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Retter-Reportage
Hautnah bei den Helden: Ein Abend lang Feuerwehrmann sein
Zu einer Übung der besonderen Art hat die Freiwillige Feuerwehr Kirchehrenbach Medienvertreter aus der Region eingeladen. Ohne die tatkräftige Unterstützung des 19-jährigen Feuerwehrmanns Daniel Herold (links), hätte FT-Reporter Stephan Großmann b...Forchheim & Fränkische Schweiz
Zu einer Übung der besonderen Art hat die Freiwillige Feuerwehr Kirchehrenbach Medienvertreter aus der Region eingeladen. Ohne die tatkräftige Unterstützung des 19-jährigen Feuerwehrmanns Daniel Herold (links), hätte FT-Reporter Stephan Großmann bei diesem enormen Wasserdruck wohl nichts zu lachen. // Sebastian Müller
Kirchehrenbach – Mehr als 4600 Aktive engagieren sich in den Freiwilligen Feuerwehren im Landkreis Forchheim. Warum sie ihr Ehrenamt so glücklich macht, zeigt ein anstrengender Selbstversuch in Kirchehrenbach.

Mein Atemschutzgerät sitzt, ebenso Helm und Handschuhe. So schnell wie möglich klettere ich aus dem HLF 20, unserem Hilfeleistungslöschfahrzeug. Vorab hatte mich Gruppenführer Michael Götz mit Leinendecke, Schlauch, Werkzeug und Rauchvorhang ausgerüstet. Gemeinsam mit meinem jungen Feuerwehrkameraden Daniel Herold stecke ich die Leiter zusammen, trage sie zum brennenden Haus und klettere hinauf.

Mit jeder Sprosse steigt mein Puls.

Gleich ist das Fenster erreicht. Gleich wird es richtig brenzlig.

Reporter im Selbstversuch - die Bilderserie

FT-Reporter Stephan Großmann schlüpft einen Abend lang in die Rolle eines Feuerwehrmanns in Kirchehrenbach. Was er während der Übung erlebte.
FT-Reporter Stephan Großmann schlüpft einen Abend lang in die Rolle eines Feuerwehrmanns in Kirchehrenbach. Was er während der Übung erlebte. // FOTOGALERIE
Zu einer Übung der besonderen Art hat der Kommandant der Freiwilligen Feuerwehr Kirchehrenbach Sebastian Müller Medienvertreter aus der Region eingeladen.
Zu einer Übung der besonderen Art hat der Kommandant der Freiwilligen Feuerwehr Kirchehrenbach Sebastian Müller Medienvertreter aus der Region eingeladen. // FOTOGALERIE Anna-Lena Reif
Erst einmal umziehen - am besten, so schnell wie möglich.
Erst einmal umziehen - am besten, so schnell wie möglich. // FOTOGALERIE
Gruppenführer Michael Götz gibt letzte Instruktionen.
Gruppenführer Michael Götz gibt letzte Instruktionen. // FOTOGALERIE
Aufsitzen - die Spannung steigt.
Aufsitzen - die Spannung steigt. // FOTOGALERIE
Eigentlich hätte ich mich für die Atemschutzmaske noch rasieren müssen. Zum Glück ist es heute nur eine Übung.
Eigentlich hätte ich mich für die Atemschutzmaske noch rasieren müssen. Zum Glück ist es heute nur eine Übung. // FOTOGALERIE
Ausrüstung gibt es genug...
Ausrüstung gibt es genug... // FOTOGALERIE
... und ich darf alles selber schleppen.
... und ich darf alles selber schleppen. // FOTOGALERIE
Im Ernstfall müsste ich mich auf das Sauerstoffgerät verlassen.
Im Ernstfall müsste ich mich auf das Sauerstoffgerät verlassen. // FOTOGALERIE
Feuerwehrmann Daniel Herold rollt den Schlauch aus.
Feuerwehrmann Daniel Herold rollt den Schlauch aus. // FOTOGALERIE Stephan Großmann
Stets hoch konzentriert: Gruppenführer Michael Götz
Stets hoch konzentriert: Gruppenführer Michael Götz // FOTOGALERIE Stephan Großmann
Ohne die tatkräftige Unterstützung des 19-jährigen Feuerwehrmanns Daniel Herold (links) hätte FT-Reporter Stephan Großmann bei diesem enormen Wasserdruck wohl nichts zu lachen.
Ohne die tatkräftige Unterstützung des 19-jährigen Feuerwehrmanns Daniel Herold (links) hätte FT-Reporter Stephan Großmann bei diesem enormen Wasserdruck wohl nichts zu lachen. // FOTOGALERIE Sebastian Müller
Gleich geht's aufwärts.
Gleich geht's aufwärts. // FOTOGALERIE Anna-Lena Reif
Höhenangst sollte man nicht haben.
Höhenangst sollte man nicht haben. // FOTOGALERIE Anna-Lena Reif
Nächste Übung: eine eingeklemmte Person aus einem Auto retten. Dafür muss ich den Spreizer holen.
Nächste Übung: eine eingeklemmte Person aus einem Auto retten. Dafür muss ich den Spreizer holen. // FOTOGALERIE Anna-Lena Reif
Der Spreizer ist schwerer als gedacht.
Der Spreizer ist schwerer als gedacht. // FOTOGALERIE Anna-Lena Reif
Aber schließlich schaffe ich es doch noch. So nimmt die Übung ein glückliches Ende.
Aber schließlich schaffe ich es doch noch. So nimmt die Übung ein glückliches Ende. // FOTOGALERIE Sebastian Müller
Die Medienleute schnuppern begeistert Feuerwehr-Luft.
Die Medienleute schnuppern begeistert Feuerwehr-Luft. // FOTOGALERIE Stephan Großmann
Geschafft, aber glücklich: Eine wirklich spannende Veranstaltung - nach der ich umso mehr meinen Hut davor ziehe, was die Feuerwehrleute tagtäglich leisten.
Geschafft, aber glücklich: Eine wirklich spannende Veranstaltung - nach der ich umso mehr meinen Hut davor ziehe, was die Feuerwehrleute tagtäglich leisten. // FOTOGALERIE Stephan Großmann

Sebastian Müller arrangiert Übung für Journalisten

„Stopp, super gemacht“, ruft Sebastian Müller. Leicht irritiert wende ich mich hinab zum Kommandanten der Freiwilligen Feuerwehr Kirchehrenbach und begreife, dass es in dem Fenster vor mir gar nicht brennt.

Dass ich an diesem kalten Spätherbstabend nur an einer Übung teilnehme. Dass niemand wirklich in Gefahr ist und ich entspannt wieder nach unten klettern darf.

Selbstversuch bei der Feuerwehr Kirchehrenbach

Schnell bekomme ich ein Gefühl dafür, wie stark das Adrenalin ins Blut der Feuerwehrleute schießen muss, wenn sie einen echten Einsatz erleben. Wenn mich die eigens inszenierte Übung, in der ich als Journalist einmal selbst in die Rolle der Retter schlüpfen darf, schon derart aufputscht.

Freiwillige Feuerwehr: 24 Stunden lang und jeden Tag bereit

„Zum Glück ist Kirchehrenbach in den vergangenen Jahren von großen Brandeinsätzen und ähnlichen schlimmen Ereignissen weitgehend verschont geblieben“, sagt Müller, der die 54 in Kirchehrenbach aktiven Frauen und Männer der Feuerwehr dirigiert.

Sebastian Müller, Kommandant Freiwillige Feuerwehr KirchehrenbachForchheim & Fränkische Schweiz
Sebastian Müller, Kommandant Freiwillige Feuerwehr Kirchehrenbach // Anna-Lena Reif

Nichtsdestotrotz müssen seine Leute, wie alle Freiwilligen, stets auf den Ernstfall vorbereitet sein. Tag und Nacht. „Unser Pager ist 24 Stunden auf Empfang“, sagt Müller.

Auch wenn es nicht ständig Einsätze gäbe; mit Lehrgängen und regelmäßigem Training kommen da einige Stunden zusammen. Allein das Team der Kirchehrenbacher Feuerwehr hat im Jahr 2022 mehr als 5100 Stunden geleistet. Allesamt ehrenamtlich.

Das bedeute für die Freiwilligen zwar einen Spagat zwischen Familie, Beruf und Rettungswesen. „Aber das Ergebnis ist die größte Motivation“, so Müller.

5100 ehrenamtliche Stunden haben alleine die Frauen und Männer  in Kirchehrenbach geleistet.Forchheim & Fränkische Schweiz
5100 ehrenamtliche Stunden haben alleine die Frauen und Männer in Kirchehrenbach geleistet. // Feuerwehr Kirchehrenbach

Übung bei der Feuerwehr zeigt, was die Freiwilligen leisten

Dies merke ich schon bei mir. Szenario zwei der Übung: Eine eingeklemmte Person gilt es aus einem Auto zu befreien. Ich wuchte den viel schwerer als gedachten hydraulischen Spreizer aus der Halterung, laufe zum Wagen.

Trotz fachkundiger Anweisungen brauche ich lang, um die Tür aus dem Auto zu bekommen. Wenn ich mir vorstelle, dass in der Realität ein Menschen hinter der anderen Seite des Bleches all seine Hoffnungen auf meine Fertigkeiten projiziert, wird mir ganz anders.

Zum Glück nur ein Übungsfahrzeug: Bis unser Reporter mit dem echt schweren Spreizer die Tür geöffnet hatte, dauerte eine ganze Weile.Forchheim & Fränkische Schweiz
Zum Glück nur ein Übungsfahrzeug: Bis unser Reporter mit dem echt schweren Spreizer die Tür geöffnet hatte, dauerte eine ganze Weile. // Anna-Lena Reif

Aber nachdenken ist nicht angesagt. Sondern machen. Schließlich schaffe ich es doch noch, die Tür ist raus. Jetzt könnten sich Notfallsanitäter um den Verletzten kümmern. Erleichtert klappe ich mein durch die Anstrengung beschlagenes Visier nach oben.

Es gibt heute keine Sanitäter. Auch keine Verletzten. Was für ein Glück.

Über die 122 Feuerwehren im Landkreis Forchheim

Wer Sebastian Müller mit leuchtenden Augen über „seine“ Feuerwehr erzählen hört, versteht, warum kleine Kinder so versessen auf Feuerwehrautos sind und warum manche es ihr ganzes Leben lang bleiben.

Man tut Gutes, man wird gebraucht, man erlebt eine unfassbar enge Gemeinschaft.

Insgesamt gibt es fast 4700 aktive Männer und Frauen im Landkreis Forchheim, verteilt auf 122 Freiwillige Wehren und eine Werksfeuerwehr. Durch die flächendeckende Verteilung schaffen es die Retter in der Regel, in den vorgegebenen achteinhalb Minuten am Einsatzort zu sein. Im Durchschnitt brauchen sie sogar nur vier.

Im Landkreis Forchheim gibt es wie in ganz Deutschland ein dichtes Netz an Wehren – im weltweiten Vergleich.Forchheim & Fränkische Schweiz
Im Landkreis Forchheim gibt es wie in ganz Deutschland ein dichtes Netz an Wehren – im weltweiten Vergleich. // Illu: Stephan Großmann Foto: Anna-Lena Reif

Zwar sind Kommunen verpflichtet, eine Feuerwehr vorzuhalten. „Wie gut die funktioniert, steht und fällt aber mit motivierten Menschen im Ort“, so Müller.

Kreisbrandrat Oliver Flake: Unsichere Zeiten nach Pandemie

Das weiß auch Oliver Flake, als Kreisbrandrat der oberste Feuerwehrler im Landkreis.

„Wir waren skeptisch, ob und wie es nach Corona weitergehen kann.“ Während der Pandemie fielen viele Übungen und Lehrgänge aus, es drohte ein Nachwuchsproblem.

Kreisbrandrat Oliver FlakeForchheim & Fränkische Schweiz
Kreisbrandrat Oliver Flake // FT/Archiv

„Aber wir sind im Großen und Ganzen gut durchgekommen. In der Jugendarbeit können wir sogar ein großes Plus vermelden“, sagt Flake. Dennoch möchte er nicht verhehlen, dass mit der unsicheren finanziellen Zukunft mancher Kommunen auch die Feuerwehren verängstigt auf kommende Budgets blicken.

„Momentan muss sich bei uns aber keiner Sorgen machen, dass einmal keine Feuerwehr mehr kommt.“

Freiwillige Feuerwehr: Wer dabei sein kann und was er tun muss

Bereits ab sechs Jahren können Kinder bei der Feuerwehr beginnen, anfangs sehr spielerisch. Schon ernster wird es bei der Jugendfeuerwehr ab zwölf Jahren, in der die Grundkenntnisse erlernt werden.

Wer die 100 Stunden Grundausbildung absolviert hat und mindestens 18 Jahre alt ist, darf dann zu echten Einsätzen mitfahren. In Kirchehrenbach sind es durchschnittlich etwa 30 im Jahr, landkreisweit mussten die Feuerwehren im vergangenen Jahr insgesamt fast 1600 Mal ausrücken.

Sebastian Müller berichtet stolz, dass aktuell wieder ein solcher Grundkurs läuft. Und zwar erlernen darin nicht nur fünf Eigengewächse aus der Jugendarbeit das Feuerwehr-Handwerk, sondern auch ein Quereinsteiger. Ein aus der Ukraine Geflüchteter, fügt er hinzu.

Respekt, was Michael Götz (rechts) und seine vielen Kameradinnen und Kameraden täglich leisten.Forchheim & Fränkische Schweiz
Respekt, was Michael Götz (rechts) und seine vielen Kameradinnen und Kameraden täglich leisten. // Anna-Lena Reif

Respekt vor den Helfern der Freiwilligen Feuerwehr

Um mir und meinen Medienkollegen einen Einblick in die Welt des Feuerwehrwesens zu bieten, haben sich Sebastian Müller, Daniel Herold und Michael Götz mächtig ins Zeug gelegt.

So wie sie es eigentlich immer tun. Auch abseits des Scheinwerferlichts. Ich lege am Ende dieses kräftezehrenden Abends mehr als nur meine Leihuniform ab und ziehe den Helm vom Kopf.

Ich ziehe vor allem meinen Hut. Davor, was diese Frauen und Männer täglich leisten. Weil sie die Welt ein Stück sicherer machen wollen. Auch wenn ich hoffe, sie nie anrufen zu müssen. Es beruhigt mich, dass es sie gibt.

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