Eins der Sorgenkinder heißt GKW 1.
Ein Gerätekraftwagen, Baujahr 1997, wie alle Fahrzeuge auffällig ultramarinblau lackiert, eingesetzt bei der Bergungsgruppe, bestückt mit Werkzeugen und Geräten aller Art, mit denen das Technische Hilfswerk (THW) Menschen, Tiere, Häuser und Ähnliches aus der Gefahr bringen will.
Der Iveco Magirus Eurocargo ist in die Jahre gekommen, Forchheims oberster THW-Mann Christian Wilfling streicht stirnrunzelnd über einen der Rostflecke. Eigentlich sollte es nächstes Jahr einen neuen geben. Doch der Kauf wurde gestrichen.
Ärgerlich, aber nicht die einzige finanzielle Sorge, die Wilfling und seine Organisation umtreibt.
THW, Rettungsdienst und Feuerwehr oft Hand in Hand
Anders als der Rettungsdienst und die Feuerwehr ist das THW im Rettungs-Alltag meist nicht in vorderster Reihe zu finden. Und doch erreicht beinahe jede Großlage auch die THW-Zentrale an der Staustufe im Forchheimer Norden.
Einsturzgefährdete Scheunen, stark überschwemmte Ortschaften, eingeklemmte Höhlenkletterer – die 125 Aktiven der hiesigen Ortsgruppe sind hierzulande und im Ausland bei der Bekämpfung von Katastrophen, öffentlichen Notständen und größeren Unglücksfällen im Einsatz.
THW als Bundesanstalt dem Innenministerium unterstellt
Das Besondere beim THW: Obwohl es als Bundesanstalt direkt dem Bundesinnenministerium unterstellt ist, arbeiten von einigen wenigen Funktionären abgesehen alle ehrenamtlich. Auch der Führungsstab der 668 deutschen Ortsverbände, also auch Wilfling.
Nun macht sich Unmut breit in den Umkleidekabinen und Lagerhallen der Technischen Hilfswerke in ganz Deutschland. Die THWler monieren: Im aktuellen Haushaltsentwurf für das Jahr 2024 hat die Bundesregierung weniger Geld vorgesehen als für die Praxis notwendig wäre.
THW Forchheim braucht mehr Geld
„Der Finanzbedarf des Ortsverbands Forchheim wächst stetig, im Wesentlichen wegen der steigenden Kosten für die Wartung und Instandhaltung der Fahrzeuge“, sagt Wilfling.
Für ihn passe es nicht zusammen, dass trotz der aktuellen Lage gespart werde. Allein durch den Klimawandel würden die Notlagen zunehmen, sagt er. „Wenn ich an Landesverteidigung denke, darf ich den Zivilschutz nicht vergessen“, so Wilfling. Genauso sieht er sich und seine Kameraden aber. Als Vergessene, Sandsackschlepper, die selbst im Regen stehen.
Mehr Unterstützung erwartet er sich von der Politik, aber auch vom eigenen Verband. „Wir als Ehrenamtliche wundern uns schon, dass sich unsere Funktionäre so einfach mit dieser Situation zufriedengeben.“
THW-Präsidentin Sabine Lackner fordert solide Finanzierung
Zwar hatte Deutschlands neue THW-Präsidentin Sabine Lackner kürzlich in einem Interview mit der Tageszeitung taz gewarnt, das THW komme noch durch das Jahr 2024, „aber danach wird es richtig eng.“
Weiter forderte sie eine „auskömmliche, solide Finanzierung“, in Zahlen: 590 Millionen Euro. Mindestens. Tatsächlich sind für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe aber für 2024 lediglich rund 550 Millionen Euro veranschlagt.
Harsche Kritik vonseiten des Bundes-THW: Fehlanzeige. Deutlichere Worte findet Bayerns Innenminister Joachim Herrmann (CSU), der Berlin ob der gekürzten Mittel gar Wortbruch vorwirft.
THW hätte Kapazität für doppelte Fläche
Wilflings Ortsverband steht noch gut da. Nicht nur, dass sie bayernweit die meisten Fachbereiche abdecken, auch haben sie das Glück, sich auf einer städtischen Fläche eingemietet zu haben.
Theoretisch hätten sie sogar die räumlichen Ressourcen, doppelt so viel Ausrüstung und Kameraden aufnehmen zu können. Pläne für eine Erweiterung werden allmählich konkreter. Bleibt das Problem schwindenden Geldes für den Helferalltag.
Andreas Schwarz (SPD), Bundestag: „Massiv investiert“
Nachfrage bei einem, der an den Berliner Hebeln sitzt. Andreas Schwarz, SPD, Bundestagsabgeordneter und Mitglied im Haushaltsausschuss.
„In den vergangenen Jahren investierten wir massiv im Rahmen der Corona-Konjunkturpakete in THW und das Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe (BBK)“, schreibt Schwarz auf FT-Anfrage. Einige Anschaffungen seien einmalige gewesen, „die der Bund zum Glück nicht jedes Jahr tätigen muss“.
Laut Schwarz würden die Ortsverbände – und damit auch der Schutz der Menschen vor Ort – mit dem neuen Haushalt sogar gestärkt. So dürften die Verbände nun einschränkungsfrei bis zu 5000 Euro ohne Ausschreibung ausgeben, bisher seien es 1000 Euro gewesen. Auch seien Mittel für die Ortsverbände sowie Gelder für Aus- und Weiterbildung aufgestockt worden, lobt er.
Christian Wilfling, THW Forchheim: Zu viel Bürokratie
Für Christian Wilfling ist das nur eine halbgute Nachricht. „Das Problem ist die ,Titel-Wirtschaft‘. Wir dürfen jeweils nur bestimmte Dinge zahlen und Gelder auch nicht ins nächste Jahr übernehmen. Das hat zur Folge, dass unwichtige Dinge angeschafft werden (müssen) und das Notwendige nicht beschafft werden kann.“ Zur finanziellen Not kommt zusätzlich eine bürokratische.
Wilfling und seine 124 Forchheimer THW-Kameraden hängen sich gerne voll in ihr Ehrenamt. Durchschnittlich 200 Stunden streifen sie pro Jahr ihre Uniformen über. Am liebsten sind sie im Einsatz oder üben wenigstens für den Ernstfall.
Verwaltung und Bürokratie mögen dazugehören – zumal es sich beim THW um eine Bundesanstalt handelt. Bürokratie dürfe aber nicht überhandnehmen.
Nicht, dass am Ende noch der gesamte Zivilschutz zum Sorgenkind würde.
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