Pakete, Boxen und Umschläge aller Größen rattern über das Band. Die flinken Hände der Mitarbeiter greifen jedes einzelne Päckchen und sortieren es für die weitere Reise. Popmusik übertönt das Rödeln der Anlage.
In den Hallen des Amazon Sortierzentrums herrscht kontrollierte Geschäftigkeit. Obwohl hier am Tag tausende Pakete vorbeikommen, ist wenig Hektik zu spüren. Der Standort in Eggolsheim ist für die Bestellungen nur ein Zwischenstopp auf ihrem Weg zum Kunden.
Im Land der Pakete: Zu Besuch bei Amazon in Eggolsheim
Amazon: Sortieren, Sortieren, Sortieren
Standortleiter und Geschäftsführer Robin Stamos führt zusammen mit Steffen Adler, PR-Manager im Bereich Transportation bei Amazon Deutschland, durch eine der Hallen. Auf der einen Seite kommen Lkws an und werden entladen. Mitarbeiter scannen die einzelnen Pakete und legen sie auf ein Fließband.
An der nächsten Station werden die Bestellungen vorsortiert. In einer Reihe zweigen mehrere Rutschen vom Band ab. Am unteren Ende jeder dieser Rutschen steht ein Mitarbeiter und sortiert die ankommenden Pakete nach vier Buchstaben: A, B, C und D. Diese stehen für unterschiedliche Bänder, auf denen die Päckchen weiterfahren.
Von einem Steg aus lässt sich die Arbeit gut beobachten: Während eine Mitarbeiterin in normalem Tempo Paket für Paket greift, scheint ihr Kollege auf dreifacher Geschwindigkeit zu laufen. Blitzschnell landen die Kartons in den Sortierbehältern. Einen Vorteil – abgesehen von einem kostenlosen Fitnesstraining – habe der Mitarbeiter dadurch nicht, erklärt Steffen Adler.
Schnelligkeit sei nicht das Wichtigste. Viel entscheidender sei, dass die Prozesse konstant laufen würden. Die Pakete werden im nächsten Schritt nach einem Code auf verschiedene Wägen sortiert und zur Abholung bereitgestellt.
Von Italien über Franken nach Hannover
Anhand der Kennzeichnung auf dem Karton lässt sich ablesen, welchen Weg eine Bestellung hinter sich hat und wie die Reise weitergeht. Ein Päckchen kommt beispielsweise aus der Nähe von Rom.
Mit einem Zwischenstopp in einem italienischen Sortierzentrum ist es in Eggolsheim gelandet. Von dort geht es weiter in ein anderes Sortierzentrum, bevor es schließlich in Hannover in ein Verteilzentrum und von da zum Kunden kommt.
Ein Algorithmus bestimmt schon bei der Bestellung die effizienteste Route für jedes Paket. Alles ist dem Kunden und dem Versprechen der schnellen Lieferung untergeordnet.
Amazon Eggolsheim: 100 Lkw am Tag
Um die 100 Lastwagen liefern am Tag Pakete in Eggolsheim ab. In Hochphasen wie zur Weihnachtszeit steigt die Zahl auf das Doppelte. Das geht nicht spurlos an dem Ort vorbei. Nach der Eröffnung des Zentrums 2019 gab es immer wieder Probleme mit wild parkenden Lkw und Müll.
So schlimm wie am Anfang sei die Situation nicht mehr, erklärt Claus Schwarzmann, Bürgermeister von Eggolsheim. Amazon habe reagiert und mehr Parkplätze auf dem Gelände geschaffen. Vereinzelt gebe es noch Schwierigkeiten mit dem Parken oder mit Lkw-Führerhäuschen, die im Bereich Neuses herumstehen würden. „Zum Weihnachtsgeschäft wird wieder einiges vorfallen, das kann man nicht schönreden“, sagt Schwarzmann.
Gleichzeitig lobt er die konstruktive Zusammenarbeit mit Standortleiter Stamos. Für den Bürgermeister hat das Sortierzentrum auch Vorteile. Zum einen zahle Amazon einen nennenswerten Betrag Gewerbesteuer. Zum anderen würden Arbeitsplätze vor Ort geschaffen.
Über 800 Mitarbeiter in Eggolsheim
Deutschlandweit beschäftigt Amazon rund 36.000 Menschen. Im Sortierzentrum Eggolsheim tragen rund 800 Mitarbeiter dazu bei, das System am Laufen zu halten. Gearbeitet wird in drei Schichten, sechs Tage die Woche. Nur am Sonntag stehen die Bänder still.
Der Stundenlohn beginnt bei 15 Euro und steigt nach zwei Jahren automatisch an. Fachliche Kenntnisse sind für viele Jobs nicht nötig. Deutsch oder Englisch sind dagegen Voraussetzung. Rund 46 Nationen sind am Standort beschäftigt. „Wir leisten hier wirklich sehr gute Integrationsarbeit“, erklärt Robin Stamos.
Ein Beispiel dafür ist Joydeb Kumar Saha. Er kam 2012 von Bangladesch nach Deutschland zum Studieren und hat bei Amazon in Krefeld als Mitarbeiter einer Zeitarbeitsfirma angefangen.
Nach mehreren gescheiteren Bewerbungen als Teamleiter hat es 2018 endlich geklappt. Durch den Job sicherte er sich seine Zukunft in Deutschland. Heute ist Saha „Operation Manager“ in Eggolsheim und kümmert sich unter anderem um die Personaleinsatzplanung.
Bisher keinen Betriebsrat am Standort
Bei Problemen können die Mitarbeiter bei Amazon anonym Feedback geben. Die Kommentare und die Antworten der Chefetage flimmern in einem Nebenraum über einen großen Bildschirm. Einen Betriebsrat gibt es nicht. An anderen Standorten sehe das anders aus, erklärt Adler. Auch in Eggolsheim sei man offen, sollte die Initiative der Mitarbeiter kommen.
Amazon präsentiert sich als toleranter Arbeitgeber. Über der Eingangstür prangen die Regenbogenfarben. Außerdem gibt es einen Gebetsraum und verschiedene standortübergreifende Gruppen, wie beispielsweise „Glamazon“, ein Zusammenschluss von Mitarbeitenden der LGBTQ-Community (Lesben, Schwule, Bisexuelle, Trans, Queer).
Der Großteil der Mitarbeiter in Eggolsheim ist direkt bei Amazon angestellt. Zehn bis 15 Prozent kommen von Zeitarbeitsfirmen. Zur Vorweihnachtszeit ist der Anteil deutlich höher, dann sind an die 1000 Mitarbeiter im Einsatz.
Ob die eigene Geschenkbestellung zu Weihnachten durch deren Hände gewandert ist, lässt sich anhand der Kennzeichnung nachvollziehen. Eggolsheim hat den Code „NUE9“, benannt nach dem nächstgelegenen Flughafen in Nürnberg.
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