Ruckzuck ist der Laster leer, sogleich geht es wieder ab auf die Straße.
Tagtäglich fahren die großen und kleinen Transporter der Spedition Pohl von Forchheim, Hemhofen und Erlangen aus in die Region und durch ganz Deutschland, um Discounter zu beliefern und allerlei Waren bei unterschiedlichen Firmen abzuladen oder abzuholen.
Gleiches geschieht in der gesamten Region, knapp 310 Transportunternehmen zählt die Industrie- und Handelskammer (IHK) für ihr Gebiet in Oberfranken.
CO₂-Abgabe und Ausweitung der Maut ab 2024
Nun bläst die Branche Trübsal: Die Bundesregierung hat beschlossen, dass zum 1. Dezember ein CO₂-Aufschlag zu zahlen ist, um den Schadstoffausstoß stärker zu berücksichtigen.
Zusätzlich soll die Mautpflicht auf Autobahnen und Bundesstraßen zum 1. Juli 2024 auch für Transporter ab mehr als 3,5 Tonnen greifen. Bisher gilt sie ab 7,5 Tonnen schweren Gefährten. Diese Neuerungen werden nach Einschätzung vieler die Menschen in ihren Geldbeuteln spüren.
Henrik Voigt von der Spedition Pohl in Hemhofen: „Steigerung um 83 Prozent“
Henrik Voigt, Dispositionsleiter der Spedition Pohl, wirkt wie ein Mann, den nichts so leicht aus der Ruhe bringt.
Und doch bilden sich Sorgenfalten auf seiner Stirn, wenn er über die Preisgestaltung fürs nächste Jahr spricht. „Bisher hat ein Lkw-Kilometer 19 Cent gekostet. Durch das beschlossene Gesetz verteuert der sich auf fast 35 Cent. Das ist eine enorme Steigerung.“
Hochgerechnet auf die knapp 120.000 Kilometer, die einer seiner Laster im Jahr zurücklegt, ergibt das eine stattliche Summe. Geld, das er wie viele andere seiner Branchenkollegen an seine Kunden weitergeben müsse.
Die wiederum werden es ebenso weitergeben müssen. Bis in die Haushalte hinein.
Ein Teufelskreis.
Das sagen IHK und Bayerischer Handelsverband
„Die Mehrkosten für die Mauterhöhung muss letztendlich der Endverbraucher mit höheren Preisen etwa im Supermarkt, aber auch beim Hausbau oder dem Kauf eines Autos, tragen “, erklärt der Verkehrsexperte der IHK Stephan Jarmer auf Anfrage.
Dies bestätigt der Bayerische Handelsverband. Sprecher Bernd Ohlmann sagt unserer Redaktion am Telefon: „Beinahe alle Waren werden teurer. In welchem Umfang das geschehen wird, lässt sich allerdings noch nicht sagen.“
Eins zu Eins könnten die Händler die Teuerungen sicher nicht weitergeben. Zu sehr seien die Verbraucher bereits ans Sparen gewöhnt und zum Teil angewiesen. Corona-Krise, Ukraine-Krieg, Inflation, nun CO₂-Abgabe und das in seinen Folgen noch unklare Desaster um das 60-Milliarden-Loch im Etat der Bundesregierung: „Das Krisengefühl vieler bleibt, sie sparen“, so Ohlmann.
115 Euro mehr im Jahr: Was auf die Verbraucher zukommt
Der Landesverband Bayerischer Transport- und Logistikunternehmen (LBT) warnt ebenso davor, dass „die Mautpläne der Bundesregierung den Wirtschaftsstandort Bayern mit zusätzlich mindestens 1,5 Milliarden Euro pro Jahr und mangels Alternativen am Fahrzeug- und Energiemarkt zum Inflationstreiber werden. Wie der Verband vorrechnet, ergeben sich für die Endverbraucher pro Kopf theoretische Mehrkosten von 115 Euro im Jahr.
Statistisches Bundesamt: Inflation bleibt Thema
Und es ist mehr als ein Gefühl. Zwar hatte sich der Preisanstieg beispielsweise für Nahrungsmittel im Oktober laut Zahlen des Statistischen Bundesamtes verlangsamt.
Aber im Vergleich zum Oktober 2022 sind die Preise trotzdem um mehr als sechs Prozent gestiegen. Vor allem für Zucker und Süßwaren (plus 13,4 Prozent) sowie für Brot und Getreideerzeugnisse (plus 10,9 Prozent) und Obst (plus 9,6 Prozent) mussten die Verbraucher spürbar mehr bezahlen.
Speditionen geraten unter Druck, Ausnahme für Handwerksbetriebe
Die Belastung für die Verbraucher ist hoch, ebenso für den Handel. Zudem gerate das durch Fachkräftemangel geschwächte Transportgewerbe durch die Kostenerhöhungen weiter unter Druck.
Dies erkennt auch Pohl-Dispositionsleiter Henrik Voigt. „Ich vermute, dass einige kleinere Speditionsfirmen die kommenden Monate wohl nicht überstehen werden.“ Vor allem, wenn die Maut auf Kleintransporter ausgeweitet wird, treffe die Preiserhöhung alle Branchen, die etwas transportieren müssten.
Angaben des Bundesamtes für Logistik und Mobilität zufolge waren im September etwa eine Million mautpflichtige Fahrzeuge auf Bundesstraßen und Autobahnen unterwegs. Das FDP-geführte Verkehrsministerium schätzt, dass ab Juli nächsten Jahres 300.000 Fahrzeuge neu mautpflichtig werden (100.000 davon kämen für die angedachte Handwerker-Ausnahme in Betracht).
Lisa Badum (Grüne): „Mehr Verkehr auf Schiene“
Insgesamt erhofft sich die Regierung durch CO₂-Abgabe und Mauterhöhung Mehreinnahmen von knapp sieben Milliarden Euro. Forchheims grüne Bundestagsabgeordnete Lisa Badum verteidigt auf Anfrage die Neuregelung.
Das Ziel hieße, den Lkw-Verkehr auf den Straßen zu minimieren und bestenfalls auf die Schiene zu verlagern. „Klimaschutz im Verkehrssektor soll für alle gelten. Es ist ein großer Wandel, den wir jetzt beginnen“, sagt sie.
Emissionsfreie Alternativen kaum vorhanden und praktikabel
„Grundsätzlich ist ein CO₂-Preis ein bestens geeignetes Lenkungsinstrument“, sagt Frank Lechner, Umwelt- und Energiereferent bei der IHK. Zudem sollen emissionsfreie Lkw bis Ende 2025 von der Maut gar befreit werden.
Aber, so Lechner: „Der Spediteur hat derzeit keine oder kaum Möglichkeiten, auf emissionsfreie Alternativen umzusteigen. Es gibt zu wenige Hersteller, die emissionsfreie Lkw liefern können und die Infrastruktur mit Schnellladesäulen oder Wasserstoff-Tankstellen ist nicht ausreichend vorhanden.“
Kritik äußert auch Spediteurprofi Henrik Voigt. „Es ist schade, dass die Maut-Milliarden nicht in marode Straßen investiert werden. Machen wir uns nichts vor: Es geht nicht ohne den Lkw.“
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