immer mehr Gastronomen und sogar der Einzelhandel auf die Kloßvorlage aus Poppendorf aufmerksam wurden, wuchs der Betrieb rasch an.
„Ich habe schon als Kind immer mitgeholfen“, erzählt Jürgen Schmitt. Anfang der 1990er Jahre stiegen er und sein Bruder Wendelin ins Geschäft ein, ein paar Jahre darauf noch Jürgen Schmitts Frau Angelika. Jürgen Schmitt kümmert sich um die Produktion, Angelika um Vertrieb und Organisation.
„Zwar haben wir in den vergangenen Jahren viel in Maschinen und Technik investiert. Aber noch immer wird bei uns viel in Handarbeit produziert.“
Einblicke in Fabrik: Der Weg von der Knolle bis zum Kloß
Während einer Hochphase, wie jetzt kurz vor Weihnachten, lassen sich die Schmitts etwa 30 Tonnen Kartoffeln pro Woche in ihre Produktionsstätte liefern.
Dann durchlaufen die Feldfrüchte einen ausgeklügelten Prozess durch die stetig gewachsenen Produktionshallen.
Nach der Ankunft werden die Kartoffeln zuallererst gewaschen, danach geschält. Das alte Schnitzmesser hat jedoch ausgedient, die Schmitts dämpfen die Kartoffeln bei 150 Grad Celsius, bis die Schale aufbricht. Etwas per Hand nachfassen, sortieren, fertig.
Anschließend kochen die Kartoffeln in gigantischen Wannen, kühlen wieder ab und landen schließlich im Herzstück der Fabrik. Darin werden die Kartoffeln gerieben, mit Salz und Stärke gemischt und zum fertigen Kloßteig geknetet. Automatisiert.
Firmenchefin: Rund um die Uhr ist nicht nötig
Morgens um 6 Uhr laufen die Maschinen an, 20 Uhr am Abend ist Schluss. Eine Produktion rund um die Uhr sei nicht nötig. „Wir könnten unseren Betrieb noch industrieller aufstellen, das wollen wir aber gar nicht“, sagt Angelika Schmitt. „Unserem Anspruch an Qualität und Frische können wir perfekt genügen, so wie es aktuell läuft.“
Dabei haben auch die Schmitts wie so viele Unternehmer die Corona-Krise zu spüren bekommen. „Plötzlich fiel mit den Gastronomen ein großer Kundenstamm weg“, so Schmitt. Aber man sei durch die verschiedenen Produkte und die Ausrichtungen sowohl auf Privatkunden als auch Gastronomie und Großhandel breit aufgestellt. Das habe geholfen. Und tut es noch immer.
Daher wolle das Unternehmerpaar nicht in die Vergangenheit schauen, sondern nach vorne. Auch um die berufliche Sicherheit ihrer knapp 40 Mitarbeitenden wegen. „Wir haben viel investiert in letzter Zeit, beispielsweise in eine Photovoltaikanlage auf dem Dach. Aber wir hören damit nicht auf“, erklärt Firmengründersohn Jürgen Schmitt. „Man muss auf jeden Fall am Ball bleiben.“
Jürgen Schmitt: „Für Zukunft aufstellen“
Auch fürs Sortiment haben er und seine Frau bereits Pläne, die schon bald umgesetzt werden könnten: So sollen nicht mehr nur Großabnehmer die fertig gerollten Klöße beziehen können, auch Hobbyköchen will Schmitt künftig die Rollerei abnehmen.
Ein gerollter Heroldsbacher Kloß aus dem Kühlregal. Je nach Hunger 90 bis 220 Gramm schwer.
Sonnengelb. Rund.
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